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2001-12-10 11:55:29 (UTC)

geistige & sprachliche verarmung

heute brauche ich das haus nicht zu verlassen. den
rentenversicherungsträger habe ich angerufen, soweit ist
alles in ordnung. und auch sonst.
ich spüre, wie das narbengewebe an der schulter schrumpft,
es fühlt sich an wie wachs, das auf der haut auskühlt. am
13ten werde ich wieder zur arbeit gehen, ich weiß nicht, ob
ich mich darauf freuen soll; wieder die gleichen gesichter,
wieder dieselben kleinlichen probleme, immer dasselbe.
endlich habe ich es geschafft „Antigone“ zu ende zu lesen.
jetzt ist wohl „König Lear“ dran. wieso ich solches zeug
lese? ich finde keine zeitgenössiche literatur die soviel
wissen enthält. shakespeare ist ein großer lehrer. Heine
habe ich gelesen, seine gedichte enthalten eine feine
schärfe, gefällt mir. ich würde gern eine real-life person
haben, mit der ich über solche dinge reden kann.
wahrscheinlich gibt es einen literaturverein oder sowas
hier, aber von vereinen halte ich nichts, denn, mein
freigeistlicher leser, deutschland ist der hort der
verknöcherung.
die „alten“ schriftsteller benutzen eine sehr schöne
sprache und durch wortkunst war ich schon immer verführbar.
auch ist deren sprache nicht so verarmt und reduziert wie
der heutige sprachgebrauch. nunja, was soll ich sagen? die
welt ist schlecht und vernichtet sich selbst, und das
wiederum ist gut. wie in „Brave New World“, die Geschichte,
in der es ein verzeichnis der benutzbaren wörter gibt das
mit jeder ausgabe immer dünner wird. sprache und bewußtsein
formen sich gegenseitig, und so kalt wie heutzutage die
sprache benutzt wird, sehe ich die geistige verarmung am
horizont ihre truppen formieren. die BILDzeitung wird dann
ein intelligenzblatt sein und die menschen werden nur noch
anhand von piktogrammen kommunizieren, für jeden
verständlich, international und später wird das leben sich
dem unterordnen, was durch piktogramme ausgedrückt werden
kann. die menschen werden sich und ihre erlebnisfähigkeit
dem anpassen, was sie mittels dieser bilder auszudrücken im
stande sind. glücklicherweise werde ich das nicht erleben.
*freut sich* wer würde denn auch dieser armen welt
angehören wollen?!


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