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2001-10-17 08:47:37 (UTC)

Frankreich - Tagebuch, Teil Eins

02. 10.
Gestern kamen wir nach 12 h Fahrt in Sable d`Or Le Pins an.
Der gesamte Ort scheint vom Tourismus zu leben, jedenfalls
haben wir bei unserem Rundgang außer Restaurants („Man
spricht deutsch“) und Souvenirläden nichts gefunden, in dem
man Geld ausgeben könnte.
Auf der Fahrt, während der letzten Pause tranken wir in
einer Fernfahrerkneipe Saft und der Besitzer war freundlich
und erinnerte mich, wohl wegen der Kürze seiner Haare, an
einen alten Bekannten.
Natürlich waren wir gestern am Strand. Wir sammelten
Muscheln auf. Das Wasser iat angeblich immer türkisfarben.
so auch gestern. Heute weht ein lauwarmer und zeitweilig
starker Wind und das Licht hat einen rosafarbenen Anteil
und der Atlantik soll wie immer türkis aussehen.

Das von uns gemietete Haus riecht modrig und die
Polstermöbel und Betten sind ein wenig klamm. Davon
abgesehen ist es schön, wenngleich die Photos die uns von
der Besitzerin geschickt worden sind, die doppelte Größe
vorgaukelten.
Der Geruch in der Küche erinnert an Bauernhäuser in Polen
und Tschechien was wohl am Steinfußboden liegt.
Steinfußböden in der ganzen Welt scheinen den gleichen
Geruch zu verströmen.
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03.10.
Das Gemäuer und die Luft sind so feucht, daß das Papier
sich wellt und die Handtücher nicht trocknen. Wir haben den
Kamin in Betrieb genommen um den Schimmelgeruch
wegzubekommen und weil es gemütlicher ist.

Die Verbrennung eitert ohne ende und ich mußte Pflaster
kaufen ( in französischer Sprache !).

Der Atlantik ist hier immer türkis, egal welches Wetter
herrscht.

Das größte Mädchen der Welt plant Ausflüge und ich fühle
mich mies dabei weil ich mir vorkomme, als ließe ich mich
unterhalten. Sables ist eben eine Durchfahrtstraße mit
einem Casino und einem Supermarkt und zwei Hotels. Ein
mexikanisches Wüstenkaff würde so aussehen.
Cap Frehel war schön, viel Atlantik, viel Landschaft,
schöne Küste.

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04.10.
Heute Morgen ist es deutlich kühler aber der Himmel
verspricht einen sonnigen Tag.

Das WC ist direkt unter der Treppe eingerichtet, so das man
gerade noch stehen kann; nicht sehr bequem.

Die Wunde werde ich nur noch nachts mit einem Pflaster
abdecken und sie über Tage quasi „lufttrocknen“ lassen.

Die Stille hier ist sehr angenehm, vor allem, wenn sie
durch das Zwitschern der Vögel unterstrichen wird.

Die Spinnen sind in Anzahl und Größe recht imposant, genau
wie die Mücken, diese ewig hungrigen Biester.

Man ist hier so weit weg vom Weltgeschehen, daß ich am Tag
III unseres Aufenthaltes frage, ob „das Shining“ nur eine
Erfindung von ST. King ist, oder ob es tatsächlich
auftreten kann.


später.
Der SPIEGEL schreibt in einem Artikel über magersüchtige
Ypsilons ( ich mag den Ausdruck „Männer“ nicht
verwenden): „Die männliche Sexualität, Eindringen, Erobern
ist etwas sehr schwieriges wenn man mit dem Vater einen
aggressiven Mann vor Augen hat. Die Jungen bekommen Angst,
wenn mit dem Wachstum der Gelenke und Muskeln ihr eigner
Körper dem des Vaters immer ähnlicher wird. Das wollen sie
verhindern. Um jeden Preis.“

Wir waren mehrere Stunden am Strand. Ich habe den Kamin
befeuert, deswegen heute Morgen Holz gehackt ( nicht alles
was man als Kind lernt ist unnütz. Für manche Dinge
empfinde ich Dankbarkeit obwohl es blödsinnig ist. Denn
Sachen wie Holz hacken kann jeder Trottel).


Ich stand an den Klippen und hatte keine Lust zu springen.
Immer stärker gewinne ich den Eindruck, daß die ganze
Selbstverletzungs- und Suizidsache ein Verlangen nach
Aufmerksamkeit ist.
Trotzdem ich weiß, das ich die ungeteilte Aufmerksamkeit
meiner Gefährtin habe. Seltsam, nicht wahr? Wie ein Baby
das brüllt.

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06.10.

7:30 h scheint meine Zeit zu sein. Dann werde ich wach.
Zweimal jede Nacht noch dazu. Ob es am Mond liegt, der sein
besonders bleiches Winterlicht über den Himmel schickt?

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08.10.
Hallo Welt, stehst du noch immer ?
Wir haben herausgefunden, das mein Schlaf nicht tatsächlich
gestört ist sondern ich nur das Empfinden habe, er sei es.

Wenn das Licht mich, so wie jetzt, an den entspannenden
Aufenthalt in Schweden erinnert, fühlt es sich gut an, hier
zu sein. Die meiste Zeit aber treten dieselben Macken auf
wie zu Hause; ich bin nervös, habe Sodbrennen, rauche
zuviel, bin unsicher, kontrolliere die Verschlüsse der
Fenster und der Türen usw., usf.