fairy_of_nostalgia

Briefe an Katrin
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2021-09-02 23:33:23 (UTC)

Alles Gute nachträglich!

Liebe Katrin,

Es ist schon ein bisschen her, aber du hattest Geburtstag und so wünsche ich dir nachträglich alles Gute! Ich weiß, dass du schön gefeiert und Menschen um dich gehabt hast, die dir zeigen, wie sehr sie dich schätzen und wie wichtig du für sie bist. Daher bleibt mir, dir zu wünschen, dass du im neuen Jahr glücklich bist, dass du dein Karma erleben kannst und dass du viel Liebe um dich spürst, dein neues Zuhause deine Heimat nennen kannst sowie jeder Tag eine schöne, neue Blume bereithält. Denn dir kann ein jeder vertrauen, du bereicherst jeden Augenblick und setzt dich für die ein, die dir wichtig sind. Du schaffst es, dass die Zeit still stehen kann und das unabdingbare Schicksal keine Rolle spielt. Einen herzlicheren wie einnehmenderen Menschen gibt es nicht. Bleib deshalb dir und deiner Sache immer treu. Alles Gute und möge alles, was du gegeben hast, tausendfach auf dich zurückfallen!

Nun bin ich gerade froh, dass du das nicht lesen wirst, weil ich weiß, wie sehr du positive Worte und vor allem ausgedehnte Wünsche hasst (Schleim Schleim!). So kann ich hier genau das ausdrücken, was mein Herz empfindet. Leider sind meine Gedanken gerade ununterbrochen bei dir, warte ständig mit dunkler Sehnsucht auf ein Lebenszeichen, sodass sich mein Selbsthass wie meine Enttäuschung stets steigert und mein Körper pausenlos zittert. Mir ist bewusst, dass sämtliches Warten vergebens ist, doch vielleicht ist das die Strafe, an meinem Schmerz zugrunde zu gehen, bis der Leiermann mich zu sich winkt.

Jedoch hatte ich heute Momente der Ablenkung, als ich mich in Arbeit verlieren konnte. Ein kleines Licht schien, als der Gedanke kam, so eine kleine positive Spur legen zu können, bis ich mich zu dem Ufer des Hades endlich begebe. Schließlich kann eine kleine Spur vielleicht irgendjemandem eine Hilfe sein, was natürlich niemals das Chaos und die Verwüstung aufwiegt, die ich in meiner zerstörerischen Weise bisher hinterlassen habe. Überall, wo ich bin, sorge ich für Gram und Enttäuschung, bereite Schmerz und Leid. Meine Angst vor der nächsten verursachten Enttäuschung verschlimmert alles durch meine folgende Lähmung nur noch. Und so bleibt mir nur eines, ich lasse dich und alle in die Ferne gehen.

Denn Hilfe will ich nicht. Wie sollte ich auch nur eine einzelne Sekunde einer Person verdienen? Verachtung verdiene ich, so groß, wie ich mich selbst verachte. Und niemand sollte solche Gedanken erfahren, da die Nacht auf alles ihre Schatten wirft. Daher bleibe ich alleine und stelle fest, dass der Schmerz und die Unruhe scheinbar unendlich wachsen können. Ich würde schreien, doch es käme kein einzelner Ton und Kraft dafür suche ich vergebens.

Doch eines bleibt: die Erinnerung an vergangene Tage. Als wir oft beisammen waren und lachten wie scherzten, uns der Philosophie und unserer Leben Qualen hingaben sowie unbeschwert nach vorne sahen. Ein leidendes Lächeln legt sich um meine Lippen. Dich werde ich nicht vergessen! Die alten Tage werden stets die verschwundene Sonne bleiben, für die ich nur Dankbarkeit, wenn auch schuldbewusste Dankbarkeit empfinde.

Eines habe ich mich noch gefragt: warum? Warum tue ich, was ich tue? Warum bin ich, was ich bin? Dabei ist mir gewiss: schon lange habe ich aufgehört, darauf zu achten, was ich zum Leben brauche. Die innere Stimme ist seit Ewigkeiten verstummt. Denn diese riefe mir sonst zu, dass ich dich brauche allezeit. Stattdessen gebe ich mich scheinbaren Problemen, meinem Egoismus wie irrelevanten Sachen hin und vergesse alles Wesentliche um mich herum. So bleibt dann nur noch die Leere und die Kälte ohne jede Zuversicht bestehen. Vielleicht kannst du aus meinen Fehlern lernen. Höre immer in dich hinein und lass deine Intuition für dich sprechen. Sie wird den richtigen Weg weisen.

Ich hingegen kenne nur noch einen Weg. Ins Grab.


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