fairy_of_nostalgia

Briefe an Katrin
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2021-09-01 23:14:31 (UTC)

Unmögliche Entschuldigung?

Liebe Katrin,

Warum schreibe ich dir nicht einfach? Tatsächlich war ich heute kurz davor! Doch dann überwältigten mich meine Gefühle, dich in meinem Leben nicht verdient zu haben. Denn du bist positiv und mitfühlend, humorvoll und hilfsbereit, ich dagegen strahle nur negative Energie aus, hangle mich von einem Tal zum nächsten und enttäusche jeden, der mir einen Teil seiner begrenzten Zeit gewährt. Solltest du damit deine Zeit verschwenden? Das Leben bietet schließlich andere schöne Momente.

Momente, die mir so fern wie auf einem anderen Planeten erscheinen, die längst hinter mir liegen. So frage ich mich: warum konnte ich diese nie ausreichend wertschätzen? Sie schwebten vorbei wie nächtliche Schatten. Dir und deiner Zeit habe ich ebenso nicht genügend Wertschätzung entgegen gebracht. Ohne Nachdenken war vieles zu selbstverständlich.

Aber wie besonders ist es, meine Täler hinzunehmen? Und so mischt sich beim Schreiben in meinen Schmerz ein Hauch von Dankbarkeit für vergangene Tage. Dennoch bleibt dieser Schmerz übermächtig. Die Brust zieht sich ständig zusammen und bisweilen stockt der Atem, während eine Woge der Verzweiflung und des Selbsthasses mich überfährt. Ruhe ist ein einziges Fremdwort, Aufstehen eine unmögliche Aufgabe. Der einzig sinnvolle Weg führt in den Tod. Denn wenn ich nicht bin, ist der Schmerz passé und niemand wird mehr verletzt. Schon jetzt lebe ich nicht, bin nur in meinem Schmerz, meiner Verzweiflung gefangen. Ich kann nicht lachen, nicht weinen. Alles bleibt leer. Und morgen? Morgen ist das Nichts.

In der letzten Zeit habe ich mich viel zu wenig in dich eingefühlt, nach deinen Träumen oder Sehnsüchten sowie deinen Ängsten gefragt. Wie ist es, dem wunderbarsten Menschen nicht genügend Achtung entgegen zu bringen? Es zerreißt das Herz, zerfetzt die Brust. Doch schuld daran bin einzig und allein ich. Schuldgefühle, die jede Zelle lähmen und jeden Atemzug bitter zersetzen. Was für ein Egoismus! Welche Achtlosigkeit! Wie sehr habe ich diesen Schmerz verdient.

So wünsche ich dir nun, dass du glücklich wirst und deine Träume Wirklichkeit werden. Menschen, die dich lieben und an deren Schulter du dich anlehnen kannst, die dich tragen, wenn dir Felsen in die Quere kommen. Gefühle, die dich die Tage genießen lassen. Begegnungen, aus denen du positive Energie ziehst.

Es tut mir leid.

Eigentlich wollte ich dir auch Belangloses von meinen Tagen berichten, doch heute reicht der Platz nicht aus. Somit nur eines: vielleicht kann ich dich an Erntedank hören. Aber nur, wenn du nicht merkst, dass ich in deiner Nähe war.


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