Tanja

MyMelody
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2020-02-06 21:56:25 (UTC)

Mein Beruf

Liebt ihr euren Beruf ?
Ich bin examinierte Altenpflegerin, zusätzlich Sicherheitsbeauftragte in dem Altenheim in dem ich arbeite und mache momentan ein Fernstudium zur Qualitätsmanagementbeauftragte, uffz echt viel Arbeit, aber ey....wenn man seinen Beruf liebt, dann macht all dies großen Spaß.
Allerdings muss ich gestehen, es gibt Dinge in der Pflege, die mich oftmals in einen Zwiespalt bringen. Ich muss lernen, dass nicht jeder seinen Beruf so ausübt, dass es meiner Einstellung zu diesem Beruf entspricht. Ich bin Perfektionistin, ich kann gar nicht anders, aber ich muss abends in den Spiegel schauen können und sagen können, ja ich habe meine Arbeit heute gut verrichtet und ich muss mit einem guten Gewissen ins Bett gehen können.
Ich arbeite mit Menschen und diese Menschen arbeiten mit mir, wir müssen eine Beziehung aufbauen, in der Vetrauen herrscht, wir müssen kommunizieren können, der Mensch muss sich auf mich verlassen können. Für ältere Menschen, Menschen mit Erkrankungen ziehen bei uns ein mit dem Wissen, dass ihr altes Leben weg ist, dass sie nur noch Bruchstücke daraus mitnehmen können, sie lassen all ihr geliebtes altes Leben zurück, ich kann es nicht nachvollziehen, weil ich nicht in ihrer Situation stecke, aber ich kann es erahnen. Und das, was sie mitnehmen, ein Foto, ein Album, vielleicht ein paar Möbel, jedes noch so kleine Andenken bedeutet für sie die Welt.
Viele der Bewohner in unserem Haus sind an Demenz erkrankt, eventuell kommt noch die ein oder andere Erkrankung dazu, wir haben Menschen mit Alkoholabusus, Parkinsonerkrankte usw....
Diese Menschen sind so dankbar, ab und an stecken sie dir ein Schokolädchen in die Tasche oder lächeln dich an, sie freuen sich, wenn du mit ihnen sprichst, wenn du ihnen zuhörst, sie erzählen dir aus ihrem Leben, oftmals geben sie dir Ratschläge für dein Leben.
Ich wärme oft ihre kalten, dünnen und faltigen Hände, diese Berührung tut uns beiden sehr gut, sie winken einem von Weitem zu, wenn ich zum Dienst komme, sie fragen mich, was ich an meinem freien Tag gemacht habe und freuen sich für mich, obwohl die meisten kaum noch Familie haben, geschweigeden raus kommen.
Ich rede oft mit ihnen über ihre alten Fotos, ihren Andenken und jede hat von ihnen eine Geschichte, die sie mir anvertrauen, manchmal weinen wir zusammen, manchmal lachen wir zusammen, aber sie spüren, dass jemand da ist, dass jemand Interesse an ihrem Leben hat.
Als Pfleger/ in bekommt man natürlich auch mal was ab, sei es verbal oder man wird aus dem Zimmer verbannt, eigentlich alles reale Dinge, die auch junge, gesunde Menschen haben. Emotionen müssen raus und das ist auch gut so, ich kann das verstehen, wir reden darüber, ich bin niemals böse, wieso auch.
Bei Menschen mit Demenz z.B. schlüpft man auch mal in eine andere Rolle, je nachdem wo sie sich gerade befinden holt man den Menschen auch ab, oftmals eine Reise in die Vergangenheit. Dort, wo sie sich gerade befinden, dort sind wir Pfleger auch und nirgends anders, Menschen, die an Demenz erkrkankt sind kommunizieren über Gefühle mit mir, hier ist Empathie gefragt.
Nächstes Jahr mache ich eine Zusatzausbildung zur Gerontofachkraft, darauf freue ich mich sehr, ebenso möchte ich noch die Palliativausbildung im Anschluss machen, dann habe ich alles, was meiner Meinung nach für diesen Beruf und für mein Wissen wichtig ist.

Ich gehe sehr gerne zur Arbeit, ich arbeite auf allen 3 Wohnbereichen in unserem Haus wenn Not am Mann ist, natürlich habe auch ich mal keine Lust zum Arbeiten, es ist auch nicht immer alles Friede Freude Eierkuchen, aber dies ist meistens dann nur wenn ich müde bin nach einer 10er oder 11 Serie am Stück, hallo?, das sei mir auch erlaubt mal müde zu sein....
Mein Chef und meine Chefin sind klasse, sie geben sich Mühe dass es uns und den Bewohnern gut geht, natürlich gibt es auch Dinge, die ich an den beiden nicht so verstehe, aber ich urteile nicht, weil ich nicht in deren Haut stecke, eher such ich Wege sie zu unterstützen, ehrlich und direkt zu ihnen zu sein und auch mal zu sagen, was uns nicht gefällt oder was uns mehr motivieren könnte.

Mein Wohnbereich ist sehr strukturiert und organisiert, ich habe zwei tolle WBL´s, mit denen man auch lachen kann. Meine Kollegen, auch hier bin ich zufrieden, auch wenn es den ein oder andren gibt, der es aus irgendeinen Grund nicht so gut mit mir meint, aber das gibt es ja überall,auch hier zeige ich Verständnis, denn meistens haben sie mit sich selbst Probleme und reagieren deshalb so. Ich lasse mir aber trotzdem nichts gefallen und äussere dies auch höflich....Mist ich trage oftmals das Herz auf der Zunge, lach. Ich sag immer so, wenn jeder aus dem Team sein Bestes gibt und jeder Einzelne ist in etwas anderem gut, dann ergibt das ein super Team, denn jeder Einzelne von uns kann etwas dazu beitragen, damit wir eine optimale Pflege erreichen können,damit der Bewohner zufrieden ist und sich wohl fühlt.

Ich bin glücklich in meinem Beruf, viele Menschen sprechen uns in der Pflege ihren Respekt aus, dafür bin ich sehr dankbar, ich kenne auch einige Berufe vor denen ich meinen Respekt zeige.
Viele sagen auch dass sie meinen Beruf nicht machen könnten....kein Problem, ich kann ihn ja machen, grins.

Gute Nacht Welt, wo immer ihr gerade seid, was immer ihr gerade macht....ich habe frei morgen :-P


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