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2016-07-07 06:51:03 (UTC)

Gespräch mit Chefin

Musik: CLIFF MARTINEZ - Solaris

Ohja, der Soundtrack zum Film "Solaris" (2002)

X = die aktuelle Arbeitssituation

Die Chefin bat den Betriebsratsmenschen und mich gestern zum Gespräch über meine 14-Tag-Krankschreibung. Sie habe gerüchten hören, ich hätte mich wegen X krankschreiben lassen und sie wolle das mal ansprechen. Ich bejahte, es sei Selbstschutz gewesen. Ob ich mir vorstellen könne, wie das Gerücht entstanden und von wem es in die Welt gesetzt worden sei? Ich sagte ihr, ich habe nie angekündigt, mich wegen X krankschreiben zu lassen (was, technisch gesehen, der Wahrheit entspricht). Freilich verschwieg ich ihr, daß ich dem Kollegen, mit dem ich die Arbeitsbereiche zweimal tauschte, gesagt hatte, der Grund für den Tausch sei, daß ich "es nicht mehr ertrage". Ich sagte ihr, ich könne mir vorstellen, daß betimmte (körperliche) Beschwerden, über die ich immer mal wieder sprach, in die entsprechende Richtung haben gedeutet werden können. Ich blieb da absichtlich vage.

Und ratet mal, wer ihr von diesem Gerücht erzählt hat. Genau, die Kollegin, von der ich im gestrigen Eintrag sprach, die, die so ewig herumlabert und sich für jeden Scheiß bei der Chefin absichert. Später sagte die Chefin, diese Kollegin mache den Job, weil das nunmal ihre Aufgabe sei, zudem habe die Kollegin die Entscheidungen nicht allein getroffen, sondern in Absprache mit dem Kollegen (Name) (das ist der opportunistische Kollege, von dem ich im gestrigen Eintrag sprach).
Die Chefin führte aus, daß die Situation im Hause angespannt sei, die Kollegen unzufrieden seien und meine Krankschreibung die Stimmung verschlechtert habe. (Das ist nur eine grobe Zusammenfassung und klingt deshalb härter, als das Gespräch gewesen ist).

Die Chefin fragte mich was ich brauche, damit es mir besser gehe, sie wies auf meinen unbefristeten Arbeitsvertrag hin, darauf, daß in anderen Niederlassungen immer wieder Stellen ausgeschrieben seien, darauf, daß ich aktive werden müsse bevor es so schlimm werde das es zur Krankschreibung kommt, darauf daß sie das nicht "irgendwie doof" meine, darauf, daß auch sie unter der Belastung durch X leide (dabei hatte sie feuchte Augen), darauf, daß Anträge für eine Erhöhung des Stellenschlüssels gestellt worden seien.

Man kann das nun verschieden interpretieren.
Erstens: Stell dich nicht so an, mir geht es auch nicht besser und ich lasse mich nicht krankschreiben.
Zweitens: Such dir halt was anderes, wenn du den Ansprüchen der Arbeit hier nicht gewachsen bist.
Drittens: Sie hat mir einfach nur aufgezeigt, welche Entlastungsmöglichkeiten bestehen.
Viertens: Das halte ich für die wahrscheinlichste Option: eine Mischung aus dem Genannten.

Sie sagte es sei sinnvoller, wenn Mitarbeiter sich ab und an für einen Tag, statt für zwei Wochen, krankmeldeten. Sie führte immer wieder an, wie sehr auch sie unter X leide.

Ich selbst sprach nur wenig, weil ich keinen Sinn darin sah, irgendwas zu sagen, denn die Sache (X) entwickelt sich so, wie es vorhersehbar war. Obwohl, eigentlich entwickelt sie sich nicht, sie verharrt im Status quo ante. Einzig die Argumentation gewinnt an Irrationalität.

Hätte ich der Chefin sagen sollen, was ich und andere von der Kollegin halten? Daß ich den Kollegen für einen Arschkriecher halte? Daß ich sie selbst für hirngewaschen, erschöpft, emotional instabil, psychisch angegriffen halte und sie als hilflos und verzweifelt erlebe? Daß ich von mindestens zwei Kollegen weiß, die sich aus demselben Grund wie ich mehrfach krankschreiben ließen? Daß ich von einigen anderen Kollegen weiß, die bereits vor X wegen der Arbeitsbelastung krankschreuiben ließen? Daß ich von einem Kollegen weiß, der sich wegen X eine andere Anstellung sucht und bereits Bewerbungsgespräche führt? Daß eine Kollegin sich woanders bewirbt, sie also aus der Elternzeit nicht zu uns zurückkehren wird? Daß unsere Arbeitsgrundlage wegen X den Bach runtergeht?
Ja, hätte ich, weil es ehrlich gewesen wäre und ich mich erleichert gefühlt hätte. Aber es wäre nicht klug gewesen, denn ich mag meine Arbeit.


Die Kollegin fühlt sich gemobbt, die Chefin taumelt am Rande des Nervenzusammenbruchs, die Mitarbeiter sind angepißt, dieselbe Geschäftsführung, die es aus Kostengründen ablehnt, die wegen der Mehrarbeit anfallenden Zulagen zu zahlen sagt, sie könne an der Situation nichts ändern.

Die Chefin wertet es als Erfolg, daß die verursachenden Personen den zuständigen Behörden Rede und Antwort stehen mußten. Uhhhhhh, da haben wir aber wir's denen aber gezeigt!!111!!


Ich habe es gestern übrigens ruhiger angehen lassen. War ganz gut.


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