/me

2010-08-03 11:29:37 (UTC)

postecke, Narben, Kollegin

[postecke]
In reply to: aktuelle Bedeutungen des SVV

Message:

mein modus operandi hat sich fast völlig verändert. das
bedeutet in vielerlei hinsicht, dass es privater und
gleichzeitig schambesetzter geworden ist. deshalb möchte ich
es auch in diesem rahmen nicht näher beschreiben. die frage
an sich aber, ob eine schädigung der eigenen person
stattfindet, würde ich mit 'ja' beantworten.
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Danke für Deine Antwort. Sie wirft natürlich Fragen auf... ;-)

Es beruhigt mich irgendwie, daß ich nicht allein bin.

Scham: Ich schäme mich manchmal für die neuen Schnitte weil
man zurecht unterstellen könnte, daß jemand in meinem Alter
andere Methoden gefunden haben müßte und überhaupt und so.
Jedoch würde ich mich, falls jemand die Narben entdeckte,
nicht dafür schämen. Ich würde auch nicht, wie meine Ex
vorschlug, sagen, das es Jugendsünden waren. Klar, ich gehe
nicht in die Öffentlichkeit und belästige Leute damit, aber
wenn jemand mich in angemessener Weise fragte, würde ich ihm
angemessen antworten.
[/postecke]


Gestern hat sich eine "meiner" Betreuten fremd- und
autoaggressiv verhalten und weil eine Ehrenamtliche gerade
hereinkam und sie solches Verhalten nicht kennt, habe ich
kurz erklärt, was es mit Autoaggressionen auf sich hat und
wie die Ehrenamtliche sich sinnvollerweise verhalten sollte,
weshalb wir uns wie verhalten und was bei Angriffen zu tun
ist. Eine Mitarbeiterin stand daneben und hörte zu. Da fragt
die Ehremamtliche mich:

- "Woher weißt Du soviel über Autoaggressionen? Ich kenne
sowas ja überhaupt nicht, woher weißt Du das alles?"
"Ähm, ich *arbeite hier*.

Währenddessen starrte die Mitarbeiterin auf die eine Narbe
an meinem Oberarm, die sich nicht unter dem Ärmel eines
T-Shirts verbergen läßt, die allerdings auch nicht von mir
oder meiner Ex verursacht wurde. Ich versuchte also, der
Mitarbeiterin einen vernichtenden Blick zuzuwerfen, der
allerdings keinerlei Wirkung zeigte. Vermutlich sah ich nur
aus wie jemand der seltsame Grimassen schneidet.

Ich war versucht statt "Ich arbeite hier", etwas in der Art
von "Aus Erfahrung" zu sagen, hielt mich jedoch zurück weil
ich ein "Aus Erfahrung" für unangebracht hielt. Ich meine,
etwa 70% "meiner" Betreuten wissen nicht, wie sie sich einen
runterholen können, und natürlich werden Sexualprobleme bei
uns deshalb thematisiert, dennoch kommt niemand auf die Idee
zu sagen, "Versuchs doch mal so und so, ich kenne die
Technik aus eigener Erfahrung, die funktioniert gut."

Als ich gestern zur Arbeit gehen wollte, stellte ich fest,
daß der Stiefelschaft genau in die Schnittwunden
hineinreibt. Folglich ging ich noch in eine Apotheke und
kaufte ein Pflaster. Leider gibts die Dinger ja nicht in
ausreichender Größe. Heute morgen wühlte ich deshalb in
meiner schwarzen Kiste und fand eine uralte Packung
PEHA-HAFT, das ist eine selbsthaftende Binde, sehr
praktisch, sehr bequem, sehr teuer.
Die trage ich jetzt am Bein und sie fixiert die
ESS-KOMPRESSEN, die über den Schnitten liegen. Aus
irgendeinem Grunde ist der Verband doppelt so groß wie er
bei rationeller Verwendung sein müßte. Wieso ist das so? Ich
erinnere mich an meinen "Kur"aufenthalt. Da ging ich
irgendwann ins Schwesternzimmer weil mein Th mich genervt
hatte, ich solle die Wunden nicht selbst versorgen, sondern
von den Schwestern versorgen lassen. Als die mit dem Verband
fertig waren, war mein Arm doppelt so dick wie vorher, die
haben da mindestens 15 Kompressen übereinandergestapelt,
obwohl drei schon ausgereicht hätten. Das sah aus!
Genausogut hätte ich ein Plakat mit der Aufschrift "LOOK AT
ME!! I HAVE HARMED MYSELF!!ONE!ELEVEN!! vor mir her tragen
können. Mit Blaskapelle und Dschingderassabumm. Erniedrigend
und unnütz.

Die schwarze Kiste ist im übrigen ziemlich cool, wie ich
finde. Sie ist aus Stahlblech, hat fette Scharniere, eine
Gummidichtung im Deckel und war früher vermutlich eine
Munitionskiste oder sowas. Darin habe ich was mein Werkzeug
*hust* sowie Desinfektionsmittel, Verbandzeug und Tabak.