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2008-10-29 08:27:28 (UTC)

Gebt mir Arbeit, gebt mir Lohn

Gestern kam auf ARTE, in der Sendung „Who's afraid of
America?“ ein Buchautor zu Wort, der den Kapitalismus in
Unterarten teilte.

Laut ihm gab es früher den Handelskapitalismus, dessen Ziel
es war, die Bedürfnisse der Kunden zu befriedigen. Heute
haben wir den Konsumkapitalismus. Der weckt die
Bedürfnisse, die er später befriedigt, selbst. Ziemlich
schlau, nicht wahr? In der Sendung fiel auch der Satz das
einer der nicht mehr konsumiert, aus dem System heraus
falle, weil er für das System uninteressant ist. Hartz4 kam
nicht vor, es ging ja um die USA.

Ich halte also fest, daß ich für das System uninteressant
bin. Das ist nicht neu. Ich bin keine Zielgruppe. Der
Unterschied ist aber, daß ich es mir nicht aussuchen kann
und darin liegt Unfreiheit. Das tut weh. Das deprimiert
mich so sehr, daß ich zuweilen nicht in der Lage bin, mir
Stellen herauszusuchen und Bewerbungen zuzuschreiben. Ich
habe das Gefühl, das es egal ist, ob sie schreibe oder
nicht, wie ich sie schreibe, ob ich die Unterlagen per Post
schicke oder direkt persönlich abgebe, ob
Rechtschreibfehler drin sind oder nicht. Denn es geht um
ein existenzsicherndes Einkommen, es geht nicht um Arbeit.
Arbeit ist genügend da, wenn du für umsonst arbeiten
willst. Sobald du sagst, daß du von dem Arbeitsentgelt
leben willst, bist du raus. Manche, die netteren,
Arbeitgeber nicken dann und verstehen dich, aber sie
stellen dich nicht ein. Wenn du für einen prekären Lohn
arbeiten gehst, erfüllst du zwar den moralischen Anspruch
den du selbst und die Gesellschaft an dich stellen, aber
Moral kannst du weder anziehen, noch essen, oder die Miete
davon zahlen.

Ich will arbeiten, doch ich will von meiner Hände Arbeit
leben können.