/me

2008-06-04 07:14:34 (UTC)

lebenslauf=seltsam

[postecke]

In reply to: deprimiert
Message:

kleine anekdote zu deinem spass mit dem sozialstaat: was
sagte die sachbearbeiterin gestern, als ich sie fragte,
wovon ich die fünf wochen der bearbeitungszeit für meinen
antrag leben soll? "das ist nicht unser problem."
ich bin mir nicht sicher was offensichtlicher deklariert,
was man ist. der spruch, oder die tatsache, daß sie mich
ohne widerspruch und gerichtsandrohung hätten obdachlos
werden lassen.

da geht einem doch das herz auf. *g*
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Ja, sowas ist zum kotzen, falls man etwas im Magen hat.
Ich hoffe, daß Bekannte und Freunde Dich unterstützen
können.
[/postecke]


Einen Vorteil hatte der Auftritt bei diesem
Zeitarbeitnehmerverleiher allerdings: Ich weiß jetzt, wie
ein Arbeitgeber meinen Lebenslauf liest.
Der bringt den Verlust meiner ersten Arbeitsstelle nicht
mit „der Wende“ in Beziehung. Für den habe ich nach ganz
kurzer Zeit einen Job verloren (In der Probezeit? Da muß
ja was vorgefallen sein!). und der sieht auch nicht, daß
ich die zweite Ausbildung keineswegs verfrüht beendete
(Das haben Sie also kurz vor Schluß beendet?). Das
fehlende halbe Jahr erklärt sich nicht aus einem
vorzeitigen Ende, sondern aus dem verspäteten Beginn. Ich
begann die Ausbildung ein halbes Jahr später als die
anderen.

Der Arbeitgeber West weiß auch nicht, daß es in der DDR
vermutlich nicht unüblich war, durch Firma A für Firma B
ausgebildet zu werden, wobei Firma B nur entfernt etwas
mit Firma A zu tun haben mußte. Jedenfalls war das bei mir
so.

Und auch das das Praktikum nicht zu einer Anstellung
führte, erregt offenbar Mißtrauen. Ich erkläre dann immer,
daß das Praktikum vom Arbeitsamt genehmigt werden mußte
und das das Arbeitsamt eigentlich nur 4 Wochen genehmigte.
Ich blieb aber tatsächlich 6 oder 8 Wochen dort,
eigenmächtig. Und das Praktikum endete, weil die
Genehmigung für das Praktikum endete, nicht aber, weil ich
Scheiße gebaut hätte. Ich erkläre sehr viel und vielleicht
erregt auch das Mißtrauen.

Diese Dinge wurden mir weder im BTZ, noch vom Arbeitsamt
oder dieser Lebenslaufoptimierungsfrau oder den anderen
Menschen gesagt, die ich bat, sich das ganze Ding mal
anzusehen.
Jetzt überlege ich, wie ich die offensichtlich notwendigen
Erklärungen in den Lebenslauf einarbeite, ohne das sie
nach Entschuldigung klingen oder wirken, als ob ich etwas
wegerklären wollte.

Was seltsamerweise nicht auffällt, ist, das meine
Datumsangaben sehr grob gehalten sind. Da steht nicht
1.1.1982 – 2.2.1983, sondern 1/82 – 2/83. Die Angaben sind
nur Monatsgenau, weil sich dadurch die Zeiten der
Arbeitslosigkeit verstecken lassen. Andernfalls müßte ich
auch die erklären und sagen „Ja wissen Sie, wenn ein Staat
sich im Umbruch befindet, das Gesellschaftssystem ins
Gegenteil verkehrt wird, braucht es eine Weile, bis auch
die Menschen sich in diesen neuen Strukturen
zurechtfinden, und natürlich gelten zusätzlich die Regeln,
nach denen Menschen sowieso grundsätzlich entscheiden, es
gibt also zusätzlich zu den sowieso geltenden
Ausschlußkriterien noch andere Regeln, die man heute nicht
mehr findet. *blah*“