/me

2008-04-14 09:39:38 (UTC)

angst

Ich will ja den Zwangsumzug verhindern und stimmte des
halb zu, mir attestieren zu lassen, daß dieser Umzug eine
zu große gesundheitliche Belastung ist. Tatsächlich will
ich der ARGE aber den Zugriff auf meine Krankengeschichte
nicht gewähren denn man kann davon ausgehen, daß die einem
daraus irgendwann einen Strick drehen. Davon abgesehen
kostet der Arztbesuch mich 10 Euro. Zur Verfügung stehen
mir 347Euro/30 Tage= 11,56 Euro. Von diesen 11,56Euro muß
ich noch anteilige Kosten (Strom, Warmwasser, Gas) und
Telephon, Internet etc. abziehen. Rechnerisch kann ich mir
einen Arztbesuch also nicht leisten. Was der ARGE aber
wurscht sein wird (apropos Wurst. Wurst aß ich schon lange
keine mehr). Eine KdU-Richtlinie aus Köln besagt, daß ein
Umzug nicht vertrtetbar ist, wenn das Mietverhältnis seit
mindestens 10 Jahren besteht, und die sind bei mir seit
dem Februar um, falls ich richtig gerechnet habe. Ich
wohne seit Februar 1996. Ich befürchte dennoch, daß die
ARGE mir mein HARTZ-IV um mindestens 10% wegen
Regelverstoßes kürzt, falls ich das Attest nicht vorlegen
kann. Also will ich die Vereinbarung zumindest soweit
erfüllen, daß ich mir so ein Attest ausstellen lasse.
Jedoch ist mein Hausarzt bis Ende Mai in Kur. Höhere
Gewalt, sozusagen. Vielleicht kann ich so Zeit schinden.
Ich hoffe ja immer noch auf diesen dünnen, schmalen Brief
meines Ex-Arbeitgebers, mit welchem er mich zu einem
Vorstellungsgespräch einlädt und es wäre mir recht wenn
dieser Brief bei mir ankäme bevor ich den Termin bei der
ARGE habe.

Jedesmal wenn es an der Tür klingelt, setzt mein
Herzschlag kurz aus, zumindest fühlr es sich so, denn es
könnte der Postbote sein, der Postbote könnte ein Screiben
meines Ex-Arbeitgebers dabei haben und dieses Schreiben
könnte in einem dicken, großen Umschlag stecken.

Anruf bei der ARGE. Es interessiert die Behörde nicht, daß
mein Hausarzt nicht verfügbar ist. Eine andere Aussage
war, daß die Aufforferung zum Wohnungswechsel sofort
verschickt würde, falls ich das Attest nicht beibringe.
Insofern ist es vermutlich wurscht, was in dem Attest
steht. Es wird nicht anerkannt werden, außer ich läge auf
der ITS, doch wer auf der ITS liegt, braucht keine Wohnung
und ihm werden die Bezüge gekürzt weil er ja keine
Lebensmittel kaufen muß und die Wohnung nicht heizt, kein
Wasser und keinen Strom verbraucht.

Ja, schon klar. Die wollen Kosten senken, in diesem Jahr
lautet die Zielvereinbarung knapp 7%. Es ist ja so, daß
man den Grund der Arbeitslosigkeit bei sich sucht. Vor
allem ist es so, daß man den Grund für das Scheitern beim
Bewerben bei sich selbst sucht. Das Scheitern als
individuelle *Schuld* ansieht und der Staat dadurch in die
Rolle des mildtätigen Spenders rutscht, dessen
Gutmütigkeit man dauerhaft ausnutzt. Gutmütigkeit
auszunutzen ist moralscih verwerflich. Arbeitslos zu sein
ist folglich unmoralisch. Der Arbeitslose ist moralisch
verkommen. Verbrecher sind das ebenfalls. Arbeitslosigkeit
ist damit dem Rang nach ein Verbrechen an der
Gemeinschaft. Die realen Arbeitsmarktzahlen und die von
der Industrie geforderte Ausweitung des
Niedrigstlohnsektors spielen keine Rolle. Die realen
Arbeitsmarktzahlen dringen auch kaum in die
Öffentlichkeit. Was veröffentlicht wird, sind statistisch
schöngerechntete Werte.

Es geht ja aber nicht um Arbeit, sondern um ein genügend
hohes Einkommen. Arbeit findet sich an jeder Ecke wenn man
bereit ist, auf angemessene Bezahlung zu verzichten.
Deswegen wird es kein bedingungsloses Grundeinkommen
geben. Denn gäbe es das, würde niemand mehr die
Drecksarbeit machen. Unbezahlte Überstunden? Krank zur
Arbeit? Miese Bezahlung? Schlechte Arbeitsbedingungen?
Gäbe es nicht, weil man durch ein bedingungsloses
Grundeinkommen nicht auf den Job angewiesen wäre.
Kapitalismus beruht auf Ausbeutung, ließe sich niemand
mehr ausbeuten, wäre das das Ende des Kapitalismus. Die
ARGE erfüllt eine wichtige Rolle im System, sie ist das
angsterzeugende Druckmittel.
Das hilft mir jetzt auch nicht.

Ich traue mich nicht an den Briefkasten. Ich traue mich
nichtmal vor die Wohnungstür, denn große Umschläge werden
auf die Treppe gelegt, man sieht sie bevor man an den
Briefkasten gelangt.

[mantra]
Ich bin erwachsen. Ich bin kein von den Entscheidungen
anderer abhängiges Kind. Ich bin ein von den
Entscheidungen anderer abhängiger Erwachsener. Ich bin ein
Kind.[/mantra]