/me

2008-04-09 10:24:57 (UTC)

ARGE ist arg

[die kleine postecke]
Timestamp: 2008-04-08 16:35:52 GMT
In reply to: Wer ficken will muß freundlich sein.
Message:

daß der chef durch die abteilungen gegangen ist, passiert
vielleicht wenn die lichter ausgehen und du 'ne gute nacht
hast. *g* wobei das natürlich im bereich des möglichen
liegt. über die wahrscheinlichkeit kann man sich streiten.
ich würde sie unter "unerheblich" einsortieren.
ganz und gar nicht unerheblich scheint mir die
wahrscheinlichkeit für die möglichkeit "kaffeeklatsch".
portier erzählts in der mittagspause, oder seinem
kollegen,
der dann ... anderer kollege holt ab und sieht ...
sekretärin öffnet ...
und so weiter.
firmen sind wie das internet. was du wo hinterlässt ist
von
allen zu jeder zeit abrufbar.
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Der Gedanke, daß derChef dioch schonmal herumgefragt hat,
hatte etwas aufbauendes. ;-)
[/postecke]

Ich traf heute zum ersten mal den für mich zuständigen
Sachbearbeiter bei der ARGE und weiß jetzt, daß es
vollkommen wurscht ist, ob ARGE-Schreiben freundlich oder
im üblichen drohenden Tonfall verfaßt worden sind. Man
sitzt nämlich meistens einem Automaten gegenüber. Er führt
ja nur Anweisungen aus, die er nicht veranlaßt hat, er
kann nichts dafür. Distanziert und niemals unfreundlich,
was zu einem leichten Spott im Subtext führt.

Einst waren Arbeitsamt und ARGE im selbem Gebäude
untergebracht. Vor einiger Zeit wurde die ARGE an den
Stadtrand verlegt. Und so wird, neben den, durch
statistische Manipulationen, um über 40% der Arbeitslosen
aus diesen Statistik herauszurechnen und markigen
Politikerlügen, auch optisch der Eindruck eines
Aufschwunges am Arbeitmarkt geschaffen. Bevor die ARGE an
den Stadtrand verlegt wurde, standen sich die Menschen vor
dem Eingang zum Arbeitsamt für alle sichtbar die Beine in
den Bauch. Es herrschte regen kommen und gehen. Nachdem
die ARGE aus dem öffentlichen Blickfeld genommen, in ein
unscheinbares Gebäude verlegt wurde, das, im Gegensatz zum
Arbeitsamt mit seinem riesigen Hinweisschild direkt vorn
an der Straße, nur mit zwei winzigen Wegweisern, die halb
hinter Büschen versteckt sind, kaum zu erkennen ist, sieht
man den größten Teil der Arbeitslosen, die
HARTZ-IV-Empfänger, nicht mehr. Im Gebäude sind die Flure
enger und schlechter beleuchtet, die Treppen schmaler, die
Auschilderung dürftiger, die Atmosphäre deprimierender.
Da weiß der Bettler gleich woran er ist.

Die ARGE läßt ein Suchprogramm über die Daten der
HARZT-IV-Empfänger laufen um diejenigen herauszufiltern,
die zu hohe "städtische Kosten" verursachen.So kanmen si
mdreuf, daß meine Kaltmiete um etwa 70 Euro über dem
angemessenen Rahmen liegt. Daß die neueste
Leistungsbewilligung auch die höheren Mietkosten umfaßt,
spielt keine Rolle.

Im Schreiben der ARGE hieß es, die Umzugskosten würden
übernommen. Was sich aber doch als Definitionssache
herausstellte. Die ARGE sagt, wie teuer der Umzug sein
darf, für Möbel, die zu Bruch gehen (und meine Möbel
würden zu Bruch gehen weil sie alt sind und im Grunde nur
durch die von mir eingebrachten Spaxe und einem Tröpfchen
Leim zusammengehaklten werden) werden keine Kosten
erstattet, denn für "Möbel, Haushaltsgeräte etc" sind in
den 347 Euro des Regelsatzes 3,1% vorgesehen. Das sind
10,75 Euro. 38% stehen für Ernährung zur Verfügung. Das
sind 131,86 Euro, das sind pro Tag 4,39 Euro. Wie hoch die
Telephonkosten sein dürfen ist ebenfalls festgelegt.
Im ungünstigsten Fall sitze ich dann ohne Möbel und wegen
des Umzuugs überschuldet in einer neuen Wohnung in einem
der sozialen Brennpunkte, denn wo sonst werden die Mieten
so niedrig sein?

Ich werde zu meinem Hausarzt gehen und ihn um ein Attest
bitten, in dem hoffentlich drin stehen wird, daß der Umzug
mir nicht zuzumuten ist, außerdem werde ich meinen
Vermieter bitten, mir meine Kündigungsfrist zu
bescheinigen und ich hoffe, daß mein Ex-Arbeitgeber mich
wieder einstellt.
Das Attest meines Hausarztes wird dann dem ARGE-Amtsarzt
überreicht. Ich mache mir keine Illusionen über dessen
Entscheidung, denn wes' Brot ich eß', des' Lied ich sing'.
Zusätzlich muß ich meinen Hausarzt von der Schweigepflicht
entbinden, somit kennt die ARGE meine Kontobewegungen,
meinen Lebenslauf und meine Krankengeschichte. Niemand
weiß soviel über mich wie die ARGE. Sie haben Kopie meines
Personalsausweises, meinerSteuerkarte, meines
Mietvertrages, meines Lebenslaufes, meiner Kontoauszüge
und späzter meiner Krankengeschichte.
Wenn ich ausziehen muß, habe ich drei Monate Zeit mir eine
neue Bleibe zu suchen. Es sei denn, ich ginge bald in
Rente oder könnte denen einen unterschriebenen
Arbeitsvertrag vorlegen, dann würden die höheren
Mietkosten weiterhin übernommen werden, bis zu einem
dreiviertel Jahr. In dem Brief der mir sagt das ich
ausziehen muß, würden dann wohl auch Adressen stehen, an
die ich mich wegen einer günstigeren Wohnung wenden
könnte. "Es gibt ja genug Wohnungen für Alleinstehend."

Eben klingelte es, mein Herz setzte ein, zwei Schläge lang
aus, ich drückte den Türöffner, jemand rief "Post", ich
ging runter und auf der Treppe lag ...Werbung für einen
örtlichen Biomarkt. Mein Alptraum sind derzteit dicke
braune Umschläge, Größe A4. Längliche, dünne, weiße
Briefumschläge sind besser, wenn man auuf Antworten von
Firmen wartet, bei denen man sich beworben hat. Dicke,
längliche, graue Umschläge sind ebenfalls übel, solche
vershickt die ARGE nämlich.

Meinen "Nebenjob" habe ich wohl doch nicht verloren. Meine
Mail war demzufolge nicht zu hart formuliert.


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