/me

2008-03-26 11:21:53 (UTC)

sprachwirkung

mit der werbung ist das so eine sache. man kann's machen
wie LÄTTA es tat: margarine bewerben indem eine nackte
frau durch durch's bild läuft. welche assoziationen weckt
das? richtig, sexuelle. was hat margarine mit sex zu tun?
taugt margarine als gleitmittel? und würde eine frau sowas
gestatten?

unser werbeetat ist viel kleiner als der von LÄTTA, genau
genommen existiert er nicht. also basteln wir (sprich:
ich) handzettel, kataloge, visitenkarten etc etc selbst.
meine maxime dabei ist, den kunden nicht zu verarschen und
weitestgehend auf euphemismen zu verzichten, weil überall
dort, wo ein euphemismus verwendet wird, etwas vertuscht,
etwas schöngeredet werden soll. (außer bei begriffen
wie "Plastik", die ersetzen wir durch "Kunststoff" oder
die bezeichnung des kunststoffes, also acryl etc.und
natürlich sind unsere sachen nicht einfach nur schön,
sondern sehr schön).

nun sprachen wir über einen hinweis, den wir potentiellen
kunden geben wollen und der diese form hat:
-------------------------------------
$Bedürniss?
Beauftragen Sie uns!
-------------------------------------

meine gefährtin stört sich an dem wort "Beauftragen". nach
einiger diskussion fanden wir den grund. das wort
ist "nicht schön". LECK MICH AM ARSCH! und definiere
danach "schön".

ich finde, "Beauftragen" klingt kantig, ja, aber es trifft
die sache. man muß den potentiellen kunden sagen, was sie
tun sollen. das kann man von unserem gemüsetürken lernen.
der stellt seine obstkisten ja nicht einfach vor seinen
laden und wartet ab, was passiert. der spricht die leute
an "Probieren Sie, ...!" und er generiert deutlich mehr
umsatz als der türke am anderen ende der straße, der seine
obstkisten einfach nur so in die landschaft stellt. der
kunde muß an die hand genommen werden. "Probieren Sie es
ruhig aus, nehmen Sie's in die Hand, fühlen Sie die
Qualität!" man kann auch sagen "Trink CocaCola!", im
unterschied zu "Bei uns können Sie Cola trinken." *können*
Sie Cola trinken... falls Sie das möchten. nein! Trinken!
Sie! *unsere* Cola!einself!

ebenso daneben ist IMHO ein satz wie "Fragen Sie nach
unserem $Angebot."
warum? weil der potentielle kunde in die rolle eines
bittstellers gedrängt wird. er soll nach etwas fragen und
auf eine frage kann der gefragte mit "Ja." oder
mit "Nein." antworten. die vokabel "Frage" beinhaltet eine
unsicherheit und ist deshlab zu verwerfen. ebenso übrigens
wie negativaussagen "Wir benutzen kein billiges Plastik"
Man muß sagen was man tut und verwendet, nicht aber, was
man nicht tut und nicht verwendet. "Wir produzieren nicht
in China" ist falsch. "Wir produztieren nur in
Deutschland." ist besser.

"Fragen Sie nach unserem $Angebot." erinnert an "Pappa,
darf ich noch aufbleiben?", "Papa, darf ich ein Eis
haben?" sowas ist nicht erwachsen, es suggeriert
abhängigkeit von den entscheidungen einer hierarchisch
höherstehenden instanz.
"Beauftragen Sie uns!", denn Sie sind erwachsen,
entscheiden selbst, Sie wissen was Sie wollen...

"Beauftragen" gibt dem potentiellen Kunden die Kontrolle
über die sache. er ist herr des geschehens. er gibt den
auftrag. in bayern gibt es ein geflügeltes wort: "Wer
zahlt, schafft an."

"Beauftragen Sie uns!" - das impliziert, daß wir uns nach
den wünschen des kunden richten, es enthält auch, daß es
ende ums geld geht und geld ist das machtinstrument des
kunden. es ist offen und ehrlich, nachvollziehbar. es
sagt "Ja, am Ende wird es Geld kosten und Du wirst
bekommen was Du wolltest." es sagt: "Wir wollen für Dich
arbeiten.", "Wir wollen gemeinsam mit Dir das gestalten,
was Dich erfreut." "Beauftragen Sie uns!" ist nüchtern,
frei von schönrednerei. für den "schön"-anteil sorgt dann
die schrifttype (Aquiline Two), die zwar für längere texte
vollkommen ungeeignet ist,m aber bei einem zweizeiler sehr
gut wirkt.

"nicht schön". pfft! künstlerisch (meine gefährtin ist
kunststudentin) ist es sicher auch nicht so wertvoll wie,
sagen wir, REMBRANDS "Die Nachtwache", aber! wieviele
Leute haben eine Kopie der "Nachtwache" an der wand
hängen? das kränkt die künstlerseele. meine gefährtin
würde vieles von dem, was wir verkaufen, lieber behalten.

die kalkulation jedenfalls sieht so aus: es gibt
preisgünstige und einfach gestaltete sachen. die verkaufen
wir sehr gut. und es gibt deutlich teurere, aufwendiger
gestaltete sachen. von denen verklaufen wir nur wenig. wir
finanzieren uns durch die einfach sachen. die teuren sind
gut für die künstlerin. inzwischen haben wir uns das so
eingeteilt, daß ich die einfach sachen herstelle und meine
gefährtin die aufwendigen. die einfachen sachen
finanzieren die teuren, weil es nur wenige menschen gibt,
die die teuren sachen kaufe. im schnitt müssen wir 20 euro
investieren um 10 euro gewinn zu machen. wenn es gut
läuft. wenn es schlecht läuft liegt der gewinn bei 3 - 5
euro.
dabei gibt es grenzen nach oben. manche idee nämlich wäre
in der herstellung so teuer, daß wir sie nicht verkaufen
könnten, weil der preis dem kunden nicht zu vermitteln
wäre.

wir haben ein paar sachen in kommission gegeben. (die
ladeninhaber legen unsere sachen in ihren läden aus und
wenn sie was verkaufen, bekommen wir geld und wenn nicht,
dann nicht). wir verkaufen die sache für zb. 25 euro, im
laden liegt sie dann für 65 euro, weil der ladeninhaber 40
euro draufschlägt. (wird es verkauft, bekommen wir 25
euro). auch hier gibt es eine grenze nach oben. würden wir
direkt 65 euro verlangen, sagte der ladeninahber sowas
wie "Ich muß 40 euro aufschlagen, und für 105 euro kriege
ich das nicht verkauft. Wir kommen also so nicht ins
Geschäft."
insofern hat der kommissionsverkauf in meinen augen keine
zukunft, denn wenn der ladeninhaber das stück für 65 euro
verkaufen kann, werden wir die preise entsprechend nach
oben anheben. vielleicht nicht auf 65, aber doch auf 50
euro.

soviel zur diskussion von heute Morgen.