/me

2006-10-08 22:14:25 (UTC)

neue katze ante portas

seit der stinker tot ist, er morgens nicht mehr maunzt,
schlafe ich viel besser. dennoch scheint es mir ohne katze
leer hier, als hätten die räume einen anderen hall, als
sei die temperatur niedriger. liegt das an der gewöhnung
oder mag ich es, eine katze um mich zu haben?
als ich Simbas kackhaus heute gereinigt und desinfiziert
habe (mit natriumhypochlorid- und wasserstoffperoxid- und
natriumhydroxidlösung) und die einzelteile dann trocknen
sah, war das schon traurig. ich glaube, daß eine katze
mein einzelgängertum eindämmt. ich könnte durchaus ohne
katze zurecht kommen, aber es ist eben auch schön, etwas
lebendiges streicheln zu können.

meine gefährtin sagte, ich solle mir eine katze aussuchen,
die zu mir passe. die fragen sind nach wie vor: Was/Wie
bin ich? Welches sind meine Einzelteile und was ergeben
sie in der Summe? wie soll ich also wissen, welche katze
zu mir passen könnte? und in welcher weise soll sie
passen? soll sie mir ähneln oder soll sie mich ergänzen,
dinge ausgleichen? und wenn ich so ein viech aus dem
tierheim zu mir hole, kenne ich es nicht, ich kann also
nicht einschätzen, ob sie zu mir paßt. mein rechner paßt
zu mir, er funktioniert, ist zuweilen eigenwillig und aht
macken. aber am ende läuft er besser als die
Windowsmaschine vor ihm. ich habe ein emotionale bindung
zu meinem rechner.

wir haben indes bereits eine katze in die nähere wahl
gefaßt, sie ist nicht unbedingt schön und sie ist auch
nicht groß und sie ist weiblich und sie ist vermutlich
jünger. ich wollte eine alte, große katze. die, die wir
ins auge gefaßt haben, ist lieb und zutraulich. ich werde
sie erziehen müssen (*ähem* soweit das bei einer katze
möglich ist). sie hat einen imponierenden lebenswillen,
was mir möglicherweise nützlich ist. ich sehe meine
existenz eher als etwas an, an dem ich unschuldig bin und
deshalb soll man mich in ruhe lassen. ich kann schließlich
nichts dafür. ich habe versucht es zu beenden. mehrfach.
ehrlich.

ich dachte heute darüber nach, ob Simbas tod mich traurig
macht. es ist mir, als sei die katze eines anderen
gestorben.
ich kann sagen, daß ich ein schlechtes gewissen habe weil
ich glaube, daß der dicke mehr trauer bei mir auslösen
sollte. um es anders zu sagen: ich glaube, daß das ausmaß
meiner trauer so gering ist, das es einem verrat an diesem
warmherzigen, vertrauensvollen, ergebenen und
intelligenten tier gleichkommt. ich habe noch nie mit
einer dermaßen intelligenten katze zusammengelebt.

irgendwie kommen die räume der wohnung mir auch größer
vor, als könne ich tiefer atmen weil meinen brustkorb
jetzt den raum einnehmen kann, den er braucht. wie in die
weite zu blicken und tief einzuatmen, aufzuatmen.
vielleicht langweilen mich lebewesen? meine gefährtin
überrascht mich auch nach 8 oder 9 jahren noch (oder sind
es schon 10?). vermutlich habe ich es nicht geschafft,
eine enge, emotionale und angemessen tiefe beziehung zu
der katze einzugehen. 6 oder 7 jahre sind einfach zu wenig
zeit für sowas. beziehungen sind aufgaben die es zu lösen
gilt. sie sind zweckbündnisse. ist die aufgabe beendet,
besteht kein grund mehr für das fortexistieren der
beziehung. ich ahbe alles getan, was ich dem SImba
versprochen hatte. bis zuletzt, bis zu seinem ende.
vielleicht war es nicht *meine* katze, weil ich ihn von
einem alten mann übernommen habe, der den stinker ins
altenheim nicht mitnehmen durfte (was sowieso eine riesige
sauerei ist. alte menschen darf man nicht von ihrem
liebsten trennen. tut man es dennoch, ist das reine
grausamkeit, oder schlimmer noch: gleichgültigkeit.)

die neue katze, so sie es denn wird, kam umgehend zu mir
und schnurrte mich an und kuschelte und sie hat schuppen
im fell.