/me

2005-09-05 16:49:07 (UTC)

wille und (fall)strick

ins BTZ zu gehen fällt mir im moment ziemlich schwer und
ich weiß, woran das liegt. ich muß, um ins dieses BTZ zu
gelangen, meine katze verlassen udn empfinde dann was ich
fühlen würde, wäre ich an ihrer stelle. und dann setzen der
schwindel und die hiztewallungen ein und die schwäche in
den knien. dazu kommt, daß ich im BTZ irgendwie nicht bei
der sache bin. zu hause könnte ich viel besser arbeiten,
als ich es dort kann. zu hause kann ich in unterhose am
rechner sitzen wenn es zu warm ist und ich kann nebenbei
rauchen und es ist niemand da, der mich anquatscht und mein
gewissen würde mich nicht klagen, wenn ich eine mehrere
stunden umfassende pause einlege. ich müßte mir von
niemandem die schriftliche erlaubnis holen, mit der mir im
lager ein bleistift ausgehändigt wird. dieses
bürokratengedöns ist wie eine bremse in meinem hirn. die
vorschriften und die menschen die mich umgeben, hemmen
meine denkfähigkeit. es ist grauenhaft. für jeden scheiß
muß man irgendwen unterschreiben.
unter menschen zu sein ist eben nichts für mich. zumindest
im sommer.
rehaprotokolle lasse ich solange liegen, bis mein gewissen
mich quält, dann schreibe ich 20 minuten dran und die
sozialpädagogen und *blöah* halten es für eine leistung,
wenn ich drei seiten DIN A4 handgeschrieben nach drei tagen
angetippt und ausgedruckt zu ihnen bringe. sowas ist
beleidigend. sowas kann ich an einem tag schaffen und den
rest mache ich nebenbei auch noch.
da ich ja voreiligerweise "ICH!" gerufen habe als die einen
chefredakteur für ihre teilnehmerzeitschrift suchten, habe
ich diese zeitschrift an der backe. diese zeitschrift ist
ein schwieriges ding weil a) niemand daran interessiert
ist, sie zu lesen, b) niemand daran interessiert ist,
beiträge beizusteuern, c) meine layouter keine ahnung davon
haben, wie man einen text beispielsweise zweispaltig
anordnet (WIDNOWS hat einen knopf den man einfach anklicken
kann, nachdem man den gewünschten text markiert hat) und
ich deshalb d) im prinzip alles allein mache. vom
korrekturlesen bis zum layout. und weil ich mit sinnlosen
sachen probleme habe, habe ich probleme mit dieser
befickten zeitschrift, die es gar nicht geben würde, wenn
die arbeitspädagogen und *bläh* das beisteuern von
beiträgen denen überlassen würden, die beiträge abgeben
_wollen_. das sind nämlich genau 0 (in worten . null)
teilnehmer (wieso erfordert die null eigentlich den
plural?). das blöde ist, daß ich trotzdem ein schlechtes
gewissen habe.
es ist grauenhaft. g-r-a-u-e-n-h-a-f-t. vielleicht sollte
ich einfach mal ein, zwei tage zu hause bleiben. ich bin zu
fit für diese einrichtung. andererseits ist das
übergangsgeld nicht zu verachten und mein rententräger
(weil er die maßnahme genehmigt hat) und der MDK
("Gefährdung der Erwerbsfähigkeit") waren der ansicht, daß
diese maßnahme sinnvoll ist. besser ist es, eine reha zu
machen, als von HARTZ IV vegetieren zu müssen, jetzt, da
mir der mut für eine endgültige lösung fehlt.

immerhin wird jetzt zunehmend klar, woran ich kranke: ich
kann nicht einsam sein. ich kann hingegen einsam sterben.
wenn niemand da ist der mich sieht, höre ich auf, zu
existieren und bin doch lebendig. untot zu sein ist
unerträglich. es ist grau. grau zu sein hjalte ich einfach
nicht aus und muß es auch nicht, denn merke: wo ein wille
ist, da ist ein auch immer ein strick. ein fallstrick
nämlich.

nachdem drei zeitungen es für unnötig erachteten auf meine
bewerbung auch nur zu antworten, habe ich mich heute bei
der TAZ beworben.