/me

2005-05-12 16:33:26 (UTC)

autoritär sein

diese reha bringt mich tatsächlich an grenzen. es ist kaum
zu glauben. ich habe verstanden (verstandesmäßig erfaßt)
wie das mit der kommunikation so ist. offensichtlich aber
nehmen menschen eine information nur dann wahr, wenn sie
zusammen mit etwas emotionalem geäußert wird. und dann
_deuten_ sie die information, statt sie als das zu nehmen,
was sie ist. das ist ungeheuerlich! und unnötig
kompliziert.
das zusammesein mit sovielen leuten ist derart erschöpfend,
daß ich high werde davon.
wenigstens ließ die arbeitspädagogin mich heute soweit in
ruhe, als daß sie nicht fragte, wieso ich an der
arbeitsvorbesprechung icht teilgenommen habe. eigentlich
hatte das einen ganz banalen grund. ich war pinkeln und als
ich zurück kam, war die tür zum besprechungsraum
geschlossen.
ich nehme an, sie fragte sie mich deshalb nicht, weil ich
ihrer kollegin gestern oder vorgestern mein fernbleiben mit
?Das wäre eine zusätzliche Belastung gewesen.? begründete.

meine gefährtin _sagte_ neulich, sie ?vertrockne? und sie
?brauche mehr Zuwendung?. also habe ich ihr meine hand aufs
knie gelegt. aber das war irgendwie nicht das, was sie
_meinte_.
sie sagte auch ?Wenn ich davon spreche, daß ich mehr
Zuwendung brauche, meine ich nicht, das Du mir die Hand
dreimal aufs Knie legen sollst.? ich wußte das zwar, aber
ich wußte nicht, was ich sonst machen sollte. ich bin ein
wenig ungeschickt in solchen in solchen dingen.
?Zuwendung? ist nicht konkret genug. ?Ficken!? ist konkret.
?Hunger? ist konkret. aber ?Zuwendung?? das kann alles
mögliche sein und ich vermute, dabei ist nicht die handlung
wichtig, sondern das, was irgendwie emotional mitschwingt,
beim ausführen einer handlung.

da ich in der reha den posten eines chefredakteurs habe und
eine meiner aufgaben ist, die redaktionssitzungen zu
leiten, bemerkte ich, daß eines meiner probleme darin
liegt, mit autorität aufzutreten.
diese sitzungen laufen so ab:
ein pedant (jemand mit autistischen zügen) läuft aufgeregt
über den flur und ruft, daß jetzt die redaktionssitzung
beginnt.
dann trudeln alle betroffenen teilnehmer ein. das sind etwa
20.
die hälfte von denen sieht keinen sinn in der sache,
langweilt sich, ärgert sich, bringt unruhe in den laden.
ein viertel der leute ist im praktikum und hat mit der
zeitung ohnehin nichts mehr zu tun. die sind also
demotiviert und das verbleibende viertel ist angepißt, weil
es etwas für die zeitung tun _muß_. das ist vorschrift.
und ich als chef soll die leute motivieren, für ruhe und
ordnung und einen geregelten ablauf sorgen. nun sehe ich es
keineswegs als meine aufgabe an, leute, die null bock auf
eine sache haben, zur mitarbeit zu motiviere oder gar zu
zwingen. rauswerfen darf ich sie auch nicht und verletzend
werden (?Wenn Du deine narzistische Neurose ausleben
willst, dann mach das gefälligst hinterher, Du häßliches
Tier. Außerdem hören die Leute hier Dir nur deshalb zu,
weil sie wissen wollen, wie lächerlich Du Dich noch machen
kannst.?) darf ich auch nicht, weil sie dann nämlich erst
recht die sitzung stören würden. außerdem ist die teilnahme
verpflichtend.

es geht also immer ziemlich chaotisch und laut zu. ich bin
kein motivierender chef. ich denke, daß jeder sich soweit
einbringt, wie er will. die situation erinnert an eine
schulklasse auf wandertag, wenn der lehrer das zimmer
verlassen hat. mit geschlosene augen würde man das alter
der teilnehmer auf vielleicht 15 jahre schätzen. da ist
keine spur von anstand oder rücksichtnahme im sinne von
?Wenn ich nicht mitmache, stehe ich wenigstens nicht im
Weg.?
ginge es nach mir, würde niemand gezwungen werden, daran
teilzunehmen und schon wäre ich die störer los.

ich muß mal sehen, was ich da tun kann. vielleicht die
stimme erheben oder vielleicht kann ich mir die namen der
wichser einprägen, dann könnte ich sie persönlich anprechen
und möglicherweise in die ecke treiben um ein (peinliches)
schweigen zu provozieren. mehr sollen sie nicht tun. ich
erwarte nicht, daß sie mitarbeiten. ich verlange aber, daß
sie still sind, wenn sie nichts beitragen.

die neuen flyer habe ich vorgestellt. es war interessant.
ein teil der leute fand die flyer lustig. der andere teil
verstand sie nicht. und ein weiteres drittel fand in den
flyern eine weiteren ansatz, um die sitzung zu stören.
ich muß das mal mit so einem vorgesetzten besprechen (die
wollen das so, weil sie daraus schlüsse für den verlauf der
reha ziehen können. eigentlich finde ich solches
rockzipfelzerren unangenehm weil ich nämlich schon
erwachsen bin, aber es erscheint mir denoch sinnvoll). der
wird sagen ?Aha. Innteressant. Da könnten Sie ja dran
arbeiten.? ich will aber nicht daran arbeiten. ich will in
ruhe meinen job machen können.
obwohl..... mal den autoritären raushängen zu lassen ist je
nach stimmung auch ganz reizvoll. außerdem habe ich spaß an
dieser zeitung gefunden und den muß ich mir ja nicht von so
wichsköppen kaputt machen lassen.

JAAAAAAAAWOOOOOOOOOOOHL! ICH - BIN ? EINE ? AU-TO-RI-TÄ-RE
SAU! UND ZWAR AUS EINEM EIN-ZI-GEN GRUND, ICH! WILL! MEINE!
RUHE! HABEN! (MISFITS)

ich könnte dem einen mädel, das, das mit seinem recher
spricht, sagen,
?Verschiebe Deine Selbstinszenierung bitte auf nachher. Von
Dir will im Moment nämlich niemand irgendwas wissen, Du
bist häßlich und dumm. Niemand kann Dich leiden. ?
sie leidet unter dysmorphophobie. und was solls überhaupt.
ist doch reha.
?Hier können Sie sich doch _ausprobieren_.? (meine
arbeitspädagogin)