/me

2005-02-13 12:42:28 (UTC)

analyse

ich vertrage das gefühl des verlassenseins nicht. dieses
gefühl mag der auslöser für den drang zur flamme gewesen
sein. aus erfahrung weiß ich, das ich thermische methoden
zur gewebsschädigung dann vorziehe, wenn ich mich verlassen,
ausgegrenzt, verloren fühle. weil ich das weiß, kann ich von
der wahl der methode auf den auslöser rückschließen.

weitere rückschlüsse:
während der zeit meiner zweiten ausbildung wohnte ich
allein, weil die beziehung die ich unterhielt, zerbrochen
war. danach begannen die selbstverletzungen. ihr auslöser
war nicht das ende der beziehung, die vom emotionalen
standpunkt her betrachtet, keie beziehung , sondern ein
nebeneinanderherleben war, sondern das alleinsein.
von autoaggressivem verhalten erfuhr ich in dieser
ausdrücklichkeit durch meine gefährtin und fortan war es mir
trost und _das_ mittel, das gefühl des verlassenseins
einzudämmen. unbewußt muß mir klar gewesen sein, daß der
kontakt zu meiner gefährtin abbrechen würde, das sie das
interesse an mir verlieren würde und ich dann wieder
verlassen wäre, wenn ich sie nicht durch eine gemeinsamkeit
an mich binden würde. und welche stärkere verbindung gibt
es, als gemeinsame heimlichkeiten, als selbstverletzungen?

früher, als ich noch bei meinen eltern wohnte, ging ich
ebenfalls wenig zimperlich mit meinem fleisch um. ich
schnitt eine warze, die ich an der hand hatte, während des
schulunterichtes mit einer rasierklinge von meiner hand
herunter (weswege ich diese rasierklinge dabei hatte, kann
ich nicht sagen. keinesfalls gehörten rasierklingen zur in
der ddr üblichen ausrüstung eines schülers), ich ätzte so
seltsame effloreszenzen an meinen füßen mit salzsäure und
ammoniak weg. ich experimentierte in äußerst fahrlässiger
weise mit chlorgas und sprengstoffen. ich versuchte, mich zu
töten.
wenn das alles zu selbstverletzendem verhalten zählt,
reichen die wurzeln viel weiter zurück als bis zu dem
zeitpunkt, da meine spätere gefährtin mir davon erzählte.
will sagen, es steckte in mir, mich tat es bereits. meine
gefährtin gab ihm nur einen (anderen) ausdruck. soll heißen,
meine gefährtin hat mich keineswegs dazu verführt. sie
zeigte mir nur eine andere methode.

ich vertrage also das gefühl des verlassenseins nicht.
ebensowenig wie das gefühl deutbarer nähe. von nähe also,
deren ziel und absicht ich nicht kenne. worin ich menschen
grundsätzlich mißtraue. ich mißtraue den motiven der
menschen, die eine physische nähe zu mir suchen, weil ich
befürchte, daß diese nähe mir schmerzen zufügen wird und
mich wieder dazu treibt, aus mir herauszutreten und ich
hinterher nicht weiß, was mit mir geschehen ist.
was bedeutet, daß ich einfach mehr platz um mich herum
brauche, als andere menschen.
das gefühl der verlassenheit führt oftmals zu verletzungen
bzw. zu störungen der integrität der physischen oberfläche.
deutbare nähe hingegen, erzeugt angst und schrecken, das
gefühl von bedrohung und ausgeliefertsein, von
nach-hinten-umkippen-wollen, von bewußtlo werden-wollen, von
das-bewußtsein-verlieren wollen.

ich weiß, das es so ist, ich spüre es. als sei da eine
dunkle wand und dahinter, noch gnädig verborgen, das
schmerzhafteste, erniedrigendste, auslieferndste, das
grauenhafteste aller erlebnisse.