deWired

a deWired life
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2005-01-21 03:16:37 (UTC)

U = R * I

die technik hat mich im griff.

einerseits ist mein geliebtes multimediamobilkameratelefon
abgestürzt (richtig computermäßig! nicht
gravitationsbedingt!) und lässt sich nicht mehr hochfahren.
b.t.w. hat jemand eine bootdiskette für ein nokia 6600?
nein? na auch gut. habe noch garantie - falls ich den
kassabeleg finde.

andererseits ist heute der "robomax"-staubsauger gekommen,
den ich bei amazon bestellt hatte.

vor 20 jahren hätte ich nie daran gedacht, dass ich mir
eines tages einen staubsaug-roboter anschaffen würde. auch
nicht, dass ich mit meinem handtelefon digital
fotografieren, im internet surfen und meine termine managen
würde (eigentlich nicht einmal, dass ich damit telefonieren
würde.)

erstens, weil vor zwanzig jahren niemand auf den
schwachsinnigen gedanken verfallen wäre, anzunehmen, dass
irgendwer ständig sein telefon mit sich herumschleppt
(millionen von außendienstmitarbeitern verrichteten damals
ihre arbeit ohne mobiltelefon. wie haben sie das nur
geschafft? undenkbar aus heutiger sicht, so wie der bau der
pyramiden ohne lkws oder ein rockkonzert ohne gaffer tape.)

zweitens, weil niemand auf die idee gekommen wäre, dass man
einen fotoapparat in ein telefon einbaut - man macht ja auch
keinen kompass in den toaster. oder einen lötkolben in den
rasierapparat, obwohl alle diese dinge einzeln sehr
praktisch sind.

drittens ist bis heute nicht klar warum folgendes:

-- filofax auf - "hr. meier anrufen" reinschreiben - filofax
zu. fertig -- schlechter sein sollte, als:

-- tastensperre entriegeln - menü aufrufen - zum icon
"organiser" klicken - warten bis er aufgeht - auf den
gewünschten tag klicken - die auswahl "optionen" öffnen, auf
"neue besprechung" klicken - folgende tasten betätigen:
4,4,1,0,6,3,3,4,4,4,3,3,7,7,7,0,2,6,6,7,7,7,8,8,3,3,3 - kurz
warten - 3,6,6 - dann anfangs und endzeit eingeben, diverse
bestätigungen drücken, das programm verlassen und, nicht
vergessen, die tastensperre wieder aktivieren (damit die
hosentasche nicht telefoniert). fertig. --

seien wir ehrlich: was um himmels willen ist in uns
gefahren? und jetzt das: handy kaputt. alle telefonnummern
in dem undurchdringlichen sarkophag aus nonfunktionalität
verschlossen. mitsamt den terminen. dafür ist mein fußboden
sauber.

ist es nicht merkwürdig, dass wir uns freiwillig in eine
solche abhängigkeit der elektronik-konzerne begeben? ok,
computer sind was tolles (nur die erzeuger von tippex haben
pleite gemacht) aber warum drängen sie sich in alle
lebensbereiche vor? ein modernes auto kann nur mehr unter
zuhilfenahme schwerer software repariert werden, türen
öffnen sich nur mehr nach beflissenem datenaustausch mit dem
schlüssel und zum bezahlen am zigarettenautomaten schickt
man eine kurznachricht über viele kilometer (u.u. über
72000km, falls es mal eben über satellit gehen muss), nur
damit 20cm vor meiner nase "danke, bezahlt!" stehen kann.
das nicht real existente geld auf meinem konto (in doppeltem
sinn; nicht real auch, weil es nur aus daten im computer
besteht, nicht aus banknoten) wird gewissermaßen am
bankomaten in scheine verwandelt, die ich 20m weiter trage,
sie einer freundlichen dame im lokal überreiche, die sie
dann wieder auf eine bank bringt, wo sie sozusagen wieder in
bytes verwandelt werden. das ist doch umgekehrt kompliziert,
oder nicht?

ich weiß nicht, ist das nur beschäftigungstherapie für uns,
oder was? und warum gehen handys überhaupt kaputt? ich
meine, die bauen doch auch elektronik für saturnsonden, die
jahrelang unterwegs sind ohne servicetechniker. elektronik
muss nicht kaputtgehen, wenn man nicht will. das muss einen
anderen grund haben. datensammeln während der reparatur?
weiß jemand, was eine autoelektronik so alles aufzeichnet
und was die werkstättensoftware so alles ausliest?

erst machen sie uns abhängig von der droge - und irgendwann
in der zukunft schränken sie den zugang ein. auf die
"willigen", die "fleißigen und anständigen" zuwiderhandeln
wird mit elektronikentzug bestraft, das heißt: auf freiem
fuß und doch gefangen: kein handy, kein auto, keine
zigaretten, keine türen die sich öffnen, ohne dass sie von
jemandem geöffnet werden, kein geld außer den banknoten, die
einem in die hand gedrückt werden. diese strafe ist wie
fernsehverbot für erwachsene (in der science fiction
version.) die technologie ist jetzt schon denkbar: immer
mehr applikationen zielen auf eine direkte persönliche
erkennung von menschen ab (das heißt dann euphemistisch
"biometrie-daten") und dann sagt der automat: "kein kaffee
für den präsidenten!" (zitat:kottan)

nur weil ich paranoid bin, heisst das noch lange nicht, dass
sie nicht hinter mir her sind.

(der staubsauger macht auch ganz merkwürdige geräusche)


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