/me

2005-01-04 22:07:07 (UTC)

wirklichkeiten

dem kalle *born to be niedlich* geht es schlecht und meine
gefährtin nimmt an, daß er sterben wird. mir gefällt es
nicht, wenn es meiner gefährtin schlecht geht. andererseits
weiß sie natürlich, daß karnickel nicht ewig leben.
vielleicht wird sie mit der situation besser fertig als ich
glaube.
ich bedauere, daß der waschsalon kein 24-h-waschsalon ist,
dann würde ich jetzt nämlich wäsche waschen gehen. ich
würde das lieber nachts machen, dann hätte ich einen grund,
nachts wach zu sein und könnte den lebendigen, hellen,
lebendigen, lauten, lebendigen tag begründet verschlafen.
das leben, an dem ich keinen anteil habe, von dem ich mich
zurückziehe weil es mir angst macht. nicht, das der
wäscheberg schon seine übliche größe erreicht hätte.
ich würde gern wissen, was mit mir los ist. ich will, das
jemand mir sagt, was mit mir los ist. jemand
vertrauenwürdiges, versteht sich, jemand, den ich nicht
kenne und dessen einschätzung deshalb unzweifelhaft frei
vom einfluß irgendeines interesses an mir ist.
es hat den anschein als ließen sich aus meinen handlungen
motivationen ableiten, die in gefühlen, emotionen gründen,
die ich nicht wahrnehme (siehe vorigen
eintrag „Kommentar“), entweder, weil ich eine taube stelle
habe oder weil sie nicht existieren. eigentlich besteht für
mich kein grund zu einer auseinandersetzung damit.
würde ich diese auseinandersetzung um meinetwillen führen?
nein. ich würde sie führen, weil andere mir gesagt haben,
ich liefe „vor meinen gefühlen weg“ usw. ich tue, in den
falschen bereichen, was man mir sagt oder was ich an
aufforderung in die worte anderer hineininterpretiere.
vorauseilender gehorsam.

den lernt man in familien, in denen das vorausahnen und
vorauserfüllen impliziter oder kaum schon angedeuteter
befehle, für das körperliche wohlergehen notwendig ist.
später wird das dann als höflichkeit und sorgsamkeit, als
selbstlosigkeit und aufmerksamkeit fehlgedeutet. wobei
vorauseilender gehorsam tatsächlich nur existieren kann,
wenn die gehorsame person selbstlos ist. und aufmerksam muß
sie sein, denn mit dem normalen, dem üblichen maß an
wahrnehmunsgfähigkeit ausgestattet, würde sie die feinen
schwingungen, das zittern der angsterfüllten luft gar nicht
wahrnehmen können bzw. nicht interpretieren können oder in
der falsche weise interpretieren und dann wäre es aus mit
körperlicher unversehrtheit, von wohlbefinden gar nicht
erst zu reden. denn das gibt es nicht. wo kein selbst ist,
kann man sich selbst nicht wohl fühlen (zum besseren
verständnis beachte man das wortspiel „wohl fühlen“
und „wohlfühlen“). ein anderes wortspiel wäre „... kann man
sich selbst auch nicht gut fühlen.“ (lies „gut _fühlen_“ im
gegensatz zu „_gut_ fühlen“)

und wer wollte sich in so einer situation auch fühlen? die
ohnmacht spüren, das unausweichliche, den mangel an
alternativen. wenn du „es“ (den befehl, die anordnung) tust
(ausführst) wird es dir beschissen gehen. wenn du „es“
nicht tust, wird es dir ebenfalls beschissen gehen. es gibt
keinen weg aus der situation, der auch nur ansatzweise
angenehm oder zumindest nicht unangenehm wäre. „es“
produziert immer opfer und das opfer bist immer du. es gibt
keinen ausweg. du kannst die situation weder beenden, noch
kannst du dich ihr entziehen, du kannst sie weder
verschieben, noch darüber reden. du bist gefangen in einer
ohnmachtszeitblase die nicht du erzeugt hast und die du
auch nicht aus der welt schaffen kannst, denn diese
zeitblase _ist_ die welt.

jede andere wirklichkeit, in der schule, im kindergarten,
bei verwandten oder „freunden“ (du weißt nicht, was
freundschaft ist. es ist ein wort, eine vokabel die du
aufgeschnappt hast und du verwendest sie in situationen, in
denen andere sie verwenden, weil andere sie verwenden und
weil das benutzen der einen sprache der verständigung
untereinander dienlich ist) ist irreal, erlogen, ein
schauspiel das aus gründen, die du nicht verstehst und die
dir niemand erklärt, aufgeführt wird. zu hause wird
dasselbe schauspiel auf die bühne gebracht, wenn gäste da
sind.

wenn gäste da sind, wird jeder in der familie zum
darsteller einer schauspielwirklichkeit. du fragst nicht,
warum das so ist weil du nichts anderes kennst, weil du
nicht weißt, daß es anders sein könnte, weil du
unterstellst, das alle so handeln. du hast nur die eine
realität, in der du existierst, und deshalb würdest du sie
niemals hinterfragen, denn bräche sie zusammen, bräche dein
universum zusammen und was wäre, wenn es die luft die du
atmest, in der wirklichen wirklichkeit gar nicht gäbe?

vielleicht ist die wirkliche wirklichkeit dann später so
bedrohlich weil du insgeheim argwöhnst, daß es in ihr keine
luft gibt. bei deinen seltenen annäherungen an die
wirkliche wirklichkeit siehst du, das zu deinen ängsten vor
ihr, auch noch ihre probleme kommen. doppelte
wirklichkeiten bringen doppelte probleme und darauf habe
ich nicht die geringste lust.