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2005-01-03 11:06:56 (UTC)

szenarien

das buch „Per Anhalter durch die Galaxis“ von DOUGLAS ADAMS
habe ich gelesen und kam zu dem schluß, daß es stark
überschätzt wird. es liest sich angenehm aber es bleibt
nichts hängen. will sagen, gute bücher hinterlassen
spuren, man kann etwas lernen. der „Anhalter“ war .. .
nett.
zur zeit lese ich GUSTAV MEYRINKs „Der Golem“.

ich bin erkältet, mir tun alle kochen und ein paar
muskelgruppen weh. als ob alles, was in irgendeiner weise
beeinträchtigt ist, sich, begünstigt durch den schnupfen,
mal zu wort meldete. ist es normal, das der körper mit 32
jahren verfällt? als ich heute morgen aufstand, rutschte
ich aus, versuchte, halt zu finden doch der teppich rutsche
weg und so fiel ich hin. quizzfrage : welche mythologische
figur fiel ebenfalls am morgen? genau. luzifer. ergo bin
ich ein engel. *gg* würdige engel fallen schon am morgen
ihrer tage.

seit ich gestern einen krimi gesehen habe, in welchem es um
dem rumänische geheimdienst ging, geht mir das
wort „Folterexperimente“ nicht mehr aus dem kopf. wie hält
jemand das aus, tagtäglich menschen zu foltern? wo vergräbt
der die schreie und die schrecklichen anblicke? nach
welchen kriterien werden folterer ausgesucht? gibt es ein
inserat in der sonntagsbeilage der zeitung, in der
ein „verhörspezialist“ gesucht wird?

meine gefährtin und ich waren gestern zum resteessen bei
ihrer mutter. es gab rosenkohl mit kastanien und fleisch,
das vom fondue übrig geblieben ist und einen scharfen
auberginenauflauf etc.

ich träumte blöde sachen von leuten, die gegen irgendwelche
anderen leute kämpften und ich sollte den einen helfen. tat
ich auch, weil sie mir den eindruck vermittelten,
unterlegen zu sein, weil sie an mein
gerechtigkeitsempfinden appellierten. ich nehme an, das
bezog sich auf dem kampf meiner phagozyten etc gegen die
bösen erkältungsviren.

gestern hätte ich beinahe geschnitten, weil es meiner
gefährtin schlecht geht. wenn es ihr schlecht geht, geht
mir das viel zu nahe. ich kann ihr nicht helfen, kann ihr
den anruf bei ihrem chef nicht abnehmen und auch die suche
nach einem th. kann ich ihr nicht abnehmen. wenn mir etwas
oder jemand wichtig ist, würde am liebsten jedes übel von
ihm oder ihr fern halten. ich kümmere mich um diejenigen,
die mir am herzen liegen. herrje, wenn meine gefährtin sich
zu einem rendezvous mit mir verspätet, dauert es ziemlich
genau eine stunde und ich bin der überzeugung nahe, sie
habe einen unfall gehabt oder sie wurde vergewaltigt und
liege im kkh. und dann überlege ich, wie es sich
bewerkstelligen ließe, den täter zu tode zu quälen. wie ich
an den täter herankommen könnte. im gerichtssaal oder
anderswo. woher ich waffen bzw. die zur herstellung von
sprengsätzen benötigten chemikalien bekommen könnte. was
ich dem apotheker sage, wenn er fragt wozu ich
salpetersäure oder hochreines wasserstoffperoxid brauche.
ich denke: wenn sie sich so sehr verspätet, wird sie
anrufen.
sie rief nicht an. warum?
weil sie außerstande war.
wodurch könnte dieses „außerstande sein“ verursacht worden
sein? durch einen unfall, durch entführung, mißhandlung
etc.
und dann warte ich auf einen anruf ihrer eltern, speziell
ihrer mutter, die mir sagt, es sei etwas geschehen und ob
ich vorbeikommen könne, sie müsse mir etwas sagen.
das nächste bild zeigt meine gefährtin, wie sie an
lebensverlängernden apparaturen hängt und mich, wie ich
davor stehe und überlege, ob meine gefährtin wollen würde,
daß ich den stecker rausziehe, ob und in welcher form ich
dafür zur verantwortung gezogen werden könnte und wie ich
meine tat gegenüber dem richter und den eltern begründe.
dann gehen meine gedanken zur annahme über, daß meine
gefährtin tot sei, wohin ich den kater und die karnickel
bringen könnte, ob es besser wäre, sie zu töten als sie ins
tierheim zu bringen, wie ich mich töten könnte, wie ich
meinen abgang planen müßte, damit ich genügend zeit dafür
habe, wie ich die mutter meiner gefährtin loswerde, damit
sie mich mit ihrer trauer nicht permanent belegt und mir so
den weg in den tod verbaut. welche worte ich wählen müßte,
um jemandem (meinem bruder?) plausibel zu machne, daß er
eine woche auf die tiere aufpassen soll und wie ich die
dahinterstehende motivation verbergen kann.
jaha! in solche situationen ist viel los in meinem kopf,
das läuft dann wie eine gut geölte maschinerie, wie ein
notfallplan, was es letztlich auch ist. manchmal bedauere
ich, daß meine gefährtin dann doch keinen unfall hatte und
ich am leben bleiben „muß“.
das „worst-case-szenario“ sieht so aus, daß meine gefährtin
im koma liegt und niemand sagen kann, ob sie sterben wird
oder wieder zu sich kommt und ich also handlungsunfähig
bin, weil ich aufgrund der unklarheit der situation nicht
entscheiden kann, ob ich sterben oder am leben bleiben
sollte, weil meine gefährtin ja vielleicht wieder zu sich
kommen könnte.

ich empfinde bei all dem keine angst. es ist eher das
gefühl des unausweichlich notwendigen, wie eine in gang
geratene lawine. der sachlichen überlegungen, die das
reibungslose umsetzen des notfallplanes zum inhalt haben.
wie jemand, der erkennt, daß eine katastrophe geschehen
ist, das sie unumkehrbar ist und das es *jetzt* sinnvoller
ist, aktiv zu werden, als sich der trauer hinzugeben.
das wollen, der drang zur selbstzerstörung sind weiterhin
vorhanden. es / er wurde nur mit worten und erlerntem
übertüncht. es / erschläft nicht, es / er wartet auf den
anlaß.

meine gefährtin rief gestern an, sagte, sie schriebe
tagebuch. wenn meine gefährtin tagebuch schreibt, ist das
immer ein zeichen dafür, das irgendwas nicht stimmt und das
mich zu erhöhter wachsamkeit veranlaßt. sie fragte, ob ich
mich schonmal einsam fühle. dem ersten impuls folgend,
erwiderte ich mit einer gegenfrage. ich fragte: „Wieso?“
und dachte dann: „Das ist das Mädchen mit dem du seit 7
jahren zusammen bist, das dir niemals wehgetan hat, zu dem
du vertrauen haben kannst, oder solltest. Nach 7 Jahren ist
es überdies statistisch gesehen, unwahrscheinlich, daß es
deine Ehrlichkeit im bezug auf deine Emotionalität
ausnutzt, um dir zu schaden.“ also sagte ich: „Ja.“
doch streng genommen, fühle ich mich nicht einsam, sondern
verlassen, nicht zugehörig. das gefühl, nicht dazu zu
gehören, anders zu sein, ein gast, ein bloß durchreisender,
jemand, der hier in der welt, in dieser dimension,
vergessen wurde, der hier nicht her gehört, ist beinahe
permanent präsent. das gefühl des verlassen-seins nur
selten, dafür aber mit ungeheurer stärke. und dann ist die
klinge und vielmehr noch mein feuerzeug, ein starker trost
und das einzige mittel, dem empfinden eine seiner stärke
äquivalente form zu geben. ihm einen angemessenen ausdruck
zu verleihen. das geht vermutlich noch weit über das
stechen eines tattoos in form des namens des geliebten
menschen hinaus.
der körper, mein körper, ist nicht mein körper, es ist
lediglich die zum existieren hier notwendige form, wie bei
einem taucher, der sich seinen neoprenanzug anzieht und
sauerstoffflaschen - ... nein, die flaschen mit dem für
tiefe tauchgänge notwendigen speziellen atemgemisch,
umschnallt. die welt hier ist mir so fremd wie den übrigen
menschen die tiefsee.

als wir gestern bei der besten freundin meiner gefährtin
waren, als wir später bei den eltern meine gefährtin waren,
oft, wenn ich in die stadt gehe, habe ich das gefühl, die
anderen anwesenden sind verwundert über mich, halten mich
für einen seltsamen kauz, mit dem irgendwas nicht stimmt,
zu dem man besser einen etwas größeren abstand einhält, dem
gegenüber ein erhöhtes maß an (vielleicht)mißtrauen und (in
jedem fall) vorsicht angebracht ist.
die beste freundin hatte zudem besuch von ihrer schwester,
die ihren 10 monate alten säugling mitgebracht hatte. ich
fühlte mich sowas von unbehaglich. und als ich am hals des
säugling rote flecken antdeckte, durchfuhr mich ein
erschrecken und der gedanke, das kind würde
mißhandelt werden. dabei sahen die flecken eindeutig nach
neurodermitis aus. wie kann ein empfinden so dermaßen von
dem was man sieht, abweichen? ich hatte während des besuchs
oft das gefühl eines über dem kind schwebenden unheils. und
die angst, jemand würde mich auffordern, das kind auf dem
arm zu nehmen. so kinder gehen so leicht kaputt. und im
gegensatz zur reaktion der kinder auf meine gefährtin,
beäugen sie mich erstmal mißtrauisch. zu meiner gefährtin
haben sie vom ersten augenblick an ein gutes verhältnis,
lächeln und fühlen sich wohl. hunden geht es nicht anders.
mir gegenüber sind sie reserviert, meine gefährtin treten
sie sofort mit wedelndem schwanz gegenüber. vielleicht
sollte ich ja auch mal wedeln. *errötet* nein, ein scherz.
*/errötet*