/me

2004-09-09 10:31:10 (UTC)

alles ist sex

gestern lag über de stadt ein geruch wie von hundescheiße
in einem überfüllten bus im winter. das hat mich wahnsinnig
gemacht weil ich annahm, der gestank ginge von mir aus,
denn unterwegs beobachtete ich die passanten aber die
schienen den gestank nicht zu bemerken. ich habe mich, als
ich zu hause war ausgezogen und berochen und konnte nichts
finden. schon in der stadt, auf dem heimweg, sah ich mir
die sohlen meiner stiefel an, ob ich vielleicht in einen
berg hundescheiße getreten war. die sohlen waren sauber.
dann dachte ich, wenn der geruch überall ist wo ich bin,
und ich nichts im sohlenprofil habe, dann habe ich
vielleicht in die hose geschissen ohne es zu bemerken.
hatte ich dann aber doch nicht.
solche gerüche machen mich wahnsinnig weil niemand außer
mir sie wahrzunehmen scheint. und wenn du der einzige bist,
der etwas wahrnimmt, dann ist deine wahrnehmung vielleicht
nur eine halluzination am rande des wahnsinns.
als ich zu hause ankam, roch die wohnung ebenfalls nach
hundescheiße, ich öffnete die fenster und mir wurde beinahe
übel weil dieser gestank noch stärker zu werden schien.
nachdem ich mich berochen hatte, rief ich meine gefährtin
an und sie sagte, ihr sei der gestank schon am morgen
aufgefallen als sie zur arbeit gegangen war.

zuvor hatte meine gefährtin gekocht und als sie das fleisch
anbriet, war mir, als würde das eine oder andere stück
fleisch nach harnstoff riechen. als wir dann aßen,
erwischte ich diesen einen fleischbrocken und der schmeckte
sogar nach harnstoff, gerade so, als hätte ich in eine
niere gebissen. ekelig. ich sagte meiner gefährtin, daß der
fleischbrocken nach harnstoff schmecke und sie sagte, ich
müsse nicht weiteressen. entsetzlich, als sei ich ein kind.
bin mal gespannt, vielleicht retardiere ich soweit, daß ich
mir den arsch abwischen lassen muß.
ich mag reis, weil der kaum einen eigengeschmack hat.
vielleicht bin zu empfindlich was gerüche und gräusche und
geschmack angeht. in letzter zeit lasse ich das radio immer
öfter und immer länger ausgeschaltet weil ich die stille so
mag, noch vor kurzem war das einschalten des radios das
erste, das ich nach dem aufstehen tat. und ich rede weniger
als sonst.

meine gefährtin nimmt seit zwei (?) wochen etwa, seit ich
ihr was von wegen mißbrauch vorheulte, sehr große
rücksicht auf mich, als sei ich ein rohes ei oder sowas.
gestern sagte sie, ihr fehlten berührungen, sprich
hautkontkt , sprich kuscheln. weswegen sie beinahe zu
weinen begonnen hätte. sie wartet, bis ich das bedürfnis
habe, sie zu umarmen und sie unterscheidet dieses bedürfnis
vom dem, umarmt zu werden, was ich freilich noch seltener
habe. wir stehen also da, ich umarme sie und sie legt ihre
arme um mich, um sie in der nächsten sekunde erschrocken
wieder von mir wegzunehmen. und sie legt ihre arme nicht
auf mich, wie das üblicherweise geschieht damit man die
arme des anderen durch ihr gewicht auch spürt, nein, sie
deutet die umarmung eigentlich nur an. es ist, als
vertrockne sie emotional. ich weiß nur nicht, ob mir
körperkontakt mit der zeit fremd wird und ich in mir
abgewöhne, oder ob ich tatsächlich mit so wenig nähe
auskomme, ob das wenige das maß an nähe ist, welches mir
gut tut. was ich sicher weiß ist, das meine gefährtin
diesen zustand nicht viel länger erträgt.
neulich als wir sex hatten, äußerte ich einen wunsch und
sie wurde plötzlich kalt und wie versteinert und sagte
hinterher, das sei „kaufhaussex“ gewesen. dabei besteht sie
immer darauf, in sexuellen dingen offen zu sein. mein
wunsch war weder abartig noch ungewöhnlich. ich dachte
halt, ich sollte mal mutig sein und mich zu wort melden.

meine katze scheint ebenfalls zu vertrocknen. sie geht mir
zur zeit unheimlich auf die nerven weil sie immer
gestreichelt werden will und ich mich selten vor dem beginn
des abends dazu durchringen kann. dann beginnt sie, meine
hand oder meinen arm abzulecken, was ich nur schwer
aushalten kann. so sachen, die mit händen zu tun haben sind
schwierig. sachen, die mit meinen armen zu tun haben, sind
etwas leichter auszuhalten. im prinzip ist beinahe jede
berührung schwierig. nicht immer, aber oft.

wenn ich von draußen komme und entsprechend verschwitzt bin
und das t-shirt an mir klebt und die stiefel plötzlich zu
warm und zu eng werden, werde ich unaushaltbar kribbelig
und bin regelmäßig kurz vorm durchdrehen weil ich nicht
schnell genug aus den klamotten rauskomme, ich überlege
dann, ob ich das t-shirt nicht einfach zerreiße und die
schnürsenkel nicht einfach zerschneide. alles ist zu eng.
gestern rannte ich dann quasi ins bad und hielt kopf und
arme in das kalte wasser bis es besser war. kälte ist
vermutlich deshalb gut, weil ich mich durch sie nicht so
stark spüre.
unter solchen dingen _leide_ ich tatsächlich, hier ist die
fornulierung „an einer Sache leiden“ tatsächlich einmal
angebracht. anders als bei den schlafstörungen die
mittlerweile nur noch ärgerlich sind.
ich habe meine entspannungsübungen wieder aufgenommen,
zweimal am tag, abends zum einschlafen. zur belohnung
(sic!) gab es vorgestern ein paar unschöne, wenngleich sie
nicht schlimm waren, erinnerungen die mit empfindungen
verknüpft waren. bild und gefühl passten zusammen. eine
neue, mich hoffen lassende erfahrung.

so. und nun beruhighen wir uns, trinken kaffee, werden
wach. es ist nicht in ordnung, wenn meine gefährtin aus
freude oder weil sie traurig ist, jedenfalls weil sie stark
bewegt ist, weint, wenn wir uns gegenseitig umarmen.

meine ellenbögen schmerzen übrigens kaum noch, ich schätze,
am ende des monats meine hanteln wieder bewegen zu können.
da fällt mir ein, daß ich meiner vermutlichen vergangenheit
die neigung zum hanteltraining verdanke. und ich weiß, daß
kein training, egal wieviel muskelmasse dadurch aufgebaut
wird, mir das gefühl von sicherheit geben kann. wieder
wünschte ich, daß mir gewaltb wiederfährt, damit die
permanente anspannung, die erwartungsangst, sich löst.
und ich möcte wissen, wieso so viele dinge nach sperma
riechen. bleichlauge etwa oder supermarktchampignons, wenn
sie angebraten werden und wieso ich in sovielen dingen O
geschlechtsteile sehe, daß meine gefährtin sich darüber
lustig macht.
in H.R. GIGERs bildern anspielungen und metaphern auf
geschlechtliches und sexuelles zu sehen, ist nicht
schwierig, aber auf einem werbeplakat für das gemüseangebot
eines supermarktes im transversalschnitt durch eine rote
paprika augrund der häutchen eine stark gedehnte und
geöffnete vagina zu sehen? dabei beinahe zu kotzen und
anschließend das wort „seifenblasen“ auf einem anderen
plakat als seifenBLASEN! zu lesen?! kann gut sein, daß ich
hysterisch reagiere. ich beobachte mich ja auch ohne
unterlaß, und da fallen mir solche dinge auf und sie
stimmen mich nachdenklich, weil sie nicht erst seit gestern
sondern seit jahren schon auftreten. ein ROHRSCHACHtest
wäre bestimmt lustig.
die angeführten beispiele wirken albern, aber sowas
passiert mir oft und dann ist es beinahe paranoid. ich
interpretiere dann plötzlich immer mehr dinge in etwas
sexuelles. das verwirrt und beunruhigt mich und reißt mich
ein wenig aus
der wirklichkeit, ich bin dann für kurze zeit in diesem
eindruck gefangen. die welt ist eben vollgepfropft mit
anspielungen auf geschlechtsteile.

am wochenende fahren meine gefährtin und ich zu dem typen,
der ihr die homepage bastelt um photos von meiner gefährtin
ketten zu fertigen um die dann in die hp zu integrieren.
und da war noch etwas, das ich allerdings vergessen habe,
oder ich habe es nur geträumt. die welt ist eine illusion
innerhalb einer illusion.

„alles ist nur illusion und von mir erschaffen“ (sopor
aeternus)