/me

2004-08-17 21:34:51 (UTC)

u.a. entwurf

da lese ich im tb eines massakrierten hirns und fühle den
sog und fühle _ihre_ traurigkeit und meine hilflosigkeit.
ich sollte mich aus gewissen bereichen des i-net
zurückziehen. überhaupt sollte ich seltener online gehen.
die hp meiner gefährtin wächst zusehends. ein bekannter
erstellt sie kostenlos und meine gefährtin will ihre
perlengeflechte darüber verkaufen. ich habe überlegt, mich
als „Ich AG“ daran zu beteiligen und habe testweise einen
strang eines armbandes geflochten/gefädelt. das war
anstrengend weil die perlen so miniwinzig klen sind und der
nylonfaden verschwindend dünn ist. jedoch glaube ich, das
jetzt die zeit gekommen ist um zu entscheiden, ob dieses
perlenzeugs professionell geführt oder aufgegeben werden
wird. immerhin hatte meine gefährtin an einem einzigen
abend rund 300 euro durch den verkauf von sieben ketten und
zwei ringen verdient. abzüglich material bleibt ein gewinn
von bestimmt zweihundert euro übrig. den macherlohn darf
man nicht berechnen weil dann die ketten und ringe usw.
doppelt so teuer sein müßten und damit unverkäuflich sein
würden.
mir spuken (nein, nicht „spucken“) gedanken zur berufswahl
durch den kopf. am liebsten wäre mir, ich könnte mit meiner
schreibe geld verdienen. von zu hause aus. deswegen habe
ich die, von th. vorgeschlagene, therapeutin angerufen weil
die irgendwas mit kreativem schreiben macht. aber natürlich
ist sie gerade im urlaub. ds-magazin sind ebenfalls im
urlaub, ZILLO meldet sich nicht, obwohl deren chef mal ganz
begeistert von einem bericht war, den ich über ein
CRÜXSHADOWSkonzert verfasste. wen könnte ich denn noch
nerven? ASTAN, GOTHIC, ORKUS (aber dann könnte ich auch
gleich die BRAVO anschreiben), LEGACY. hm, keine ahnung,
kein licht, kein gar nichts.
wenn meine gefährtin nicht wäre, wäre ich genau das,
nämlich nicht.
aus lauter langeweile heraus habe ich auf ein ZILLOinserat
geantwortet. jemand suchte leute, die einen
depressionsfragebogen beantworten wollen. die addy lautet:
informationensammlung_depressionen at gmx dot de
dann habe ich versucht, den fragebogen als anhang
zurückzuschicken und brach das nach 10 minuten ab. es
dauerte einfach zu lange. ich habe ihn als normale html-
mail geschickt.
als ich den bulkordner öffnete, habe ich gesehen, das meine
alte forwardingaddy aus dem forum noch immer funktioniert.
seltsam. da hat der admin wohl geschlampt. ich frage mich
sowieso, was er mit den daten aus dem forum gemacht hat, ob
die noch in irgendeiner form existieren.

weiter habe ich einen text verfasst, der bestenfalls
mittelmaß ist und den ich vielleicht hier online stellen
werde. meine gefährtin sagte heute: „Du siehst traurig
aus.“ ich antwortete: „Ja.“ sie entgegnete: „Du siehst
schon seit einiger Zeit traurig aus.“ und ich erwiderte....
irgendwas. weiß nicht mehr, was es war.
tatsächlich halten die schatten sich seit mindestens zwei
wochen und ich würde sie sehr gern wegschneiden, gleichwohl
weiß ich, daß sie, weil sie lästig sind, mir vielleicht den
antrieb verschaffen, etwas zu ändern. nach dem verfassen
des höchstens mittelmäßigen textes namens „Vom Ende der
Traurigkeit“ (mein leser, du ahnst bereits, wie dieses ende
aussieht) ging es mir bestimmt zwei stunden besser, doch
dann kam die erkenntnis, das nichts, was ich schreibe,
nichts von dem, das ich mir in meiner kleinen (hirn)kammer
ausdenke, eine änderung der situation bewirken wird. früher
hatte ich wenigstens noch die option, mich an einer ÜD zu
versuchen oder eine mülltüte über meinen kopf zu ziehen.
heute jedoch... irgendwie fehlt mir die kraft für eine
solche aktion. ein passives sterben wäre möglich.
bestenfalls. ein verhungern wie dieses massakerhirn es vor
hat. ich bleibe dabei. niemand tötet sich in einer
depressiven phase. sie töten sich erst, wenn die depression
soweit abgeklungen ist, das sie handlungsfähig sind.
manchmal betrügt mich am abend die hoffnung, wenn ich nur
lange genug schliefe, würde ich erfrischt aufwachen. ich
weiß jedoch, daß kein schlaf, gleichgültig wie lang und
tief, dieses wunder vollbringen kann. nicht im moment
jedenfalls. und wovon bin ich eigentlich so erschöpft?

meine gefährtin hat morgen ihren ersten arbeitstag an ihrem
neuen arbeitsplatz. sie will einen gewerbeschein
beantragen, die hp wird erstellt, ihre visitenkarten muß
sie noch ändern lassen, weil die domain mit dem namen, den
sie benutzen will, bereits vergeben ist (nein, ich werde
die url nicht bekannt geben).
~~~~~~
(entwurf)
Vom Ende der Traurigkeit
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Die Pforten der Nacht schlossen sich hinter mir und ich
wurde von einer angenehmen Kühle umfangen, wie der helle
Tag sie niemals bieten konnte. Bald wandelte sich das
Angenehme in ein Frösteln, das Frösteln in ein Frieren und
schließlich saß ich zusammengekauert im Schnee und die
Sterne glitzerten spöttisch und kalt. Hier also werden wir
sterben, erfroren am Grunde meiner Sehnsucht. Am Ziel
angelangt.
Ich sprach mit Figuren die mein sterbendes Hirn fortlaufend
produzierte, ging in Gedanken zurück an den Anfang meiner
Reise und eine grauhaarige Gestalt fragte mich, ob ich
meinen Weg bedauerte. Nein. Ich bedauerte nur, ihn nicht
früher angegangen zu haben, denn mein Sterben konnte,
gleichgültig wie es gestaltet war, unmöglich so trostlos
und leer wie mein Leben sein.
Leben, das hieß ausbluten, das Leben war der Vogel der mir
die Freude aus dem Leib fraß.
Doch jetzt...
Keine Angst, kein Hunger, kein Durst, kein Schmerz. Nichts
zu bedauern. Der Schnee wird meine Spuren verschlucken, sie
barmherzig mit weißem Flaum zudecken, später auch mich,
wenn ich nicht mehr gehen kann, wenn ich zu schwach sein
werde, mich weiter an den Winter zu verlieren.
Das Denken hatte vor zwei Tagen aufgehört, mich mit seinem
im-Kreis-laufen verrückt zu machen. Oder bin ich darunter
verrückt geworden? Merkt man, das man verrückt ist? Wenn
man im Begriffe ist, den Verstand zu verlieren und zwischen
den Wahnanfällen Momente des Begreifens schmerzen, dann ja.
Aber später? Bedeutet es, einfach nur in anderen
Wirklichkeiten zu existieren? Ist die Wirklichkeit real
oder nur erträumt, ist damit die wahnhafte Wirklichkeit
nicht von derselben Rechtmäßigkeit wie jene andere?
Im-Kreis-laufen ist nicht schön, weil der Gedankenstrom
niemals abreißt, weil er zu keinem Ende findet, weil eine
Frage die nächste gebiert. Ohne Ende. Ohne Ruhe. Ausbluten.
Als die Kälte begann, verbrauchte sich die Hitze des
Denkens und es wurde klar und strömte dahin wie ruhiges
Gewässer. Lange entbehrte ich der Ruhe, lange dürstete mich
nach ihr, nach wenigen Momenten Stille. Ich war genügsam
geworden denn Traurigkeit läßt keinen Raum, um eitel und
stolz und selbstgefällig sein. Sie demütigt dich, zehrt
dich aus und geht einfach immer weiter, ihr gefräßiges Maul
steht niemals still. Sie geht mit dir schlafen, steht mit
dir auf, sitzt auf deinem Platz bei Tisch und sie hat
niemals genug. Egal, wieviel du ihr gibst. Sie ist niemals
satt, nie wird sie müde. Ihre ölige, schwere Gegenwart
haftet an jeder Minute des Tages, an jedem Traum in jeder
Nacht, sie atmet in jedem deiner Atemzüge, jeden einzelnen
Gedanken färbt sich schwarz. Sie macht sich dir zum Vorwurf
und wiegt so doppelt schwer. Sie stiehlt deine Worte, damit
du schweigst und sie nicht verraten kannst, lodernd
verzehrt sie die Leidenschaft und ihre Asche ist das
Gefühl, etwas verlorenes niemals zurückzubekommen. Sie lebt
von deinem Leben. Deshalb fürchtet sie die Kälte und ich
werde sie erfrieren lassen, werde sie ihrer Nahrung
berauben und wir werden einander beim Sterben zusehen.
~~~
zu mehr hat es nicht gereicht.