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2004-02-18 12:09:10 (UTC)

klinik, siebter und letzter teil

siebter und letzter Teil

13.02., 18:15h
Mir ist schwindelig, ich kann mich nur schwer konzentrieren.
Der heutige Tag war außerordentlich anstrengend. „Die
Gruppe“ erstickte mich in positiven „Feedbacks“.
Th. will den Vertrag, es sieht unsere Absprache als solchen
an, unbedingt beibehalten und hat Alkoholkontrolle
angekündigt, dabei wollte ich nur mit einem Glas auf den
Abschied von der Klinik anstoßen. Th. sagte, es gehe ihm
nicht um das eine Glas sondern um die Vertrauensfrage. Die
Frage, ob er mir vertrauen könne, ob ich sein Vertrauen
rechtfertige.
19:00h
Ich laufe herum wie Falschgeld, irgendwas stimmt nicht.
Zuviele Menschen. Vielleicht bin ich erkältet?
Die „Vertrauensfrage“ geht mir nicht aus dem Kopf. Was der
eigentlich? Soll ich ihm blind vertraue, selbst dann, wenn
das Gelände unbekannt ist? Vertraue ich Th. oder vertraue
ich mir? Wie kann man ein Glas Wein nur so mit Bedeutung
überfrachten?!
Ich versteh nicht, was der Mann von mir will.
23:30h
Alkotest! Ist das zu fassen? Wenigstens hält er, was er
verspricht. Was ich nicht verstehe ist, das der Test heute
statfindet. Wenn er mich erwischen wollte, hätte er die
Schwester mit dem Teströhrchen in 3 Tagen vorbeischicken
müssen. Oder wollte er mich nüchtern vorfinden? Was geht in
ihm vor?

14.02., 15:15h, Danzig, „I, Luciferi“
Sechs Wochen Therapie sind wie eine endlos Wanderung. Ich
bin total erschöpft. Ich möchte schneiden und Tavor nehmen
und mich betrinken, alles auf einmal, nacheinander und dann
wieder von vorn, mich wegschalten.
22:50h
„Die Gruppe“ war Essen. Betrunkene O sind schwer zu
ertragen. Es ist gut, bald nach Hause zu fahren denn in
einer sentimentalen Regung hätte ich beinahe meine E-
Mailaddy rausgegeben.

15.02., 22:00h
Am Montag werde ich meine Klamotten packen. Allmählich
werde ich sentimental, irgendwie gibt es immer mehr Dinge,
die ich zum letzten mal tue.
Ich wurde heute ob meiner Willenstärke beneidet. Mein Ego
wurde in den vergangenen Wochen bis zum Erbrechen
gestreichelt.

17.02., 15:20h, Danzig, „I, Luciferi“
Noch etwa 18h bis zur Räumung des Zimmers. Die Haut an den
Fingerknöcheln ist aufgesprungen. Ich bin traurig oder
sowas. Überall macht sich Abschiedsstimmung breit, alle
Dinge werden zum letzten mal getan.

*Ende*
*