/me

2003-12-22 10:05:44 (UTC)

begutachtet

so, die begutachtung ist vorüber. sie haben ein EKG
abgeleitet und die untersuchende ärztin sagte „Sie können
schon da rüber gehen und sich entkleiden, bis auf die
unterhose.“ – „Nein.“ – (lauernd)„Sie wollen sich nicht
untersuchen lassen?“ – „Ich werde mich nicht ausziehen.“ –
„Aber das T-Shirt geht?“- „Ja, das T-shirt geht.“
sie wollte meine beschwerden wissen. „Da steht doch alles
schon in den Akten die Sie vor sich haben. Ich bin hier,
weil die Krankenkasse gedroht hat, mich rauszuwerfen wenn
ich den Antrag nicht unterschreibe.“- „Gut, dann lese ich
vor was in dem bericht steht, und Sie sagen mir, ob etwas
dazugekommen ist [liest: ...beim verlassen der wohnung
müsse er ständig kontrollieren, ob die kaffeemaschine
ausgeschaltet sei...]“ dann lachte sie vor sich hin und
sagte „Das ist ja auch wichtig bei dem Wetter“. was hat
denn meine kaffeemaschien mit dem wetter zu tun?

Was glaubt die denn? das ich ihr vertrauen entgegenbringe
nur weil sie einen weißen kittel trägt, ärztin ist und
einen festen händedruck hat? ich kam mir vor wie ein
tierchen auf einem objektträger. zwischendrin rief sie
ihrer assistentin zu, sie solle frische papierhandtücher
bringen. ich liege halbnackt (freier oberkörper, ohne
stiefel) auf der liege und sie läßt währenddessen dem
handtuchhalter neu bestücken. außerdem hat sie verwirrende
fragen gestellt. („familienstand? ledig, geschieden,
verheiratet?“ – „ledig.“ – „überzeugter single?“ – „ich
habe eine freundin.“
-„ sie haben also doch eine beziehung! haben sie eine
familenplanung?“- „Insofern, als ich keine kinder haben
will.“- „ist das für ihre freundin in ordnung“-„ja.
allerdings, wenn berichte über mütter und kleine kinder im
TV laufen, wird sie weich.“ – „können Sie mit Ihrer
therapeutin über so intime dinge reden????“-„ja, das kann
ich.“)
blut wurde mir abgenommen, am rechten arm *bäh* und danach
hat die ärztin meinen arm im ellenbogengelenk
zusammengeklappt und mein handgelenk festgehalten. ich habe
lange überlegt, ob ich sie auffordern soll, meinen arm
loszulassen, fand es dann aber doch übertrieben. war
vielleicht ein fehler, denn ich hasse es, wenn jemand meine
hand anfaßt.
diese gutachterärzte verlangen mit einer
selbstverständlichkeit von den zu begutachtenden, das der
sich ausziehen und über private themen sprechen soll, als
sei er ein objekt oder minderbemittelt oder sowas.
unverschämt ist das. natürlich habe ich defekte im
verhalten, aber deswegen bin ich kein unmündiger irrer. ich
habe den eindruck, überall ernst genommen zu werden, sogar
in der klinik. bei begutachtungen allerdings habe ich das
gefühl, als trage ich ein stigma auf der stirn, als sähen
die ärzte mich als unzurechnungsfähig, als sei mein
urteilsvermögen vermindert oder sowas. dabei lernt man
schon in der ausbildung, jeden noch so abgebauten
epileptiker, jeder noch so durchgeknallten psycho ernst zu
nehmen und ihn mit würde und respekt zu behandeln.

sie wollte wissen, wie oft ich das TAVOR nehme, leider gibt
es keine regelmäßigkeit, ich kann also nicht sagen, #einmal
pro woche# oder #zweimal im monat# oder sowas. eben bei
bedarf. und der bedarf ist _manchmal_ da, wenn mir jemand
zu nahe kommt. manchmal kommt der bedraf auch aus heiterem
himmel. das ist keine verläßliche kausalitätenkette.
irgendwann war’s mir zu blöde und ich sagte, in der
weihnachtszeit ist der bedarf natürlich höher. und das in
der weihnachtszeit sich leute melden, die das restliche
jahr keinen kontakt zu mir aufgenommen haben. „Sie nehmen
als das TAVOR, wenn jemand sich meldet, der sich das ganze
jahr über nicht gemeldet hat? Sie nehmen also das TAVOR,
wenn Sie angerufen werden?“ wie kann man auf solche
gedanken kommen? wo ist denn da der sinn? verwirrende
fragen dieser art hat sie noch mehr gestellt.

fazit: bleib am leben und wehre dich täglich.


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