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2003-10-12 20:12:39 (UTC)

schizoid

„Fritz Riemann: "Grundformen der Angst.
Eine tiefenpsychologische Studie", München 1979

Die schizoiden Persönlichkeiten äußern ihre Angst vor
Hingabe in Schutzmechanismen und in Scheue, in Arroganz,
Mißtrauen und in Kontaktunsicherheit, manchmal auch in
Sadismus und in Aggressivität, in denen Riemann übrigens
einen versteckten Akt der Werbung sieht. Auch unsere
westliche Gesellschaft als Ganzes tendiert immer mehr zur
Schizoidie (41). - Die Gespaltenheit, die im Präfix "schizo-
" zum Ausdruck kommt, ist dabei meist eine zwischen
Verstand und Gefühl. Oft wirken sie unsentimental und
stoisch. "Als Philosophen sind sie oft die lebensfernen
abstrakten Denker" (56). Mit der Religion können sie
aufgrund ihres Rationalismus und Skeptizismus nicht viel
anfangen. Frühkindliche Ursache ist zumeist mangelnde
elterliche Wärme. Postive Ausformungen der Schizoidie sind
Selbständigkeit, Sachlichkeit und Unabhängigkeit.

Die depressiven Persönlichkeiten haben Angst vor der Ich-
Werdung und suchen sich deswegen häufig einen
stabilitätsgebenden Partner. Solche Beziehungen münden
nicht selten in Abhängigkeit, wobei das Vermitteln von
Schuldgefühlen sowie Krankheiten oft eingesetzte Waffen der
Depressiven sind. Depressive Formen der Aggression, wenn
diese nicht generell zugunsten einer Ideologie der
Friedfertigkeit zurückgedrängt wird, sind zumeist
Selbstmitleid, Jammern, Klagen und Lamentieren. "Nein" zu
sagen, fällt Depressiven meist schwer. Oft sind sie
religiös und von der Erlösungsidee fasziniert.
Frühkindliche Ursachen können sowohl zu große mütterliche
Verwöhnung bis hin zum Klammern als auch Entsagung sein.
Positive Auswirkungen der depressiven Veranlagung bestehen
in Wärme, Dankbarkeit, Bescheidenheit und Gefühlstiefe.
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„Autorisierte Buchbesprechung - Rezension von Rudolf
Sponsel, D-91052 Erlangen, im Sommer 1999
(Korrektur-Version)
Das Schattensyndrom
Ratey, John J. & Johnson, Catherine (dt. 1999, orig. 1997).
Das Schattensyndrom. Neurobiologie und leichte Formen
psychischer Stoerungen. Stuttgart: Klett-Cotta.
ISBN 3-608-91889-2. DM 78.--, 444 Seiten“

Schizoidie und Fuehlen. Nach meinen Erfahrungen und
Untersuchungen zur schizoiden Persoenlichkeit (ich habe
einen Test nach den Fritz Riemann Kategorien 1981
konstruiert und einige tausend Erhebungen gemacht) ist der
schizoide Mensch keineswegs gefuehlskalt oder gefuehllos.
Im Gegenteil, erstens: Schizoide koennen extrem erlebnis-
und gefuehlsintensiv sein (wie unsere schizoiden
KuenstlerInnen und DichterInnen ja eindrucksvoll belegen).
Was sie von anderen Menschen in diesem Merkmalsbereich
unterscheidet, ist, dass ihre innere Gefuehlsintensitaet
nicht nach aussen sichtbar wird. Schizoide, zumindest im
Riemann'schen Sinne, koennen innerlich regelrechte
emotionale Feste feiern und wirken aeusserlich voellig
unberuehrt. Ergo: man darf - beim Schizoiden - nicht von
aussen nach innen schliessen. Das macht Therapie mit
Schizoiden oft sehr schwer, weil man extrem viele
Moeglichkeiten hat, ins Fettnaepchen zu treten, weil das
Ausdrucksfeedback fehlt oder nur sehr distinguiert
erscheint. Hier ist eine gute Theorie und Erfahrung neben
gesteigerter empathischer Wachsamkeit sehr nuetzlich. Das
zweite wichtige Merkmal der Emotionalitaet Schizoider ist
m. E. - und das ist eine formal-strukturelle Analogie zur
Aufmerksamkeitsschwankung bei ADD - dass Schizoide ihre
Gefuehle sehr stark herunterfahren und beherrschen koennen.
Runterfahren und beherrschen ist aber etwas ganz anderes
als gefuehlskalt oder gefuehllos. Wie die ADD-
Persoenlichkeit SEHR und lange aufmerksam sein kann, wenn
sie Lust und Interesse hat, so kann die schizoide
Persoenlichkeit SEHR intensiv fuehlen, wenn ihr danach ist.
Und wie die ADD-Persoenlichkeit ganz ploetzlich aufhoeren
kann, aufmerksam zu sein, so kann die schizoide
Personelichkeit ganz ploetzlich ihren Gefuehlsstrom
herunterfahren und unterbrechen.
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