/me

2003-09-22 13:07:16 (UTC)

"wie geht es dir?"

CRADLE OF FILTH, „Damnation and a day“

klippie hat mir eine karte geschickt in der sie fragt, wie
es mir geht. wieso lernt „man“ nicht, das diese frage zu
beantworten mir sehr schwer fällt? und was hat „man“ davon,
um meine verfassung zu wissen? vermutlich wollte klippie
nur ein lebenszeichen senden und um den platz auf der karte
nicht allzu auffällig zu verschwenden, hat sie diese
unwichtige, unmögliche frage gestellt. um eine möglichkeit
zu haben, empathie zu zeigen, um sich vielleicht mit meiner
antwort von ihrem kampf um ihr eigenes wohlergehen
abzulenken. um sich in dem gefühl zu wiegen, etwas gutes
getan zu haben indem sie mir zeigte, das es jemanden gibt,
dem mein gemütszustand wichtig ist. vielleicht ist er das
tatsächlich, doch wozu?
die frage zu beantworten fällt mir deshalb schwer, weil ich
keinen maßstab für „gut“ bzw. „schlecht“ – gehen habe. und
weil ich überzeugt bin, egal, wie meine antwort ausfiele,
in eine extreme sicht hineinzugeraten.
es fiele mir etwas leichter, auf „Geht es dir gut?“ zu
antworten. obwohl auch das noch schwierig ist. bedeutet
sich gut zu fühlen, glücklich zu sein oder bedeutet sich
gut fühlen lediglich die abwesenheit von schmerzen und
unwohlsein? ab welchem grad an unwohlsein sagt man „es geht
mir schlecht“, bis zu welcher schmerzstärke kann man
noch „es geht mir gut“ sagen? was liegt dazwischen? es geht
mir nicht gut, aber auch wiederum nicht soooooo schlecht.
vielleicht hilft die rheinländische sprachkultur weiter,
mit ihrem „Et muß“ ?! *lacht*

ich weigere mich zu sagen, das es mir schlecht geht, denn
ich will nicht, daß es mir schlecht geht, ich will nicht,
das dieses empfinden mit dem wissen darüber in meine
bewußtsein dringt.
zu sagen, „es könnte schlimmer sein“ ist unzulässig weil es
immer etwas gibt, das noch schlimmer ist.
hingegen glaube ich an ein begrenztes vermögen,
glücksgefühle zu erleben. ich glaube an die
unerträglichkeit zu großen glücks. weil glück und leid nur
im kontrast existieren können, ist jedes glück und jedes
leid gleichzeitig glück und leid zusammen. zuviel von einem
der beiden ist schädlich. wesgen sogar das leid im grunde
ein großes glück ist weil nur die erfahrung des leides die
chance auf glück in sich trägt. kompliziert wird das ganze,
weil glück und leid sich jeder objektiven quantifizierung
verweigern. muß ich also meinen subjektiven maßstab
anlegen.
geht es mir gut? nein, es geht mir nicht gut. weil ich
daran zum überwiegenden teil die verantwortung trage, ist
es mir nicht gestattet, darüber zu klagen. folglich gibt es
keine antwort auf diese frage. folglich bedeutet ein
schweigen, das es mir nicht gut geht.

meine schweigen in dieser sache stellt keine aufforderung
dar, nachzufragen. mein schweigen bedeutet tatsächlich ,das
ich nichts sagen will. es beudetet „laß mich in ruhe“
oder „sprich über etwas anderes“.
und jetzt verpiß dich.