/me

2003-07-27 19:29:35 (UTC)

aus mail / irreale welt

ja, der [name] arbietet im selben altenheim wie ich. im
gegensatz zu mir gefällt ihm die arbeit und er spielt mit
dem gedanken, eine ausbildung zu machen. er überrascht mich
duchr seine stärke, ich habe in ihm immer dein kleinen,
schwachen, schwulen, weichlichen bruder gesehen und gewöhne
mich langsam daran, das er mit seinem leben zurecht kommt.
auf seine weise, die mir zwar nicht immer gefällt, aber es
sit sein leben und es ist unnötog, auf ihn aufzupassen.
meine bemühungen um einen arbeitswechsel sind bislang
fruchtlos geblieben. ich habe mich auch nicht bemüht, ich
habe lediglich die fühler mal ausgesterckt, wurde
enttäuischt und deprimiert und zog mich zurück. so wie
immer. mittlerweile hat der MDK gesagt, ich sei so schwer
krank, das ich in eine klinik gehen sollte, die AOK will
mich jetzt dazu zwingen und ich dachte kurz daran, mein
leben zu beenden. wie immer. stattdessen habe ich mir
gestern den kopf dichtgemacht, meine gefährtin
weggeschickt, d.h. sie erkannte selbst, wie kurz ich vorm
explodieren stehe und entschied, in ihrer wohnung zu
schlafen. im moment ist sie bei ihren eltern bei denen die
mutter der kürzlich verstorbenen 20-jährigen zu besuch ist.
eigentlich wollte ich mitgehen weil ich die situation
beobachten wollte und man selten die chance bekommt,
frische trauernde zu studieren, aber meine gefährtin sagte,
sie habe angst vor meinen reaktionen. ich sehe den tod
eines menschen eher rational und bin bei weitem nicht so
traurig wie die betroffenen. also sitze ich hier, trinke
FRÜH KÖLSCH und höre NICK CAVE’s „No more shall we part“
und „Nocturama“. meine füße sind kalt, in der linken brust
gibt’s fiese stiche die mit sicherheit nur von der
intercostalmuskulatur herrühren. also kein herzkasper. nur
eine verspannung der muskeln zwischen den rippen.
das leichte stirnrunzeln rührt vermutlich aus dem
unvermögen, die welt und sich selbst so wichtig zu nehmen,
wie andere das tun. als sei die welt eine Matrix, nicht
real und deshalb ohne bedeutung. wie man selbst auch.
allerdings ist der erste regen trotzdem schön. gestern
mußte ich zum ersten mal ein t-shirt in der wohnung
anziehen weil mir kühl war. *freu* ich könnte stunden damit
verbringen, in einer bar zu sitze, zu trinken und barjazz
zu hören. stunden, tage, wochen und dann, eines tages auf
dem hocker sterben. einfach verschwinden, mich wie ein
nebel auflösen. niemand sieht es, niemand erinnert sich an
mich. als hätte ich nie gelebt. sofern man in dieser
unwirklichkeit überhaupt real leben kann. wir sind gäste
hier in einer aus vielen möglichen welten. wir könnten hier
sein, genausogut, wie wir woanders sein könnten, oder nicht
sein könnten.
„... and i just got to say, that it grows darker with the
day...“

mir graut vor der nacht weil ihr der tag folgt dem ich
unter mühen und mit mäßigem erfolg irgendeinen sinn
abzuringen versuchen werde, damit seine sinnlosigkeit mich
nicht allzusehr quält. in dieser jazzbar gibt es die suche
nach sinn nicht. dort ist es still ohne das das unagenehm
wäre. dort darf es still sein.
dein sessel klingt wie eine jazzbar. vielleicht liegt
deiner traurigkeit, meiner traurigkeit kein trauma oder
sowas zu grunde sondern eine generelle infragestellung das
lebens. etwas grundsätzliches. das grundsätzliche leid des
lebens selbst, sein versagen, die erkenntnis seiner
sinnlosigkeit, seiner ungewolltheit, denn es ist zufällig
entstanden, niemand wollte es und jatzt, da es existent
ist, bringt es die kraft nicht auf, sich zu negieren.