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2003-07-18 16:41:32 (UTC)

DIAlog 2 | wehrlager

OBITUARY, „World Demise“

das skalpell blinzelt mich an.

für morgen bin ich mit meiner gefährtin zum grillen
verabredet. so ist das, wir verabreden uns. wenn man
romantisch ist oder auf rollenspiele steht, kann man sagen,
das das wie am anfang ist, die ersten verabredungen.

ich glaube, es war OBITUARY’s „Redefine“ (oder „Final
Thoughts“ ?) als ich die sehnen im finger durchtrennte. im
rausch und im zustand der unkontrolliertheit.

ich sprach mit th. darüber, daß ich das schneiden nicht
verlieren wolle weil es eine irgendwie liebgewordene sache
ist. weil es einen besonderen wert innehat. ich gestatte es
nicht jeder situation, sich in meine haut zu brennen oder
sich in mein fleisch zu schneiden. sie muß es wert sein.
das verletzen meiner arme bedeutet ja nicht das sie nichts
wert sind. svv ist eine form der kommunikation mit mir
selbst, der reflexion über bestimmte sachen, der
wertschätzung in einem postiven sinn. ähnlich wie es für
andere mit tätowierungen ist. jedoch würde ich mir niemals
den namen eines menschen in die haut schneiden, denn wenn
die wertschätzung oder einstellung zu diesem menschen sich
ändert, kriegt man die bucstaben nicht mehr weg und sie
durchzustreichen sieht irgendwie blöde aus. *gg*
ich habe wohl narben die von meiner gefährtin stammen, am
re. oberarm und am rücken. (frag nicht ) über die
drüberzuschneiden erschiene mir wie ein sakrileg. sie sind
zeugnis intimster nähe. etwas romantisches. bloodplay für
anfänger. leider nur.
man kann niemanden zwingen, und die vorstellung, im blut
und im akt des schneidens hingabe und vielleicht
verschmelzung zu sehen, ist sicherlich für manchen
befremdlich, einen anderen absichtlich und auf dessen
wunsch hin, ohne das dabei aggressionen im spiel sind, also
ohne beziehung zu notwendigkeiten wie verteidung oder
kampf, zu verletzen.

ich hab mal ein video gesehen, das hieß „Schmerzsüchtig“,
es stand in der pornoabteilung und hatte mit pornographie
in der üblichen definition nicht das geringste zu tun. in
dem film kamen keine geschlechtsteile oder penetrationen
vor. es ging nur um das zufügen von schmerzen mit hilfe
erfindungsreich ersonnener apparaturen. der film reizte
mich überhaupt nicht, an elektrischem strom fand ich nie
gefallen. im gegenteil. elektrischer strom macht mir angst
seit der sache mit dem weidezaun im wehrlager.
ein unglücklicher war mit nasser hose (es war eine
geländeübung auf einer wiese und kurz zuvor hatte es
geregnet) über einen weidezaun gestiegen und blieb dran
hängen, den draht im schritt. *autsch*

ein anderer hatte versucht, einen am boden liegenden teil
des zaun aufzuheben und weil da strom drauf war fing er an
zu zucken und verwickelte sich deswegen mit beiden beinen
im rest des zaunes. andere, die im physikunterricht
offensichtlich gepennt hatten, versuchten, ihn da raus zu
ziehen und begannen ebenfalls zu zappeln. der erste typ
rief immer „hilf mir“. wäre es nicht nur ein weidezaun
sondern eine anlage mit mehr spannung (?) gewesen, hätte
die situation jeglichen witz verloren. so aber war’s
lustig. mit ausnahme des kerls dessen unterleib unter strom
stand. bleibende schäden gab’s glücklicherweise nicht.

irgendwer versuchte auch, den weidezaun mit einer nassen,
es hatte ja geregnet, mannscheibe ( eine zielscheibe aus
pappe in form eines knieenden menschen) runterzudrücken um
besser drübersteigen zu können. *lol* mit einem nassen
pappschild ! ich höre ihn noch „Nee, der griff ist doch aus
holz. holz leitet nicht“. *rlof*
hinterher wußte er es besser. holz leitet nur dann nicht,
wenn es trocken ist.

am ende der geländeübung mußten wir die kuhweide verlassen
und in unsere unterkunft einrücken. möglich war das
verlassen der weide nur, indem man über einen morschen
holzzaun stieg zwischen dessen querverstrebungen dieser
elektrische weidezaun verlief. auf der anderen seite des
zauns war ein feldweg, eine melange aus schlamm und
kuhfladen.
ein „rekrut“ hatte, nachdem er die unfälle mitbekomemn
hatte, solche angst, über das brüchige holz zu steigen und
dabei mit dem elektrischen zaun in berührung zu kommen, das
er versuchte, unter dem zaun durchzurobben. erstens klappte
das nicht weil er nicht dünn genug war, und zweitens
besudelte er seine uniform beim versuch von oben bis unten
mit cremigen, dampfenden kuhexkrementen. ich weiß nicht
mehr genau, wie ich diesen zaun überwand, vermutlich habe
ich versucht, drüberzuklettern und bin dann auf der anderen
seite in den schlamm gesprungen und sah ebenfalls aus wie
ein schwein in der suhle, aber wenigstens war es keine
kuhscheiße.

der ängstliche täuschte dann zwei wochen lang eine
erkältung oder eine andere infektion vor und durfte
stubendienst schieben während wir durch’s gelände
mrschierten du übungen in ganzkörpergummianzügen abhielten.
ABC-übungen bei denen einer beinahe erstickt wäre weil er
vergessen hatte, den stöpsel des filters seiner gasmaske
abzuziehen. der typ war ohnehin ein arsch, er hat uns beim
Uffz angeschissen weil wir heimlich rauchten, was wir aber
nicht durften. als wir herausbekommen hatten das er uns
verpfiffen hatte, teilten wir ihm schmerzlich mit, das man
kameraden nicht anscheißt. er verhielt sich dann
angepaßter.

wenn mich meine erinnerung nicht trügt, wurde er eines
abends das opfer eines angriffes mit dem handfeger. ich
habe davon nur gehört, ich war nicht dabei. jemand hat mit
dem handfeger das gemächt des armes kerls bearbeitet
gerieben bis dessen schwanz errigiert war, um dann mit der
rückseite des handfeger auf die eichel zu schlagen.
man kann nicht erwarten, daß pubertierende jungen, wenn sie
eingesperrt sind, militärischem drill unterzogen werden und
fast jede verbindung zur außenwelt unterdrückt und unter
strafe gestellt wird, sich wie zivilisierte menschen
benehmen.
und weil ich für „Agitation und Propaganda“ zu ständig war,
sozusagen der politoffizier war, sollte ich erklären, wieso
der junge sozialistische mensch abends zimmereinrichtungen
zertrümmert und türrahmen aus der türöffnung reißt, weshalb
heimlich geraucht wird usw. aber die haben meine fragen (
was erwarten sie denn wenn sie uns einsperren ... siehe
oben) nicht als antwort gelten lassen. sozialistische
menschen machen sowas eben nicht. die tun nur, was man
ihnen sagt.
mir ist bis heute rätselhaft, wieso die ausgerechnet in mir
ihren politischen agitator gesehen haben. vielleicht, weil
ich in staatsbürgerkunde nur einsen hatte? und sie deshalb
dachten, hinter so guten noten im sozialistischsten alle
fächer müsse echte überzeugung stecken? daß soviel
sozialistisches bewußtsein unmöglich gespielt sein kann?

nach diesem wehrlager unter verschärften bedingungen
fühlten wir uns wie frontkämpfer auf heimaturlaub. und
benahmen uns so. ;-)