/me

2003-07-17 10:02:52 (UTC)

über therapie (aus meiner antwort auf eine mail)

als ich mich auf die suche nach einer ambulanten therapie
machte, ging ich der th. bei der ich jetzt bin, solange
telephonisch auf die nerven, bis sie von der dringlichkeit
meines falles überzeugt war und mir den ersten termin gab.

eine sitzung läuft so ab, daß ich reinkomme, mich hinsetze
und wir dann über dinge reden, die eigentlich nebensächlich
sind. vielleicht hat th. einen anderen eindruck. aber
tatsächlich ist es so, das ich die meiste zeit zu hause
sitze und somit in keinerlei berührung mit konfliktfeldern
kommen kann. deshalb gibt es wenig zu reden.

ich gebe ihr meine tagebuchaufzeichnungen, was sie damit
macht, wollte ich sie schon in den vergangenen beiden
stunden gefragt haben. ich bin gehemmt. ich bin tatsächlich
schüchtern gegenüber autoritätspersonen. es sei denn, sie
reizen mich und machen mich wütend. einmal hätte ich, wäre
ein guter freund mir nicht in den arm gefallen, eine frau
mit einem besenstiel verprügelt. ich hätte ihr die scheiße
aus dem leib geprügelt. ich war blind vor zorn. in solchen
situationen ist mir alles egal. auch bei diesem ausbilder
im zweiten wehrlager. der drecksack. nunja. im regelfall
ziehe ich mich dann zurück, gehe aus dem zimmer. eine ex
ist mir da einmal hinterhergelaufen und hat mich nicht in
ruhe gelassen, das hätte böse ausgehen können. ich weiß es
zwar nicht genau, aber ich glaube, ich habe sie dann in
einem letzten moment der klarheit ausgesperrt.
man darf mir nicht im wege stehen, man darf mich nicht
wütend machen und mir dann den weg versperren.
das wäre ein konfliktfeld, aber wie gesagt, ich gehe nur
wenig unter menschen.

die dinge aus der vergangenheit sind in der therapie auch
gar nicht so gefragt, denn in der therapie soll es um
aktuelle sachen gehen.
th. hat mal imaginationsübungen vorgeschlagen und sachen
wie „den sicheren ort“, damit sie in zukunft mit geeigneten
maßnahmen meine erinnerungen wachrufen kann.

ob sie die falsche th. ist und ob ich besser zu einem O->
gegangen wäre.... wer weiß. in der klinik setzen sie einem
auch einfach einen th. vor die nase und das funktionierte
bislang. das einzige problem mit th’s ist, wenn ich sie als
mir unterlegen einschätze. dann nehme ich sie nicht ernst.

meine th. reagiert sehr häufig in einer weise die mir den
eindruck verschafft, das sie verletzlich ist. das sollte
ich mal thematisieren. die beziehung zwischen th und klient
soll ja angeblich sehr gut dazu geignet sein die
wirklichkeit zu reflektieren.

ich will ja niemandem weh tun und wenn du nicht so deutlich
sagen würdest, wann ich dir zu nahe trete, würde wir keinen
kontakt haben können. oder nur oberflächlichen.

dabei ist meine th. traumatherapeutin und genießt einen
sehr guten ruf, engagiert sich für kriegs- und folteropfer.
und mit deren erlebnissen können meine geschichten nicht
mal im ansatz mithalten.

ich sollte das tatsächlich mal sagen, daß sie mir sehr
verletzlich erscheint und das ein starkes hemmnis für mich
ist.
vielleicht kennst du das selbst, viel über dich zu
erzählen, auch intime sachen, und trotzdem nichts über DICH
zu sagen, bei aller intimität doch nur an der oberfläche zu
bleiben. so laufen meine sitzungen meistens ab. ich erzähle
von mir, aber bleibe dennoch an der oberfläche.
dabei sind meine 50 minuten nicht immer unproduktiv. das
hängt davon ab, wie ich drauf bin. fast erscheinen mir die
stunden als ließen sie sich in schwarz und weiß aufteilen.
entweder sind sie sehr gut, oder sie sind völlig nutzlos
gewesen. in den nutzlosen wußte ich nichts zu sagen. ich
habe sogar den eindruck, daß th. sowas forciert indem sie
durch ihr verhalten meine stimmung spiegelt. wenn dem so
ist, ist das eine sehr gute vorgehensweise. sie ist ja
nicht dafür da, mich zu unterhalten oder um mir die worte
aus der nase zu ziehen.

eine sache gibt es, die ich ihr übel nehme. und zwar den
non-svv-, non-suizidvertrag. der non-suizidteil hat für
mich sowieso keine gültigkeit. der non-svv-teil macht mir
gewissensbisse und setzt mich unter druck.