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2003-07-16 09:36:10 (UTC)

die liebe und der suff - eine mail

2003-07-16 09:36:10
die liebe und der suff – eine mail

„>>/>ich kann nicht von mir behaupten, dass ich schwere
zeiten
>>hinter mir hätte/“

/me:
es gibt immer irgendwas, das schlimmer ist. schmerzen und
leid miteinander zu vergleichen ist nicht sinnvoll. es gibt
menschen die schon dann leiden, wenn sie glauben ihre nase
sei zu lang, die drehen durch und werden psychotisch,
andere akzeptieren ihre zu große nase.
je nach veranlagung wirken sich trinkende eltern (-teile)
traumatisierend auf das kind aus, welches vollkommen von
den eltern abhängig ist. und da das kind lernt, nicht zu
jammern oder zu klagen, kann es später auch nicht
feststellen, _das_ es tatsächlich schwierige zeiten
durchgemacht hat. es hat ja keinen maßstab dafür. als
schwierig empfinde auch ich , das kein gravierendes
_ereignis_ stattgefunden hat. kein krieg, keine
vergewaltigung, keine folter in der mir die zehennägel
ausgerissen worden sind oder mir elektroschockgeräte in den
arsch geschoben wurden etc.
ereignisse werden von der außenwelt leichter akzeptiert als
das, was in trinkerfamilien abgeht, nämlich eine ständige
athmosphäre aus angst und unsicherheit. man selbst spürt
diese atmosphäre irgendwann nicht mehr oder nimmt sie nicht
als schädlich wahr, denn man kennt ja nichts anderes. auf
autos übertragen hieße das, es wird durch einen unfall
zerstört (ein ereignis) , es kann aber auch in einer
aggressiven athmosphäre einfach verrosten (kein ereignis)
beides ist zerstörerisch.

die anpassung die das überleben in einer trinkerfamilie
sichert, führt zu deformationen des erlebens und der
entwicklung. das kind kann nicht sicher sein, wie die
stimmung der person ist von der sein überleben abhängt.
solche kinder werden entweder selbst suchtkrank oder
entwickeln enormes kreatives potential, werden
gute „schauspieler“, können eigene bedürfnisse besser
verleugnen als „normale“ kinder, können sich blitzartig an
neue situationen anpassen, sind widerstandsfähiger
gegenüber schmerzen, können beziehungen sehr schnell
beenden oder aufbauen.

versuch doch mal dich zu erinnern, wie das war, damals,
wenn muttern besoffen gewesen ist. wie hat sie sich
verhalten? wie waren deine reaktionen darauf? wie sehen
deine reaktionen heute aus? gibt es da nicht parallelen?
ist deine stimmungsstabilität vergleichbar der stabilität
der stimmung deiner besoffenen mutter? knallst du dir die
kopf zu wenn situationen unerträglich werden?

mein bruder hat mir erzählt, das ich irgendwann nicht mehr
weinte, wenn ich verprügelt wurde. wozu auch weinen? hat
ihn das je aufgehalten, haben meine tränen und mein schmerz
ihn je dazu bewegt, von mir abzulassen? hat mein
schmerzempfinden sich vielleicht angepasst, so das es mir
nicht mehr weh tat wenn er den gürtel aus seiner hose zog
und auf mich einprügelte?

bestimmte dinge kann ich heute noch nicht gut aushalten.
wenn menschen schreien zum beispiel oder wenn kinder
schreien, dann krieg ich angst.

beziehungen zu menschen gehen nie so tief, das ich deren
verlust ernsthaft bedauern würde. das bild und die
empfindungen für einen menschen verfliegen wie nebel wenn
ich diesen menschen nicht ständig um mich habe.
wie soll man auch lernen das beziehungen stabil sind, wenn
ein und dieselbe person sich widersprüchlich verhält und
wie zwei menschen agiert, abhängig vom level des alkohols
in ihrem blut? wie kann man sich auf freundlichkeit
verlassen, wenn sie in sekunden vorbei kann weil der
alkoholspiegel im blut sich verändert hat? so lernt man
nur, wie unzuverlässig gefühle sind und das man sie nicht
ernst nehmen kann.
es gibt ein grundsätzliches mißtrauen gegenüber menschen,
sie sind grundsätzlich eine bedrohung. lob kann ich nicht
akzeptieren und mich daran freuen. tadel hingegen nehme ich
sofort an. weil er mir vertrauter ist?

das wirkt sich auch auf das selbstvertrauen aus. du hast es
nicht geschafft, deine mutter vom saufen wegzubringen, du
warst zu schwach, einfach unfähig. du konntest aber nicht
anders handeln weil nicht du, sondern der alk das
wichtigste im leben deiner mutter war und du ein kind
warst. ein kind kann nicht wissen, wie man einen säufer
behandelt denn es hatte nicht genügend zeit das zu lernen
denn es lebt erst seit kurzem.

sich selbst ernst zu nehmen ist genauso schwierig. wen hat
es denn interessiert wenn es dir schlecht ging? deine
mutter sicher nicht. zudem fehlt alkoholikerkindern das
vergleichsmaß. für viele ist ein mensch schon nett, wenn
der nicht schlägt. aber es ist normal, nicht zu schlagen.
nett wäre, zu streicheln.
angemessen wäre, die probleme des kindes ernst zu nehmen
und nicht arrogant auf sie zu reagieren indem man dem kind
trotzigkeit usw. vorwirft. das kind hat einen grund,
trotzig zu reagieren, den gilt es herauszufínden und dem
kind auf diese art zu zeigen, das man es ernst nimmt. nur
wenn das kind erst genommen wurde, wird es sich später
selbst ernst nehmen und sich als wichtig begreifen können.

wenn du deine macken nicht ernst nimmst sondern
herunterspielst, zeigt das nur, wie auf deine sorgen früher
reagiert wurde. dir wurde gezeigt, das du unwichtig bist
und deshalb siehst du deine probleme heute ebenfalls als
unwichtig an. und wenn du sagst, das es andere menschen
gibt denen es schlechter geht, dann hast du recht, aber wer
war denn früher der mensch, dem es schlechter ging? hat
nicht alles sich um deine mutter gedreht? die arme frau!
wie groß müssen ihre probleme sein das sie sich jeden tag
betrinken muß! traut man sich als kind denn dann noch,
eigene probleme zu äußern wo doch muttern so viele probleme
hat? darf man muttern dann noch zusätzlich belasten? oder
wird man dann selbst zu einem weiteren problem und ist
vielleicht daran schuld, wenn muttern wieder zur flasche
greift? will man die eigene mutter so traurig sehen, wo man
sie doch lieben will? will man jemanden den man liebt
traurig machen, diese schuld auf sich laden?


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