/me

2003-06-16 07:25:56 (UTC)

versager

gestern war ein interessanter und jammervoller tag. meine
gefährtin bezichtigte mich des „badens“ als wir im
stadtpark waren, sie verzichtete auf das wort >
selbstmitleid < . wo ich schon einfaches mitleid nicht
leiden kann.
am abend luden wir ihre schwester ein, sahen uns videos an
und tranken ein paar biere. eigentlich trank ich „paar“ und
meine gefährtin und ihre schwester „ein“. jetzt weiß der
körper nicht, was er machen soll, betrunken sein oder müde
oder wach vom kaffee und beruhigt von den pillen. so ein
fleisch hat es nicht leicht. *g*

im stadtpark versuchte ich, auf einen baum zu klettern was
wegen der stiefel nicht klappte. ich redete von meinem
gedanken, in eine andere stadt, ein anderes land zu ziehen
und meine gefährtin sagte, sie hielte das für wenig
sinnvoll weil dort dieselben probleme auftreten würden wie
hier. sie hat recht, man kann vor sich selbst nicht
weglaufen.

im film „101 REJKJAVIK“ fragt der hauptdarsteller, 30
jahre, sohn eines trinkers, kommt mit dem leben nicht
zurecht und wohnt noch bei muttern, die geliebte seiner
mutter als sie ihm sagt, er solle endlich anfangen zu
leben, „Was ist das denn, leben?“ und sie schwaudelt herum,
zeigt auf die gebäude und die menschen und sagt, daß das
leben sei. gegen ende des films legt er sich in den schnee
und versucht, zu erfrieren, was ihm nicht gelingt.
stattdessen zeigt ihn die nächste szene, wie er als eine
art polizist durch seine stadt läuft.
das erinnert mich an „GIRL INTERRUPTED“, an diesen
pathetischen augenblick, als die tussy sich für das leben
entscheidet. läuft sowas tatsächlich so ab? wie ein
fingerschnippsen und schwupps ist alles klar und die sonne
geht auf und man ist glücklich und hat ein ziel und den
antrieb es zu erreichen? mach ich irgendwas falsch? ich war
stationär, bin jetzt in ambulanter therapie, nehme brav
meine pillen und, wenn meine meine gefährtin recht
hat, „ackere“ ich wie ein tier. und trotzdem komme ich mir
vor wie ein fesselballon der an einem seil zum himmel
aufsteigt und wieder zurückgezerrt wird. wie ein vogel mit
geliehen flügeln.

zum teil bin ich an meiner situation selbst schuld. ich
hatte heute zur handwerkskammer gehen wollen aber wie es im
moment aussieht werde ich das nicht tun weil ich gestern
zuviel getrunken habe. ich dachte noch, ich sollte die
finger vom bier lassen aber nein.

was mir fehlt ist zum einen ein ziel, zum zweiten der weg
dorthin (inklusive der antwort auf die frage nach dem
warum) und drittens, der weg um das ziel zu erreichen. oder
eine schrotflinte.

ich verstehe mich selbst nicht. früher haben solche fragen
mich nicht derartig gequält, ich habe weitergemacht, habe
meine arbeit getan und die zweifel auf den feierabend
verschoben. der laden lief irgendwie. doch jetzt bin ich
seit, den klinikaufenthalt mitgerechnet, mitte januar nicht
arbeiten gewesen. vielleicht geht es tatsächlich vorwärts
und vielleicht ackere ich tatsächlich wie ein tier,
vielleicht hat meine gefähtrtin recht, doch ICH bemerke
kaum etwas davon.

es ist mir peinlich, bei der handwerkskammer anzurufen und
mich zu informieren weil ich glaube, daß jemand in meinem
alter einen job haben sollte, irgendwie mit „dem leben“
zurechtkommen sollte. ich weiß, das ist blödsinn.