/me

2003-05-02 19:10:16 (UTC)

arsch hochgekriegt

ich lese derzeit
Janet G. Woititz, „Um die Kindheit betrogen“ (erwachsene
kinder von suchtkranken. nicht zu empfehlen da zu
amerikanisch, der titel sagt es schon )

Michael Curin, „Der Club der Weinachtshasser“ (witzig wenn
man irischen humor mag)

Walter Moers, „Rumo und die Wunder im Dunkeln“ (gut zum
vorlesen, stellenweise ziemlich brutal.)

Ewald Rahn, „Borderline – Ein Ratgeber für Betroffene und
Angehörige“ ISBN 3-88414-258-5 (sehr empfehlenswert,
gemeinschaftsproduktion von Th.‘s und borderlinern. um
LÄNGEN besser als dieses aus unerfindlichen gründen in den
himmel gelobte „ich hasse dich – verlaß mich nicht“)

dieses buch hat mich heute motiviert, nach wochen dem
teppich in der wohnung meiner gefährtin den letzten schliff
zu geben. und das obwohl ich schon beim gedanken daran, das
haus zu verlassen, mich unter menschen zu begeben, spürte,
wie die schatten sich senkten und ich das ganze auf morgen
(oder so) verschieben wollte, oder mich betrinken, oder
ausknocken, verbrennen, schneiden...

da setzt sich ein mechanismus in gang. nicht, das ich nicht
gern schneiden würde, aber dann sollte der anlaß auch
entsprechend sein. ich war abgelenkt durch das hantieren an
dem bodenkleid, die spannung baute sich hinterher wieder
auf. ich kann das im nachhinein gar nicht schildern.
vielleicht sollte ich währenddessen notizen machen.
jedenfalls *labert* wollte ich nicht ohnmächtig sein, mich
nicht aus den falschen gründen mies fühlen, angespannt,
depressiv, selbstzerstörerisch, ängstlich, klein,
angestarrt, fehlerhaft, nichtsnutzig, minderbemittelt ....
und ging los.
den einkauf wollte ich auf dem rückweg erledigen und er war
eine tortur. ich fühlte mich wie vorher. grauenhaft. wenn
das nur nachließe. ich entschied, keinen wein zu kaufen,
dann kam der gedanke ans schneiden, ich entschied, nicht zu
schneiden. und dieses rad dreht und dreht. jede frustration
setzt es in gang. frustrationen gibt es viele. sie müssen
nicht groß sein, sie müssen nur da sein. zur sicherheit
habe ich die halbe flasche Shiraz in den ausguß geschüttet
die noch neben dem kühlschrank stand und sofort blitzt der
gedanke an rasierklingen und skalpelle mir durch’s hirn.
zudem habe ich noch leckere pharmazeutische sachen hier mit
denen ich mich schlafen legen kann. problematisch an
beruhigenden pillen und tropfen ist, das ich am tag danach
oft übel aggressiv bin.

ich möchte wieder normal essen können. zuviel zu essen ist
immer das letzte mittel im kreis der selbstschädigung. ich
kann nicht soviel essen, das ich satt bin, ich muß soviel
essen, bis ich platze, bis ich widerlich vollgefressen bin.
bis es mich vor mir ekelt, mein magen sich anfühlt, als sei
er dreimal so groß. beim brotessen hoffe ich dann, eine
schimmelige stelle zu finden um sie zu essen, um mich zu
erniedrigen. um mir zu zeigen, daß ich es nicht wert bin,
frisches brot zu essen. das ist nicht so schön wie zu
schneiden, das ist ekelhaft. worin liegt der sinn, sich
selbst fertigzumachen?

genug. der tag war gut, ich habe mich überwunden. für mich
war es anstrengend, für mich war das eine große leistung.
sogar wenn ich sie nicht würdigen kann. wenn es keine
leistung gewesen wäre, hätte sie mich schließlich nicht
angestrengt. vielleicht kann ich mir das ja einreden.


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