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2003-04-24 14:15:37 (UTC)

erkenntnisse

zu dem ersten alkbuch habe ich ein zweites gekauft ( und
natürlich Walter Moers, „Rumo & die Wunder im Dunkeln“),
denn die bücher mit den beschreibungen der zustände in
trinkerfamilien regen mein denken an. ist schon seltsam,
wie lange es dauert, bis man den möglichen zusammenhang
zwischen den macken und diesen speziellen erlebnissen in
der kindheit sieht. ich dachte, mich mit alkoholismus gut
auszukennen und soweit es den trinker angeht, stimmt das.
was die familiären spätfolgen der trunksucht angeht, wußte
ich wenig. ich hätte sie abstrahieren und ableiten können,
aber das tat ich nicht weil ich nicht akzeptieren wollte,
wie groß die auswirkungen der sauferei meines vaters auf
mein Heute sind. ich werde unbeschreibbar wütend weil ICH
die folgen SEINES saufens am hals habe. nicht nur, als ich
noch dort wohnte, also vor jahren, sondern jetzt WIEDER,
seit jahren, obwohl ich schon lange zeit nicht mehr dort
wohne.

was ich aus meiner kindheit an gefühlen *igitt* erinnere,
ist angst. was ich heute davon habe, sind meine macken. ich
glaube indes nicht, die direkte ursache aller macken in der
trunksucht meines vaters finden zu können. allerdings
stellt mich das aktuelle erklärungsmodell weitgehend
zufrieden.
natürlich ist alkoholismus eine krankheit. natürlich hat er
nicht zum trinker werden wollen. natürlich hat er sich
jeden tag aufs neue entschieden, zu trinken. ich bin nicht
der meinung, daß alkohol eine entschuldigung darstellt.
alkohol verändert den menschen, weicht das hirn auf,
verändert charakter und weltsicht und eben weil das bekannt
ist, weil sein vater ebenfalls getrunken hat, hätte mein
vater sich gegen den alkohol entscheiden können. das hat er
nicht getan.

am meistens schmerzt mich heute, daß er mich nicht um
verzeihung gebeten hat, um entschuldigung gebeten hat. ich
würde ihm nicht verzeihen, ich erwarte aber, seine bitte zu
hören. ich will sehen, daß er reue zeigt. daß er die
schäden die er an meinem bruder und mir angerichtet hat,
anerkennt.

meiner mutter nehme ich nicht übel, daß sie außerstande
war, uns und sich selbst ausreichend zu schützen. sie
konnte das schlichtweg nicht weil ihre kraft nicht
ausreichte, ich bin überzeugt davon, daß sie getan hat, was
in ihren kräften stand. die kräfte jedes einzelnen wurden
vollends davon in anspruch genommen, unter diesen miesen
bedingungen den laden am laufen zu halten. daß es
sinnvoller gewesen wäre, den säufer fallen zu lassen und
die energien in eine andere richtung zu lenken, kommt einem
nicht in den sinn weil es zuviel angst gab.

mir leuchtet auch ein, wieso meine gefährtin und ich so gut
hamonieren. sie braucht jemanden, der das gefühl von
sicherheit erzeugen kann, der den überblick und einen
kühlen kopf behält. und ich brauche jemanden, um den ich
mich kümmern kann, für den ich wichtig sein kann. das das
nun mit diesem L.-wort beschrieben werden kann, ist nicht
sicher. es ist in jedem fall eine symbiose.

meine beharren auf meinem recht zur selbsttötung stellt,
wenn die hypothese stimmt, den versuch dar, die distanz
zwischen uns und zwischen mir und „der welt“ zu regeln.
damit es mir nicht zu eng wird, damit ich nicht vereinnahmt
werde.
ich habe niemals mit meinem suizid gedroht, ich habe immer
nur gesagt, das es mein recht ist, mein leben zu beenden.
und kein mensch, kein papier kann mir das streitig machen.
insofern gibt es in jeder beziehung die irgendwer mit mir
eingeht, eine von vornherein durch mich betonte
unsicherheit. sei es nur, um dem anderen zu zeigen, wo die
grenze verläuft.

in „normalen“ beziehungen gibt es diese unsicherheit auch,
der unterschied liegt einzig darin, daß sie in „normalen“
beziehungen artikuluiert wird und somit nicht bewußt wird.

meine gefährtin war ziemlich entsetzt, als ich ihr sagte,
ich rauche, um zeitiger zu sterben. sie wird genauso wie
ich , zeitiger sterben weil sie ebenfalls raucht. der
unterschied zwischen usn beiden ist, daß ich absichtlich
rauche und sie ihren krebs eher nebenbei in kauf nimmt.
wieso ist sie über mich entsetzt und nicht über sich?!
würde ich mir tabaklösung injizieren oder sie konzenzrieren
und trinken, könnte ich ihre reaktion verstehen. aber so?!
******
grundsätzlich : wie kann einer vom wert des lebens reden
und dabei glaubhaft sein, wenn er nie in gefahr war, sein
leben zu verlieren? wie kann jemand sich anmaßen, mir
glaubhaft etwas vom wert MEINES lebens erzählen zu wollen,
wenn er selbst niemals in der situation war, sein leben
durch eigene hand zu verlieren?!


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