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2003-04-17 15:02:07 (UTC)

Eiseskälte

...and darkness was upon the face of the deep...

ich wünschte, ich könnte meine haut abziehen. alles ist zu
eng. um mich schlagen. sagte ich schon, daß ich den sommer
nicht leiden kann? ich weiß, es ist erst frühling, selbst
der ist zu warm. und natürlich nutzt der schulhausmeister
das wetter, um mit seinem laubgebläse zu hantieren. da
liegt kein laub. er arbeitet damit von vormittags bis
abends. ich würde seinen kopf gern in einen häcksler
stecken. ihn die eigenen finger fressen lassen. ich habe
hier irgendwo noch eine gartenschere herumliegen...

es ist das krank klingende, brummende, in mich dringende
geräusch das mir so zu schaffen macht. meine empfindungen
sind hier sicherlich übertrieben. ich bekomme das nicht
geregelt. manchmal bilde ich mir sogar ein, dieses geräusch
zu hören und dann lausche ich ...

ich würde den mann töten nur um dieses geräusch nicht hören
zu müssen. werde ich nachts durch das schnarchen meiner
gefährtin wach, könnte ich sie töten. wie laut das
schnarchen ist, spielt keine rolle. ich stehe dann auf,
setze mich an den rechner und sogar dort treibt mich das
geräusch an die grenze der belastbarkeit. es mag noch so
leise sein. ich würde sie töten, nur um das geräusch nicht
hören zu müssen. damit es endlich still ist. wenn meine
katze miaut und ich noch nicht richtig wach bin, bin ich
kurz davor, sie gegen die wand zu schlagen, damit es
endlich still ist. das macht mir angst.

---ich gehe über eine grüne wiese, sehe einen baum, berühre
ihn, spüre die rauhe rinde, den kühlen wind, ich
verschmelze mit dem baum. meine wurzeln reichen tief in die
erde, nehmen kühles wasser auf. der wind in meinen blättern
erfrischt mich, ich kann atmen. von einem kleinen ast
steigt ein marienkäfer auf, ich winke ihm hinterher und
gleite zurück in die festigkeit und substanzhaftigkeit
meines wesens. ich stehe frei und blicke über die wiese,
sehe den wind die oberfläche eines sees kräuseln. ich
stelle mir vor, wie ich mensch meine füße in das kühle
wasser tauche, einen moment stehenbleibe und die kühle
durch meinen körper fließt bis eine dünne eisschicht mein
gesicht überzieht. ich bin der winter mit grimmigen winden
die das lächeln in deinem gesicht erfrieren lassen bis du
blau bist vor kälte und der baum erfroren ist, seine
wurzeln im gefrorenen boden keine nahrung finden, die äste
verdorren, die rinde abplatzt und der kahle stamm in die
dunklen nachthimmel ragt.