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2003-03-04 14:57:23 (UTC)

krankenakte 2 | der Kleine hat angst

die suche nach meiner krankenakte war bislang wenig
erfolgreich. aus den aufzeichnungen geht zwar hervor, daß
ich mal in einem krankenhaus gelegen habe und bei einem HNO-
arzt war, jedoch fehlt („was wirklich komisch ist“) die
eintragung über den grund des arztbesuches. weiter fehlen,
bis euf eine, die eintragungen über die ausführung der
gesetzlich vorgeschriebenen säuglingsimpfungen („Sie sind
ja noch ein richtiges kind der DDR und die [ärzte] waren da
sehr penibel“) .
die impfungen die während der schulzeit erfolgten ( „da
konnten Sie sich nicht entziehen“) sind vollständig
dokumentiert.
die frau die sich um diese geschichte kümmmert, sagte, sie
sei „entsetzt“ über diese nachlässigkeit die
wohl „unüblich“ sei.

ich war dreimal in krankenhäusern. einmal wegen meiner
geburt ;), dann wegen einer leistenhernie (soll ich dir mal
meine leistenherniennarbe zeigen?*gg*) und zum dritten
wegen einer gehirnerschütterung die ich mir zuzog, als ich
im urlaub aus vollem lauf heraus stürzte.

eine der impfungen, gegen pocken glaube ich, hinterläßt am
arm so narben. vermutlich hatte auch ich die mal, doch ist
das areal verbrannt und ich kann es nicht mehr
nachvollziehen.

das blöde ist, daß im moment alles und jedes verdächtig ist
und nach gewalt riecht. ich traue nicht mal mir selber. ich
kann, albern nicht wahr, nicht mal ein waffelröllchen essen
oder o-saft durch einen strohhalm saugen ohne an einen
schwanz zu denken. man befreie mich von dieser hysterie.

mit meinem bruder war ich einkaufen weil er, man höre uns
staune, schwierigkeiten hat, nach draußen zu gehen. die
beziehungen die er unterhält, hat er immer zu partnern, die
in irgendeiner weise krank sind. HIV, herz, alkohol oder
die psychisch beeinträchtigt sind, auf den strich gingen,
vergewaltigt worden waren, ... er selbst hat sich mal an
einer therapie versucht, das aber abgebrochen. weswegen er
diesen versuch unternahm, sagt er nicht.

um mir den impfpaß schicken zu lassen, telephonierte ich
mit meinen eltern, genauer, mit meinem vater, der der
ansicht ist, daß, wer in therapie geht, geisteskrank sein
muß. er kommt genausowenig mit dem schwulsein meines
bruders zurecht. unser vater ist christ, er ist sehr
engagiert darin; was kann man da auch erwarten. gibt es da
nicht einen satz der in etwa sagt, das der mann nicht beim
manne liegen soll wie bei der frau?
das regt mich auf. ich könnte platzen vor wut. aber das tue
ich nicht, der wichser ist mir kein magengeschwür wert.

und so sitzt am rechner, neben dem telephon und wartet
auf einen anruf damit sich seine unruhe in wohlgefallen
aufgelöst. (wo ist mein atosil, wo ist mein tavor,
bromazepam, stilnox... ?*zg*)

********
der Kleine hat angst vor vielem, vor männern in schwarz-
violetten umhängen, vor menschen, mit masken vor dem
gesicht und ich habe alle mühe, einen klaren kopf zu
behalten und diesen unsinnigen, hysterischen spekulationen
einhalt zu gebieten. überall ist unsicherheit.
der Kleine will in die arme meiner gefährtin weil ihre haut
so beruhigend riecht.
der Kleine will jemanden haben, der ihm sagt, daß alles in
ordnung ist, daß er sicher ist, doch das kann ich ihm nicht
sagen weil ich die lage nicht einschätzen kann. woher soll
ich wissen, was gewesen ist und was geschehen wird wenn das
puzzle sich zu einem ganzen fügt?
wie kann ich ihm sagen, daß alles in ordnung ist wenn es
offensichtlich für ihn niemals in ordnung war? wenn es
keine sicherheit gab für ihn, keinen schutz? und ich jetzt
über die situation nicht orientiert bin und überall nur
offene fragen und verwirrung sehe?
eines kann ich sagen, nämlich das, was immer „es“ war, nun
vorbei ist, daß die zukunft für ihn gefahrlos sein wird und
das ich, sollte es nötig werden, uns aus dem leben nehmen
werde. es wird ihm niemand jemals wieder schmerzen zufügen.


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