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2003-03-01 10:09:39 (UTC)

klinikaufzeichnungen, siebter teil

28.01.03, 11:35 h, Danzig
Beziehungskram: Auch Rache hält Beziehungen aufrecht und
verhindert deren Beendigung. Insofern sollte ich meinen
Wunsch nach Wiedergutmachung und nach Vergeltung vergessen
und hinnehmen, daß mir irgendwas angetan wurde. Mir wird es
nicht besser gehen solange ich versuche, den Täter zu
finden um ihn zu verletzen. Im Gegenteil, ich muß ihm
vergeben und mit der Reparatur der Schäden beginnen wenn
ich will, das dieses Leben irgendwann mir gehört.
Ich möchte schneiden.

13:00 h
Ich würde schneiden um etwas zu besitzen das ganz allein
mir gehört. Um etwas zu haben, das _Ich_ ist. Fleisch und
Blut und Angst und Trauigkeit und Zorn und Schmerz. In der
Summe, reines, stählernes Fühlen.

Vielleicht geht es unter anderem darum funktionieren zu
müssen. Ich kann nicht funktionieren, wenn ich ständig an
die Klinge denken muß. Zu schneiden, damit das Verlangen
nachläßt?
Geht es doch darum, Ruhe zu haben vor all den Leuten die
mir ihre Geschichte erzählen? Ruhe – eine Insel für mich
ganz allein? Das Einzige, das mir ganz allein gehört??

|wundstatus: mehrere oberflächliche schnittwunden li.
oberarm|
Und niemals ist es genug.

17:20 h, Cradle of Filth
Nach dem Schneiden ging ich eine Zigarette rauchen und wog
ab, ob ich zu den Schwestern gehen sollte um die
Kleinigkeit versorgen zu lassen.
Ich nahm, eingedenk der Absprache mit Th., allen Mut
zusammen und wankte ins Schwesternzimmer. Glücklicherweise
hatte die Schwester Dienst, welche ich bereits von meinem
letzten Aufenthalt kannte und der ich vertrauen konnte.
Ich trug mein Anliegen vor und sagte ihr, daß es mir
peinlich sei.
Sie fragte: *„Warum?“
“Weil ich keine 15 mehr bin und schneiden etwas kindisches
hat.“
*“Das braucht Ihnen nicht peinlich sein.“

Ich ließ sie die Schnitte versorgen, sie desinfizierte mit
Alkohol, was angenehm brannte *freu*.
Nachdem sie den Verband angelegt hatte, sah der Arm aus als
gehöre er zu Schwarzenegger.

Zu schneiden ist im Sinne des Wortes kindisch. Der
Erfüllung welchen kindlichen Bedürfnisses jage ich
hinterher?

23:14 h
Entweder bekomme ich eine Erkältung oder der Tag war zu
anstrengend. Mir ist kalt, die Übelkeit kommt in Wellen,
der Kopf kündigt Kopfschmerzen an, in den Ohren habe ich
ein dezentes Pfeifen und ich bin erschöpft.
Beim Billard verlor ich zwei Spiele wegen ungenügend
durchdachter Stöße.

29.01., 12:45 h
Nachts wurde ich wach weil mir übel war. Das Frühstück ließ
ich ausfallen.
Die Massage heute war in Ordnung, manchmal habe ich sie für
kurze Momente beinahe genießen können. Die „Wanderung“
lasse ich ausfallen.

18:35 h, Sopor Aeternus
Allmählich gewinne ich den Eindruck, daß es keine Ursache
für den Deprikram gibt. Keinen Mißbrauch, keine Schläge.
Nichts.


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