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2003-02-26 23:56:20 (UTC)

kliniktagebuch, teil 5

22. 01. , 15:04 h, Nirvana
Ich gab Th. den Tagebuchblock weil ich hoffe das er darin
die Dinge lesen kann die ich nicht aussprechen kann.
Ein O-> aus „der Gruppe“ hat mir angeboten, den Sandsack
festzuhalten während ich boxe. Ich nahm ihn beim Wort denn
das Ding ist tatsächlich zu leicht. Meinem Eindruck nach
ist das Festhalten des Sandsackes für ihn von größerer
Bedeutung als für mich.
Th. konzentriert sich auf meine Mutter. Wie es aussieht,
scheint die Lösung des Problems in der unvollkommenen
Abnabelung zu liegen und ich frage mich, ob es wohl von
Bedeutung ist, daß ich 10 h mit dem Zug unterwegs wäre wenn
ich sie besuchen wollte.
Ich weiß nicht, was maien Mutter mit meiner Situation zu
tun haben soll, andererseits hat jedes Problem mehrere
Facetten die, jede für sich, ernstgenommen und betrachtet
werden müssen.
Den Gestaltungsth. habe ich gefragt, ob es möglich ist, das
er, Th. und ich uns die Bilder die ich zu Hause gemalt habe
mal gemeinsam ansehen können. Er will mein nächstes Bild
abwarten bevor er sich entscheidet. *hebt skeptisch die
augenbraue*
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25. 01, 9:20 h, Sopor Aeternus
Meinen schwulen Verehrer habe ich heute beinahe
niedergeschlagen. Er meinte, seine Finger in meine Seite
stoßen zu müssen. Ich sprang vom Stuhl auf und stieß ihn
weg von mir während ich zum was-weiß-ich-wievielten-male
sagte, daß ich nicht angefaßt werden wolle. Sein Bauch war
widerlich weich, meine Hände sanken tief hinein.
Er blickte konsterniert zu Boden. Beim nächsten Mal breche
ich ihm die Finger.
Anna-Varneys Arme sind schön. Wer hätte kein Faible für die
Ästhetik der Wunden?
Th. fragte, wie es mit „dem Druck zu schneiden“ aussieht.
Ich sagte, am Wochenende ist er stärker aber schließlich
sei ja erst Freitag.
Th. : „Was ist denn das Schlimme an den Wochenenden? “
P. :“Die Wochenenden sind leer... “
Th. : „Diese innere Leere auszuhalten ist schwierig ... ? “

12:05 h Sopor Aeternus
Es gab versalzene Suppe. Irgendwann wird die Qualität des
Essens zu einem sehr wichtigen Thema, Hauptsache Ablenkung.
Und es stimmt, die Wochenenden sind leer. Draußen scheint
die Sonne grell und schmerzt in meinen Augen. Ich bin müde.
Nicht müde genug um diese beiden Tage zu verschlafen.
Die Augen von Müdigkeit überwärmt, den Wunsch zu schneiden
im Kopf. Wochenende.

15:55 h, Christian Death presents Lover of Sin
In einem Cafè traf ich die O mit der ich über meine
Verbrennung gesprochen hatte. Sie war dort mit ihrer
Familie und lud mich ein, mich an ihren Tisch zu setzen.
Wie ich sie dort sitzen sah, machten sie den Eindruck einer
intakten Familie, stabil, liebend.... Das hat mich fast
zerrissen.

Ich muß mich entscheiden, ob ich weiterhin versuchen will,
die Probleme meiner „Familie“ zu lösen oder ob ich mich
traue mir einzugestehen, daß dort nichts mehr zu retten
ist.

UND DIE MUSIK IST IMMER VIEL ZU LEISE.

21:00 h, Lover of Sin
Klippie sagte, sie sei müde davon immer wieder aufzustehen.
Wie gut ich das nachfühlen kann. Vor ein paar Jahren sollen
zwei erfolgreich vom Klinikdach gesprungen sein.
Der Tod ist das Bett in das ich mich legen werde, wenn ich
müde bin. Wer sagte das doch gleich?
Ich nehme meiner Gefährtin übel das sie mich am Leben hält;
ich sollte diese Abhängigkeit auflösen.
Morgen ist Sonntag. Ein langer Tag. Viel Zeit, die es zu
überleben gilt. Die Musik ist immernoch viel zu leise. Ich
bin begraben in einem Körper der nicht mein Körper ist.

22:35 h
Ich ging in die Katakomben und mein Blick streifte ein
Fenster. Es schneite und der fallende Schnee wusch die
Trübsal aus meinem Kopf.

Kein Entschluß
Draußen fallen dicke Flocken,
Ich glaube, die Uhr ist stehengeblieben.
Und Bukowski ist ein Held.

Unten traf ich wieder die Klippie. Es tut gut mit ihr zu
reden, denn wir müssen uns gegenseitig kaum etwas erklären.