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2003-02-21 11:03:22 (UTC)

klinikaufzeichnungen, 2

11.01., 9:10 h, Cradle of Filth

Müdigkeit. Die Wochenenden sind schlimm.

18:55 h, Type O Negative
Nach dem Mittagessen war ich wütend, ängstlich, depressiv,
verlassen und ging in den Wald Steine treten. Ich verlief
mich, aber das ist hier eigentlich unmöglich. Ich dachte
daran, einfach im Winterwald sitzen zu bleiben und zu
erfrieren. Das soll ein angenehmes Sterben sein.
Mir war entfallen, wie unerträglich die leeren Wochenenden
hier tatsächlich sind. Sofort beginnt der Zyklus aus
Traurigkeit, Wut und dem Drang zu Schneiden; etwas kaputt
zu machen

22:50 h
Allmählich scheint sich in „der Gruppe“ die Erkenntnis
durchzusetzen, daß man nicht schon um 20:00 h zu Bett gehen
braucht. Ein Mitglied hat für morgen eine Partie Billard
zugesagt. *freu*
Morgen ist Sonntag. Die Sonntage sind noch viel übler als
die Samstage. Ich habe die Schäden an den Stiefelspitzen
begutachtet und die Stiefel eingecremt.
Beschädigen – Trösten. Meine Haut behandle ich nicht so
liebevoll. Vielleicht weil die Stiefel mir größeren
(gefühlten) Schutz geben. Andererseits schütze ich mich
mittels der Stiefel. Ist die Haut ein Teil von mir? Was
also ist „ICH“?

Th. scheint sich an der fixen Idee festgebissen zu haben,
daß ich mich weigere, meinen Körper zu spüren. Schon die
Worte „meinen Körper spüren“ lösen Ekel aus. Die Idee kam
ihm, weil ich eine Ibuprofenpille gegen die Nacken-Kopf-
schmerzen haben wollte und die von ihm angebotene
Wärmesalbe ablehnte („Dann würden Sie Ihren Körper spüren,
nicht wahr?!“).
Th. ist der Ansicht, wenn ich es fertigbrächte, meinen Zorn
anzunehmen, würde ich mich selbst „ein Stück weit“ annehmen
können.

12.01., 22:45 h
Der Sonntag ist beinahe geschafft. „Die Gruppe“ war Billard
spielen. Ein Mitglied „der Gruppe“ war in seinem
Selbstdarstellungsdrang nicht zu bremsen. Ich hätte ihm
gern den Queue durchs Gesicht gezogen damit es endlich
still sein würde.
Ich möchte schneiden. Ich bin traurig, Traurigkeit macht
mich suizidal. Wochenenden machen mich traurig.

Montag, 13.01, 15:45 h Cradle of Filth
Depression hits. In der Gymnastik gab es zum Abschluß eine
Partnerübung, man klopfe sich gegenseitig den Rücken ab
damit der locker werde. Ich lehnte ab. Bekam Angst.
Anfassen is nich, niemals, von keinem. Danach Autogenes
Training, was mich gut beruhigte.
Ein Schwuler hat mir ein ziemlich eindeutiges Angebot
gemacht. Ich könne mich an ihn wenden, wenn ich unter
sexuellem Notstand litte. Ich lehnte ab. Homosexualität hat
durchaus ihren Reiz, aber der Gedanke, daß ein O-> an
meinem Schwanz lutscht... *schüttelt sich vor Abscheu*

Mittwoch, 15.01., 4:40 h
Ist man erstmal zu so unmöglicher Zeit wach, hat man ein
Problem. Zum duschen ist es zu zeitig weil die Zimmerwände
so dünn sind, daß ich meinen Nachbarn beim Pinkeln zuhören
kann. Die Außentüren sind noch geschlossen und also kann
ich auch nicht rauchen gehen.

19:45 h, Fields of the Nephilim
Gegen Mittag verbrachte ich etwa 20 min am Sandsack, ich
hatte das dringende Bedürfnis, in etwas hineinzuschlagen.
Hineinzutreten erwies sich am Ende als befreiender.
Den Spiegel an meinem Bett habe ich zugehängt. Mein Anblick
war mir unerträglich geworden.
Die Erschöpfung des Körpers dringt zu mir durch. Es ist,
als stünde ich im Inneren einer einstürzenden Kathedrale.
Ich hasse es. Ich will die Erschöpfung und Schwäche nicht
spüren, will nicht, daß sie sich auf mich überträgt.

“Zu schneiden“ ist ein häufiger Gedanke, oder betrinken,
oder eines nach dem anderen.
Ich würde nicht zulassen können, daß die Wunden von jemand
anderem als mir selbst verbunden werden. Ich muß also
zuerst ins Dorf gehen und Verbandmaterial kaufen. Die
Pflaster die ich bei mir habe, werden von der Haut nicht
mehr vertragen. Scheiß Haut.
Die Haut zu verbrennen wäre eine Alternative : kein Blut
und in den ersten Tagen keinerlei Austritt von
Gewebsflüssigkeit.
Nur ein perlmuttfarbener Panzer und ich wäre das Gefühl des
Alleinseins los. Dieses Gefühl endet mitnichten wenn ich
mich mit anderen Menschen unterhalte.
In Gedanken habe ich die Szenerie schon viel
weitergesponnen und Th. die Verbrennung gezeigt. Verbunden
mit der Frage :“Welches Ausmaß dürfen Verletzungen haben,
damit die Kinik sie noch tragen kann?“

Was ist es, das mich zu solchen Mitteln greifen läßt? Was
suche ich bei Th.? Was brennt mir so auf der Seele und ist
so offensichtlich, daß ich es nicht sehen kann?

Der Wunsch nach Wärme die zu mir durchdringen kann ist
stark. Die Hitze der Feuerzeugflamme dringt durch und ist
warm, bergend, nah und sie verletzt mich nicht. Sie
überwindet Grenzen ohne Schmerz mit sich zu bringen, sie
ist sanft.
Mir ist schwindelig von den Bildern des Verbrennens, die
mir durch den Kopf geistern. Kopfkino. Fast spüre ich die
Wärme.


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