/me

2001-09-10 16:09:27 (UTC)

hell within me

Manches braucht eben etwas mehr Zeit. Ich bekomme ja schon
mal zu hören, ich solle mich mehr um mich kümmern. Ich weiß
nicht, wie das gehen soll. Der Ausdruck „sich um sich
selbst kümmern“ ist für mich unverständlich, ich erfasse
den Sinn nicht. Andererseits stimmt es auch, das ich
jedesmal, wenn es darum geht, mich mit meinen Emotionen
auseinanderzusetzen ( was glücklicherweise nur selten
vorkommt, für meinen Geschmack immer noch zu oft) mich
bedrängt fühle und beinahe körperliches Unwohlsein
verspüre. Ist das ein Problem? Ich komme zurecht solange
bestimmt Bereiche nicht berührt werden. Gestern erinnerte
meine Gefährtin mich an ein Gespräch das wir geführt hatten
und während dem ich ziemlich fertig war. Und warum auch
nicht. Es ist kraftraubend und es ist erschütternd,
verunsichernd, ein Gefühl von Ohnmacht und Bedrohung, diese
Tier in sich zu wissen, oder annehmen zu müssen, es in sich
zu tragen. Nach dem nächtlichen Gespräch gestern ist mein
Entschluß, eine Klinik aufzusuchen, gefestigter. Wu0ßtest
du, verständnicvoller Leser, das ich mich von der simplen
Aussage, das unser besonderer Gast mich als einen Freund
betrachtet, bedroht fühle? ICH W ILL DAS NICHT, mitbwelchem
Recht sieht sie mich als einen Freund an? Welche Grundlage
hat sie denn? Was mich dabeimerschüttert ist, denke ich,
die Verpflichtung die es mit sich bringt, jemandes Freund
zu sein oder für einen solchen angesehen zu werden. Von
einem Freund e-r-w-a-r-t-e-t man, das er zuhört. Und weil
der um diese Erwartung weiß, ist er in der Bedrängnis
entweder diese Erwartung zu erfüllen oder den anderen zu
verletzen indem er nicht zuhört. Beides ist unangenehm. Ich
kann nichts dafür, wenn jemand sich ein Urteil über mich
bildet, ich habe nicht darum gebeten. aber ich bin der, der
unter einer eventuellen Korrektur diese Urteiles zu leiden
hat. Beziehungsgeflechte sind zu kompliziert und ich habe
keinen Anhaltspunkt, keinen „Plan“ wie ich mich als ein
Freund angemessen verhalten soll. Mir fehlt das
Handlungsmuster, die Matrix, der „Knigge“. Innerhalb eines
Systems definierter Zustände kann man sich an Richtlinien
orientieren, in einer Freundschaft oder überhaupt einer
intimeren Beziehung zwischen Menschen geht das nicht.
Menschen verhalten sich nicht immer wie Maschinen. Sie sind
nicht berechenbar in ihren Reaktionen und sie sind e-m-o-t-
i-o-n-a-l. Sie sind deshalb verletzlich. Sie sind unfähig,
allein die Information in einer Nachricht zu hören, sie
hören auch den Beziehungsaspekt und die emotionale
Komponente. Das macht es so schwierig. Wieso können
Menschen nicht wie Rechenmaschinen funktionieren? Können
sie nicht ? Wollen sie nicht? Ich finde die passenden Worte
nicht um auszudrücken was ich sagen will. Hm.
Bereits zum zweiten mal hatte ich eine „Visualisierung“.
Das heißt, man nehme ein Problem, stelle sich vor, das man
es in einen Safe packt, zuschließt und das Problem ist
beiseite gelegt. Das kam ganz von allein. Bei mir ist eine
kantige Kiste aus stahl, zwei Millimeter Wandstärke und
irgendein Stiefel tritt und stampft das Problem in diese
Kiste hinein, in etwa so, wie man einen Menschen
zusammentreten würde, immer mitten hinein. Ich bin nicht
sicher, ob das mein Stiefel ist. Es ist möglich. Ich würde
erst in den Bauch, dann auf den Brustkorb treten und ihn
zertreten.Den Stiefel steuere ich, die Kiste taucht von
allein auf. Auch die Schwindelanfälle sind
erstmals heute morgen wieder aufgetreten. Die Beklemmungen
und die Atemnot können vom rauchen kommen.

*********
... and she comes down to me / and she offers me sleep/
under her black wings...
*********

Ich habe Angst mich dem zu stellen, vielleicht wehre ich
deshalb jeden Versuch der von außen kommt, ab, in diesen
Bereich vorzudringen. Es ist zu eurem Schutz und zu meinem.
Ihr würdet den Ausbruch nicht verstehen und verletzt sein,
weil ihr mich so nicht kennt. „Es“ ist in mir und es ist
bösartig und spürt keinen Schmerz, ihr müßt es erschießen
wenn es euch bedroht. Das ist eure einzige Chance und ihr
müßt schneller sein als das Tier.

Ich trage eine buntschillernde Woge aus Vernichtung in mir,
die nicht von mir stammt. Erinnerst du dich noch, wann es
besser ist, auf einem andern Planeten, in einem anderen
Universum zu sein? Immer wenn „ER“ nach Hause kommt. Und
jetzt auch, wenn ES (her)ausbricht. Du kannst es nicht
fangen, nicht zähmen, nicht besänftigen; man kann es nur
erschießen.