/me

2001-09-09 08:30:50 (UTC)

angstgewissen/verwirrung/das größte mädchen der welt

Ja, auch in dieser Nacht habe ich annehmbar geschlafen und
ich habe herausgefunden, das man einen guten Schlaf doch
nicht als Indikator nutzen kann. Jedenfalls nicht, ohne
andere Determinanten mit einzubeziehen. Ich bin ein wenig
gereizt; es ist mein (schlechtes) Gewissen. Irgendwann
werde ich gelernt haben, das nicht jede Auseinandersetzung
den Zweck verfolgt, mich zu verletzen, das nicht jede
Auseinandersetzung gleichbedeutend ist mit „Kampf“ und das
man den „Gegner“ nicht in jedem Falle gleichsam töten muß
um zu gewinnen. Man kann sich auch einigen, einen Kompromiß
finden. Ich will ja auch gar nicht immer kämpfen und
überhaupt nicht kämpfen will ich gegen dich, Zimtmädchen.
Denn Kämpfe haben keine Regeln und man kämpft, um zu
gewinnen und dazu werden alle Mittel eingesetzt, die
notwendig sind oder dem gewalttätigen Kopf als notwendig
erscheinen. Das heißt, Du würdest verlieren denn du bist
nicht so Rücksichtslos wie ich es bin.
Womit ich vermutlich immer rechnen kann, ist Dein
vergebendes Wesen und das ist gut. Das ist, was ich
brauche, Dein Verzeihen. Es zeigt mir zum einen, das Du
mich nicht haßt und zeigt mir zum zweiten, das ich es wert
bin, Deine Verzeihung zu erhalten. Ich habe einen Wert.
Irgendwann werde ich sogar das akzeptieren können. ********
some older shit :
06. september
ich habe nichts zu sagen. habe alles schon gesagt. finde
keine neuen worte. ich will schweigen. euch vergessen, vor
allem mich vergessen. nur noch schlafen. ich bin unfähig
aufzugeben und das ist das problem. mir geht hamlet
nicht aus dem kopf : „sterben?- schlafen?- schlafen.
vielleicht auch träumen“


05. september
Ich bin nicht sicher, ob es notwendig ist, in eine Klinik
zu gehen oder überhaupt eine Therapie anzustrengen. Die
paar Wunden sind in meinen Augen keine Rechtfertigung.
Ich habe keine Problem mit dem Verletzen und vielleicht
bilde ich mir nur ein, ein Problem zu haben. Bin ich blind?
Sehe ich zuviel? Hypochondrisch? Narziß? Und wieso
beschäftige ich mich damit, ob ich ein Problem haben
könnte? Oder zwei? Oder drei? Es gibt sicherlich Menschen,
die gravierende Beschwerden haben und die deshalb der
ärztlichen Unterstützung bedürfen. Aber ich? Und dann die
alte Frage : Wie fülle ich die Leere aus, die bislang von
Depris und SVV besetzt wurde, wenn die Depris und das SVV
ausgemerzt sind? Es sind ja auch Rückzugsmöglichkeiten,
kleine, sichere Inseln, die ich aufgeben müßte.

04. September
Es sind ja nur Phasen und es geht (leider) immer weiter.
Gestern nahm ich ... mg
*** um ruhiger zu werden und das Zeug hängt mir jetzt
noch in den Knochen. Ich weiß nicht, wieso es immer wieder
weiter geht, wieso das Leben nicht einfach aufhört und
welchem Zweck die Selbsttötungshemmung dienen soll. Es ist
einfach nur anstrengend und ich sehe keine Ergebnisse,
keinen Lohn für die Mühen. Und wieso überhaupt sollte man
am leben bleiben? wofür denn? um den Rest der Zeit mit
Medikamenten und Psydocs zu verbringen? Es ist nicht
b-e-f-r-i-e-d-i-g-e-n-d. Und wenn es mir mal ein paar Tage
gut geht gleicht sich das durch einige Tage depressiver
Verstimmung wieder aus. Noch nicht mal das stimmt, die
Bilanz ist nicht ausgeglichen. Das Resultat ist negativ.
Meine Gefährtin sagt, daß wir das gemeinsam durchstehen
werden. Ich will es nicht durchstehen, ich will
kein „durch“ ich will, das es endet. Das „durch“ dauert
bereits Jahre. so lang kann kein Tunnel sein. Aufwand und
Ergebnis stehen in keinem Verhältnis.
Zu meinem Arzt könnte ich gehen, allein, ich habe den
Willen nicht dazu. Im Moment ist alles so kompliziert und
ich fühle mich ständig überfordert oder unterfordert und
lese Zeitschriften in denen Bose-Einstein-Kondensate
besprochen werden , Hyperrealität und die Spins von
Elektronen und die Verlangsamung des Lichtes; lauter
nutzloses Zeug für mich. Ich verbrenne meine Schulter und
werde wütend, weil es nicht mehr weh tut, früher tat es
weh. Ich gehe zur Arbeit, ich esse, ich schlafe und gehe
zur Arbeit und esse und schlafe. Ich bemitleide mich
vielleicht und eigentlich ist es mir egal. Und vielleicht
genieße ich diesen Zustand sogar. Was kann man daraus
machen?

01.september
dem größten mädchen der welt wenn ich dir doch nur
helfen könnte. es ist sicherlich nicht gut, daß du mich
auch nocht tragen willst. deine augen sind leer und deine
stimme ist leise, meine einsichten kommen immer zu spät.
ich höre nicht, was du mir wortlos mitteilen möchtest. ich
sehe dich an und fühle nichts, verfluche zu spät meinen
egoismus. ich wollte dir doch helfen. es ist herbst und
unsere welt verliert an farbe. du könntest den letzten
schritt mit mir gehen und DU WILLST ES NICHT. dabei wäre es
so einfach. wieder mein egoismus, ich bin , ja was? ich
hoffe du verzeihst mir.

30. august
Ich erobere meine Identität zurück und hoffe, das ich an
mir Gefallen finden werde und das das größte Mädchen der
Welt an mir Gefallen finden wird. Plötzlich dringt die
Ahnung von etwas wie „Zukunft“ in mich ein. Wie geht man
mit einer Zukunft um? Oder ist das, was Zukunft heißt,
stets nur das Alte in neuen Farben, also eine
Sinnestäuschung? Ich weiß es nicht. Tief drinnen schreit
es : ‚Es ist zuviel, zu schnell, hör auf damit!‘ Soll ich
dem trauen? Soll ich weitermachen wie bisher? Oder weiteren
Änderungen stattgeben trotzdem sie mich ängstigen? Welche
Angst ist sinnvoll? Und wie kann ich die beiden
unterscheiden? Ich bin keineswegs blind, ich stolpere eben
nur durch nachtdunklen Wald und kann deshalb nichts sehen.
Ich werde irgendwann das faulige Fleisch aus mir
herausschneiden. Und was dann übrig bleibt, bin ich. Mit
Narben, doch diesmal verheilten Wunden. Ich bin nicht dein
faules Fleisch. Ich bin die Sonne die deinen Horizont
auslöscht. Deine Schmerzen berühren mich nur selten. Ich
bin effizienter, größer, stärker als deine Gewalt es sein
konnte. Mein Zorn ist gleißender als deiner . Und ich
verachte dich weil du deine Determinierung nicht überwinden
konntest. Ich bin arroganter und kälter als du und ich kann
dich tiefer verletzen, weil ich weiß, was du gefühlt haben
mußt und ich deshalb deine Schwäche nutzen kann. Ich habe
von dir gelernt also geh mir aus dem Weg, jetzt, da du
schwach bist, FUCKER. Und ich werde meine Gewalt in den
Griff kriegen und schon deshalb hast du verloren. Ich bin
auf dem Weg.

irgendwann
„Schach ist nicht das Leben“, Goethes Erben Unruhe,
Zittern , Schwindel, Anspannung, Schwäche, Übelkeit ; es
regnet und es kühlt ab. Das ist gut, vielleicht finde ich
Ruhe und kann schlafen. Am besten nicht mehr Aufwachen. ich
würde ihn mit napalm füttern, ihm säure zu trinken geben.
im traum, nicht in der wirklichkeit. Ich klammere mich an
den Gedanken „Klink“, als gäbe es nichts anderes. An
anderen Tagen, ist die Klinik überflüssig. Ich weiß es
nicht. Ich traue meinen Gefühlen nicht. Was echt ist, ist
blutig-rot.

„Get a life, boy“. Ich habe eines. Ich kann ihr Leben jeden
Tag nachlesen. Kann man einen Menschen ernst nehmen, der
darunter leidet, sein Leben genausowenig auf die Reihe zu
bekommen? Wohl kaum. es ist warm, wenn das nicht-gift durch
die adern schießt. das weiß keiner, der es nicht versucht
hat. es fühlt sich gut an. die prozesse in der vergiftung
erfordern das ganze fühlen und es bleibt kein platz für
störende gedanken. das kann kein psydoc wissen und kein
psydoc wird mir das ausreden können. keiner kann mir die
erinnerung daran nehmen. das ist nicht krank, das ist das
wissen, welches ich habe und ich würde es gern wiederholen
wenn ich sicher sein könnte, das es diesmal klappen würde.
ich spürte wie geborgenheit den körper durchströmte. es
ist, als sei der seelenfrieden zu kleinen weißen
suizidkristallen geworden. immer, wenn ich allein bin, in
letzter zeit zumindest, wenn die verlogene hypomanie nicht
mehr notwendig ist, kommen alte gedanken, warm, freundlich,
sanft und kraftvoll zurück und alles, was mich davon abhält
ist die sorge, das du zu früh zurückkommen könntest und ich
deine tränen sehen müßte. deine tränen sind ebenso mächtig.
ich will nicht, das deine tränen mein gewissen
vergiften.

rasierklingen ermöglichen den kleinen tod. entspannung für
kurze zeit, pflaster und strips für wochen. kein denken
mehr. nur das fallen in fühllose schwarze brunnen.
tintenblaue blumenwesen werden den schläfer in ihre obhut
nehmen, ihn weich betten, alles wird still sein und
friedvoll, vergebend; sogar für taten, die noch nicht
begangen wurden. vertraue mir. ich nehme dir den
schmerz.