/me

2002-12-12 10:40:33 (UTC)

nur so

guten morgen, welt. ich bin gekommen, dich mit meinen
malaisen zu langweilen.

ich glaube, ich ertrage mich gerade nicht. meinen anblick
im spiegel, das herzklopfen, die selbstgewählte isolation,
meine hände, beine, das pfeifen im ohr....
gut, nun könnte ich diesen nachspüren und mich in dieser
nabelschau verlieren. will ich das ? nö, will ich nicht.
was also ist zu tun? ( es hilft enorm, diese sachen
niederzuschreiben, auch wenn sie lächerlich sind und du
mein leser dich darüber amüsierst; schreiben ist ein
ordnender prozeß).
deshalb jetzt was anderes. hier im hause wohnt ein aller
mann. seine frau starb als sie die treppe putzte, sie
rutschte auf den nassen stufen aus und *schwupps* war’s zu
ende. diesem mann schiebe ich die zeitung unter der tür
durch weil er selbst kaum die treppen zum erdgeschoß bis
hin zum briefkasten gehen kann. weil ich das tue, halte ich
mich für großartig und mitfühlend. es ist übertrieben,
schließlich handelt es sich nur um die zeitung und die
briefe. er weiß nicht, das ich es bin der den postboten
spielt und ich will auch nicht, daß er es erfährt, denn er
würde bestimmt dankbar sein wollen und damit kann ich nur
schlecht umgehen, das ist mir „zu nah“.

kürzlich hörte ich, wie er sich weihnachtslieder anhörte
und das erinnere mich an die zeit, da ich allein war und
ich empfand mitgefühl.
also geht meine überlegung dahin, ihm am 24.12. eine
flasche weinbrand und ein paar plätzchen an die tür zu
hängen. der mann unternahm in der vergangenheit schon so
annäherungsversuche und versuchte, mir ein gespräch
aufzudrängeln. soll heißen, er stand mit den resten seines
mittagessens vor meiner tür und fragte, ob „die mimm“ noch
lebe ( meine dicke, verfressene katze), die reste seien für
sie.

kurz und gut, der mann ist nett und allein und erregt mein
mitgefühl. obschon ich von dem weihnachtszinnober gar
nichts halte. die eine hälfte der menscheit wird depressiv,
die andere hälfte versucht, sich gegenseitig mit
liebesbekundungen zu ersticken. als sei ein anlaß nötig um
einem menschen zu kann, daß der einen platz im herzen des
anderen einnimmt. oder als ob karneval nötig sei, damit ich
albern und fröhlich sein kann. du weißt was ich meine.

der dicke stinker hat einen neuen katerplatz gefunden. er
liegt jetzt neben der spüle in dieses schrankteil an dessen
rückseite die rohre der heizung verlaufen. und er sieht
sterbensniedlich aus, zusammengerollt, schlafend und von
mäusen träumend. *seufzt*