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2002-11-22 08:14:31 (UTC)

rudi, die klinge und mein arm, empfindungen

während ich versuche, mich durch den papierkram zu arbeiten
den der rentenversicherungsträger haben will, warte ich auf
einen anruf meiner Th. um mir den nächsten termin
bestätigen zu lassen. sie sagte Freitag, 30. 11. jedoch ist
der 30ste kein Freitag sondern ein sonnabend. die Th. ist
nur schwer zu erreichen. ich hab zwar ihre handynummer,
jedoch bezweifle ich, daß sie ihren terminkalemnder im kopf
hat. Th’s sollten einen i-netanschluß haben damit man sie
sicher erreichen kann. diesen anrufbeantwortern traue ich
nicht, ich denke immer, daß meine ansage von den tausend
leuten die nach mir darauf sprechen, gelöscht wird. früher
war es eben besser, da war alles aus holz und die jugend
war noch nicht so verzogen, sie hatte respekt vor dem alter
(usw.) *gg*
ich werde ihr beim nächsten mal davon erzählen, wie diese
fette narbe an meinem re. oberarm zustande kam. die stammt
nämlich nicht von mir und bisher habe ich immer ein
lügengespinst um ihre entstehung gesponnen weil die
wahrheit mir peinlich war. um ehrlich zu sein, die wahrheit
ist mir noch immer peinlich. sei’s drum. rudi und ich waren
stockbesoffen und hingen zu dieser zet ziemlich viel
miteinander herum. am bewußten abend sagte er, um unsere
freundschaft zu besiegeln und um mich zu einem „echten
punk“ zu machen, sei es notwendig, mir ein zeichen in die
haut zu applizieren. ich war ebenfalls betrunken und hatte
angst, denn rudi war mir körperlich absout überlegen und
wenn er betrunken war, war es unberechenbar. ich ließ also
zu, was er tat und wehrte mich nicht. er packte eine
rasierklinge aus, legte meinen arm auf seine schulter und
ich hoffte, er werde nicht allzu tief schneiden, redete
viel um ihn abzulenken. er aber arbitete sich wie ein
metzger in mein fleisch hinein. er schnitt mehrfach in
derselben wunde herum und versuchte, den buchstaben „D“ zu
schnitzen. ich hatte angst, er würde eine sehne erwischen,
es war fürchterlich blutig. dann dachte ich, wenn er eine
sehne erwischen sollte, könne ich das ja flicken lassen,
also hielt ich mich ruhig und wartete ab, rechnete damit,
daß er bald müde würde, denn er hatte noch mehr getrunken
als ich. er wurde nicht müde. das werk seiner schnitzerei
ist heute wulstig und sieht wie ein die hälfte des
durchmessersymboles aus. die länge der geraden beträgt etwa
5,5 cm und der halbkreis hat einen radius von etwa 3,5 cm.
innerhalb des gebildes sind weitere narben. er wollte
seinen vornamen in mein fleisch schneiden, der besteht aus
7 buchstaben. er schaffte nur das “D“ und sagte, als er
fertig war, „Jetzt bist du ein richtiger Punk“. ich sah
noch nie, und sehe auch jetzt nicht, wie ein punk aus. rudi
hielt sich für einen punk und er ist schon damals
alkoholiker gewesen, vielleicht hielt ich deshalb still.
den rest des abends erinnere ich nicht. am morgen danach
war ich erschrocken über das ausmaß der schneiderei unjd
die blutkrusten und zog, obwohl es warm war, einen pullover
in schlag-mich-tot-orange an. ( jaha, als ich jung war,
trug ich auch schon mal mnerkwürdigere klamotten, ich hatte
z.b. eine weste in rosa *brrr* *lol*)
wie ich die schnitte weiterhin versteckt habe, habe ich
vergessen. sie lokalisieren an einer stelle, an der sie, im
gegensatz zu den anderen narben, nicht von einem t-
shirtärmel bedeckt werden kann. keine ahnung, ob ich zur
zeit ihrer entstehung auf sie angesprochen wurde oder
nicht. vermutlich nicht.
ich meine mich dunkel zu erinnern, daß wir uns auf dem
dachboden des hauses befanden, in welchem rudi mit seiner
mutter wohnte und das es am nächsten tag ärger gab, weil
rudi in ein dort stehendes kinderbett gepinkelt hatte. ob
ich selbst auch auf dem dachboden meine blase erleichtert
habe, kann ich nicht mit sicherheit sagen.

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musik : CRADLE OF FILTH, "From the Cradle to Enslave E.P.“

jetzt, da ich die sache aufgeschrieben habe, fühlt mein arm sich so
seltsam an, schwach und wie eingeschlafen, als wolle er sein
empfinden von mir fernhalten. ein besserer vergleich ist dieser :
jeder, der mal bis zum muskelversagen sport getrieben hat, kennt
dieses gefühl von kribbeldnder schwäche, wenn man nicht in der lage
ist, einen arm auch nur einen zentimeter anzuheben. eine unangenehme
geschichte und so bescheuert. ich hätte rudi nicht gewähren lassen
sollen, ich hätte gehen sollen. ich habe versucht, meinen arm
wegzuziehen aber er hielt ihn fest. im suff macht man manchmal dinge,
über die man im nüchternen zustand nicht mal _nachdenken_ würde.
andererseits kann ich mir sagen, das es nur fleisch ist was da
verletzt wurde. das ich nicht dieses fleisch bin, sowenig wie ich das
geld auf meinem konto bin, oder mein job oder mein auto (wenn ich
eines besäße). nur fleisch, fleisch ist die hülle, die mich schützt.
ich bin, was in diesem fleisch drinsteckt. das fleisch ist nur hülle,
nicht mehr. das fleisch ist der apparat der meine existenz sichert,
er besitzt, was zur aufrechterhaltung meiner existenz notwendig ist.
organe zur energiegewinnung, abflüsse nach außen, sensoren um die
umwelt wahrzunehmen. eine aggregat zur informationsverarbeitung ( das
freilich schon wieder ein teil von _mir_ ist. das hirn ist mit mir
verbunden, alle andren organe dienen dem hirn bzw. mir.