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Ezoic
2002-10-18 15:33:53 (UTC)

sonnen - untergang

der regen drückt die fenster ein, mein blick bricht wie
glas, tropft unrhythmisch aus der regenrinne des
nachbarhauses. ich sitze nebenan, nicht auf diesem stuhl
hier, nicht in diesem raum, nicht in diesem leben.
ich möchte wissen, wer mein leben lebt und ob es demjenigen
gut damit geht und wessen leben ich lebe und ich weiß, das
es mir mit seinem leben nicht gut geht. ich sehe fremde,
vernarbte haut, fremdes blut sich mit dem regen vermischen.
meine katze sieht mich fragend an. ob sie mitgefühl kennt?
nein, sie will ans fenster.
wolkenblut, blutrote sonnen-untergänge. novae. und wir sind
sternenstaub. ich phantasiere zusammen wie mein hirn sich
als feiner nebel mit ein paar wenigen klumpen stellarer
masse im raum verteilt. ich sehe das tote fleisch
zusammenbrechen, ein universum das kollabiert. ein
schwarzes loch in der stirn und es hat das bleigeschoß aus
dem lauf gesaugt und es bahnbrechend in die
grauschleiermasse gelenkt. kleine, graue windungen die
ihren untergang planten weil sie sich nicht länger
ertrugen. die stille nach dem urknall, expansion des feinen
nebels, umhüllt vom feuerwerk der gedankenmaschine die
endlich stillstehen mußte.
mein davor-ich malt sich aus, wie friedlich dieser
stillstand sein muß. mein danach-ich malt sich nichts mehr
aus, es ist wirklich still, kennt keine freude, keine
trauer, keinen verlust und kein bedauern, keine
schlaflosigkeit, den hunger nicht nach sinn, noch die worte
die diesen hunger bitter stillen würden.
eine markierung auf der zeitkoordinaten zeigt an, daß es
zeit ist, entweder die pille zu nehmen oder endgültig zu
gehen.

mein existieren wird zu flüssigem bewußtsein im raum
zwischen den sternen, ich nehme alles wahr und bin doch
unberührbar. ich will nur aus diesem fleischkerker
flüchten. und neue worte finden.


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