/me

2002-08-22 22:34:11 (UTC)

haut, geschnitten

mein leser, heute werde ich mal zugeben zu jammern. wenn du
das nicht magst, so lies nicht weiter sondern klicke dich
weg.

ich habe mir die guten WILKINSON gekauft. und das denken
kommt mir in den weg. wieso willst du schneiden? um deiner
gefährtin zu zeigen, das sie dich nicht, auch nicht für nur
drei tage, allein lassen darf?
mir kommt bruce willis in den sinn, eine szene aus diesem
film. er steht betrunken vor der bar, er ist ein
erfolgloser detektiv und sieht im rinnstein einen
glimmenden zigarettenstummel liegen. er überlegt ob er sie
aufheben und weiterrauchen soll. er sagt „ was solls, bin
ich eben ein loser“ und hebt sie auf und raucht sie. so
geht es mir jetzt. ich will schneiden. ich wäre dann ein
loser, ich wäre erbärmlich weil ich mit so drastischen
mitteln nach gesellschaft verlange obwohl ich andere mittel
nutzen könnte. obwohl ich weiß, das das schneiden mich
nicht zum ziel führen wird denn ich würde es meiner
gefährtin nicht sagen oder zeigen. ich will nicht
erbärmlich sein und doch bin ichs. wohin ist die
selbstachtung verschwunden? *zg* noch dazu bin ich
angetrunken. ein südafrikanischer rotwein mit 13,5 %vol.
lecker, fast schon zu lieblich.

ich dachte daran, in der apotheke verbandmaterial zu kaufen
in der hoffnung, das die verkäuferin mich fragen würde,
wozu ich das brauche. kann man so armselig sein?! ja, man
kann. wenn man ich ist. auf der anderen seite spielt eine
narbe mehr oder weniger keine rolle. die arme sind ohnehin
versaut. und bis zu der stelle, wo ich die schnitte nicht
mehr mit einem t-shirtärmel verdecken kann, habe ich noch 3
finger breit platz. am rechten arm. am linken nicht.

es ist ein so warmes, nahes gefühl wenn die klinge in die
haut eindringt. geht es nicht um wärme und nähe? um
verstanden werden, angenommen werden? „wenn du mich mit den
narben annimmst, dann wirst du mir nichts tun, mich nicht
verletzen.“ irrglaube dieser art, wenn er sich nur warm
genug anfühlt. geht es nicht letztlich darum, trost zu
finden für irgendetwas vergangenes oder aktuelles? und, so
infantil es auch klingen mag, um aufmerksamkeit?
offensichtlich hat der, der sich solcher mittel bedient, in
seinen augen zuwenig aufmerksamkeit, mithin fürsorge
erfahren. selbstfürsorge, eigenliebe, vielleicht auch das?

diese narben sind mein. ich bin narbiges fleisch. ich
besitze kein anderes fleisch. das andere fleisch ist nicht
meines. die klinge ist meine stimme die sagt „im namen von
[...] nehme ich dies fleisch in besitz.“ ich küsse es indem
ich das blut mit meinem mund aus seinen furchen trinke. ich
gebe ihm wärme.

ich spüre etwas wie liebe gegenüber der klinge, sie ist
mein fetisch, sie ist meine stimme, mein wort, mein wunsch,
mein wille.