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2002-07-20 18:47:50 (UTC)

geschnitten

Es ist heute nichts geschehen. Ich
bin wieder nüchtern, die Sonne scheint, ich habe gegessen,
habe die Katze gefüttert ( sie hatte wieder den Bauch
eingezogen um besonders ausgehungert zu wirken, sie ist
sehr intelligent).... und doch spüre ich diesen Gedanken,
der mir über die Schulter schaut und meinen Blick ins Regal
mit den Rasierklingen lenkt. Der Abwasch war schwierig
unverletzt zu überstehen. Ich habe die Messer vor kurzem
erst geschärft ( das ist der Vorteil in einem SVV’ler
Haushalt : es gibt immer wenigstens ein geschärftes
Messer). Das erweckt Sehnsucht. Tatsächlich ist ein
sehnsüchtiges Verlangen, ein Gefühl wie „Bald habe ich
Urlaub“.Ich betrachte meine Arme im Spiegel. Und ...
war die Woche nicht stressig? War ich nicht tapfer und
selbstfürsorglich , habe ich mir denn eine kleine Belohnung
nicht verdient? Was spricht denn dagegen ein bißchen Blut
zu sehen, einen schnellen Schnitt zu setzen. Ist nicht
alles sinnlos und vergebens? Was macht es dann noch, wieso
sich nicht entspannen dürfen? Ich habe lange Zeit
widerstanden und die Winz-Schnitte zählen nicht, die sind
nicht mal richtig rot geworden und wer weiß wann die
Gelegenheit wieder so günstig ist.Das Nachdenken
darüber macht die Sehnsucht bitter. Welchen Gründe sprechen
dafür? Will ich nicht doch bloß in meine blutrote Traumwelt
flüchten? Wäre das nützlich? Aber muß ich immer
dagegen kämpfen?! Wieso denn?May I
kiss your wound?Maybe that will heal my soul.Free
me from this tomb,light my darkness, make me whole!
Let me take your hand, and together we shall flyto
a lonely place, where as „lovers“ we can die.In a
land .. .. so dark .. ..of seven moons .. .. eternal
night,with a sky of thousand stars,yet, for us
there is no light... -there waits no light.(Sopor
Aeternus)Ich zögere. Lege das Skalpell neben
mir ab. Betrachte den linken Arm.Bei meinen Gängen in
die Bastelabteilungen der Geschäfte habe ich immer nach
Skalpellklingen mit gerundeter Schneide gesucht weil man
damit tiefer kommt. Es war wie verhext, es waren nur die
spitzen Klingen zu bekommen. Ich nehme den rechten Arm in
Augenschein, schneide, werde von einem Schwindel erfasst.
Wie damals, mein erster Joint, mir wurde schwindelig weil
ich rechtschaffen bin und der Konsum von Rauschgift gegen
das Gesetz verstößt. Es war immer schlecht wenn ich etwas
entgegen der Regel getan habe. Das verursachte immer
Schmerzen und Angst. Und weil die Regel Willkür hieß,
hatte ich immer Grund genug, Angst zu haben. Aber jetzt
nicht mehr.Ich lege das Skalpell zurück und tausche
gegen eine Rasierklinge. Jetzt nicht mehr, jetzt sind es
meine Regeln. Jetzt bin ich Gottkönig.