/me

2002-02-11 13:24:56 (UTC)

politisches und utopisches

öde schleppt sich die zeit dahin. meine schulter schmerzt,
die wunde sieht aus, als habe jemand grünspan in den
vanillepudding gemischt.
ich würde gern etwas kreatives können. irgendwas schreiben,
kreieren. kürzlich fragte die mutter meiner gefährtin mich,
anläßlich eine diskussion, ob ich nicht in die politik
gehen wollte? das war erschreckend, denn wenn ich für die
politik geeignet sein soll, dann muß es um die politiker
wirklich schlimm stehen. armes d.land.

durch die geschlossenen fenster dringt der karnevalslärm.
wenn karneval lustig wäre, würde ich mich daran erfreuen
können, aber er ist nunmal nur albern. mit wenigen
ausnahmen. ein politischer karneval, ein festval der
satire, das wäre mal was. das Pink-Punk-Pantheon ist gut.
die übertragung des schwulenkarnevals war schlecht. aber
das hatten wir schon, oder? wenn karneval kunst ist, so ist
es seine aufgabe, die politischen und gesellschaftlichen
enwticklungen zu verfolgen, aufzunehmen und auf mißstände
hinzuweisen. das ist die ureigene aufgabe von kunst.
was soll man aber andereseits erwarten, wenn die menschen
sich ohnmächtig fühlen, allem, was „von oben“ kommt, blind
folgen und keinen antrieb haben, etwas zu ändern.
ich vergleiche das insgeheim mit dem verhalten und meinem
erleben in der ddr. und ich komme zu dem schluß, daß der
ddr-bürger politisch aktiver und, im vergleich mit der
saturierten brd-bevölkerung, regelrecht revolutionär
regierungskritisch war.

die feudale methode funktioniert in d-land noch immer. die
leute sind so beschäftigt, ihren lebensunterhalt und ihr
gesellschaftliches ansehen zu sichern, ihre soziale
stellung zu verteidigen, das sie nicht mal merken, wie sie
von den konzernen über den tisch gezogen werden. in der
BILD zeitung gab es in einer ausgabe vor kurzem die
schlagzeile, das die luder sich streiten. und in einer
deutlich kleineren überschrift stand irgendwo, das knapp
150.000 jobs in gefahr seien. das zeigt, was ich meine, ein
streit über die größe der titten irgendwelcher
silikonfotzen ist wichtiger als die gefährdung
existenzsichernder arbeitsplätze.
die menschen ergehen sich lieber in ablenkung als sich
problemen zu stellen.
wenn der stoiber verspricht, 800 oder 8000 billigjeos
zuschaffen wenn er bundeskanzler wird, wen will er dann
damit dazu bewegen, ihn zu wählen? die arbeitslosen
sicherlich nicht. denn was verbessert der arbeitslose, wenn
er für 100 euro mehr, am ende zwei billigjobs erledigen
muß? und als anreiz für diese erniedrigung wird dann die
arbeitlosenhilfe gekürzt. das ist das falsche vorgehen. man
muß nihct denenm, die wenig haben, die gelder kürzen um sie
zum arbeiten zu bewegen, man muß die gehälter der
arbeitenden anheben. es ist doch nicht so, das „der
arbeitslose“ zu faul wäre. er findet keine arbeit. bei
inoffiziell 5 millionen arbeitslosen gibt es sicherlich
auch ein paar tausend faulenzer aber diesen kleinen teil
darf man dich nicht zum maßstab für die millionen anderer
machen. und man sich auch raghen, woran das liegt, das es
arbeitslose gibt. ist es nicht so, daß die industrie einen
gewissen teil arbeitslosigkeit braucht? als druckmittel?
oder das es im prozess der profitmaximierung logischerweise
dazu kommt, daß immer weniger menschen benötigt werden um
immer mehr waren zu produzieren? daß die produktionsablaufe
mechanisiert werden weil man maschinen nicht entlohnen muß?
es ist illusorisch zu glauben, das man jeden bürger im
arbeitsfähigen alter in lohn und brot bringen könnte,
selbst wenn der es wollte. die industire wird esrt dann ein
interesse an daran entwickeln, wenn die kaufkraft der
bevölkerung so weit sinkt, das die industrie ihre produkte
nicht mehr absetzen kann. dazu wird es nicht kommen.

wenn ich die situation in der altenpflege betrachte,
wundert es mich nicht, das die altenheime einen so
schlechten ruf haben und nach immer mehr kontrolle verlangt
wird. die kontrolle allerdings wird das problem schlechter
qualität nicht langfristig verbessern. die löhne sind
einfach zu gering, als das die pflegekraft motiviert wäre,
jeden tag ihre bestes zu geben.
wenn einer gute arbeit erwartet, muß der den arbeitenden
auch gut entlohnen. also ist es nicht ein mangel an
kontrolle, der letztlich noch mehr arbeit bedeutet, weil
die pflegekraft jeden handgriff doppelt und dreifach
protokollieren muß, sondern ein mangel an anreizen, der die
qualität sinken läßt. ein mangel auch an persönlicher
verantwortung. als kleines rädchen im getriebe kann ich
schlampig sein, weil genügend andere rädchen da sind, die
meine schlamperei ausbügeln. als verantwortlicher
mitarbeiter jedoch, der, weil er gut arbeitet, anerkennung
seiner leistung erfährt, bin ich motiviert meine arbeit so
zu erledigen, das sie anerkannt werden kann. um meinen job
gut erledigen zu können, muß ich mir den arbeitsplatz und
die arbeit frei ausssuchen können. das bedeutet, ich nehme
nicht irgendeinen job an, weil ich beim bäcker meine
brötchen bezahlen muß, sondern ich nehme den job an, der
mich interessiert. und ich bekomme eine fundierte
ausbildung. von einem lohnsklaven darf man nicht erwarten,
das er motiviert ist. ok, das ist UTOPIA.

was mich dabei traurig stimmt, sind die angehörigen der
pflegebedürftigen. die wenigsten alten bekommen besuch ( es
sei denn, an weihnachten). sie fühlen sich unwichtig, haben
keine aufgabe und geben sich auf. deshalb ist es falsch,
wenn in altenheimen den bewohneren der arsch nachgetragen
wird. sie der verantwortung für sich selbst beraubt werden.
ich würde es gern sehen, wenn alte menschen mit aufgaben in
ihrem heim betraut würden. in der küche zum beispiel, oder
in der näherei, klempnerei – was auch immer. die alten
haben gearbeitet und sie besitzen einw issen und reiche
erfahrungen und im heim werden sie daran gehindert, diese
wissen und die erfahrungen weiterzugeben. statt dessenw
erde sie unterhalten durch dämliche karnevalsfeiern. deren
leben besteht daraus, morgens aufzustehen, von einer
mahlzeit auf die nächste zu warten und abends ins bett zu
gehen. selbst für hunde gibt es ein AGILITYtraining. die
alten müssen nicht beschäftigt w-e-r-d-e-n , sie müssen die
gelegenheit erhalten, sich ihre beschäftigung selbst
aussuchen zu können. man muß sie nur lassen. und wenn der
alte zehn minuten braucht, um eine kartoffel zu schälen,
dann ist das in ordnung weil ER die kartoffel schält und so
erfährt, das er nützlich ist und eine aufgabe hat und nicht
ein möbelstück ist, das morgens gewaschen und abends
poliert wird.