/me

2002-02-05 15:10:48 (UTC)

übermorgenland | krankschreibung | information des umfeldes

also war ich heute bei psydoc. zum einen, um die unterlagen
wieder abzuholen die ich für den arbeitgeber brauche und
zum anderen, um mir die entscheidung über eine
krnakschreibung abnehmen zu lassen. was er aber nicht tat.
und ich konnte mich nicht so richtig entscheiden. wir ,
bzw. er, wägten ab. ich habe ein schlechtes gewissen, wenn
ich mich krankschreiben lasse, weil bald karneval ist und
viele mitarbeiter diese zeit mögen und gern feiern wollen.
andererseits habe ich seit tagenkopfschmerzen und
rückenschmerzen und schmerzen im bereich der schultern. ich
fühle mich erschöpft wie ein marathoinläufer der in einem
letzten aufbäumen, das ziel vor augen, die anweiseung
erhält, einen umweg von mehreren kilometern zu laufen. ich
weiß nicht, was mich gerade auslaugt. die stimmungswechsel
vielleicht? das wetter? ich selbst?
ich weiß, daß ein einziger arbeitstag mich belastet wie
eine eine ganze arbeitswoche. es ist jedoch nicht so, daß
ich nicht arbeiten gehen könnte, es ist so, daß die
qualität meiner arbeit so erheblich leidet, das den
mitarbeitern die mängel auffallen. und da ich an menschen
arbeite und nicht an maschinen, ist es nicht zu vertreten,
schlampig zu sein.
ich bin im zweifel darüber, ob ich die kranschreibung
nutzen sollte. dafür spricht hauptsächelich sowas wie „mal
an sich selbst denken“, „unnötige belastungen vermeiden“
und solche sachen. und die sind ja auch berechtigt. dagegen
spricht, das die mitarbeiter auf den gedanken verfallen
könnten, das ich jetzt, da ich einen festen arbeitsvertrag
habe, mich spaßenshalber krankschreiben lasse, dagegen
spricjt das gefühl, die anderen im stich zu lassen (
vielleicht auch, ihnen den karneval zu versauen). was tun?
heute ist es glücklicherweise nicht mehr sinnvoll, die
stationsleitung zu informieren. morgen werde ich zu meiner
arbeitsstätte gehen um den papierkram vorzulegen. das ist
ein immenser berg.
heute kam der änderungsbescheid meines rententrägers mit
der post. eine aufnahme in die klinik würde ich lieber
heute als morgen über die bühne bringen, das würde den
druck wenigstens beenden.
was nach der klinik kommt, ist das übermorgenland.

ich habe versucht, die stationsleitung anzurufen ( und ich
danke dem erfinder des telephns graham bell [?] auf knien.
leider ist sie gerade in eine „konferenz“, also bei einem
gespräch mit dem chef, so daß ich eine mitarbeiterin am
telephon hatte die mit weniger feingefühl ausgestattet ist
( oder mit mehr neugier? oder sich für einen freund hält?)
die mich dann fragte : „du mußt ins krankenhaus? was hast
du denn?“ ich sagte : „einen weichen Keks, einen an der
Waffel“.
irgendwann würde es sowieso herauskommen, und ! FUCK’EM ALL!
wieso ist mir, dem vorzeigeliberalen, es so unangenehm,
über meine macken zu sprechen? und wieso mache ich mir
einen kopf um solchen scheiß? FUCK ME TOO!

und beim abwaschen habe ich mir auch noch in den
zeigefinger geschnitten (unabsichtlich). es gibt tage, an
denen bleibt man besser im bett. solche ungeschicktheiten
können mich zur verzweiflung treiben.
ich weiß, das diese reaktion übertrieben ist. ich werde
also heroisch sein *fg* , mir ein pflaster um den finger
wickeln und das geschirr spülen. ja, ich bin ein held *lol*!

vermutlich ist das, was ich fürchte, eine stigmatisierung.
was hilft gegen stigamtisierungen und vorurteile ( denn
nichts anders ist es)? offenheit und wissen in der sache.
also ich so mit blutendem finger in dem trüben spülwasser
herumfuhrwerkte, kam mir ein glücklicher gedanke.
es ist vorteilhaft, eine pause einzulegen b-e-v-o-r man so
richtig krank wird. ich habe also richtig gehandelt.
die stationsleitung weiß bescheid und wünschte mir „alles
gute“. und meine katze ist sehr arm und muß jetzt
gesterichelt werden. :-)

es besteht auch die möglichkiet, das die vorurteile, die
ich von anddren erwarte, ihnen also unterstelle, bloß eine
spiegelung meiner eigenen vorurteile sind. dennoch,
sollte „die welt“ ein besserer platz sein, als von mir
angenommen? der mensch doch nicht das bösartigste aller
tiere? ich werde es morgen sehen, wenn ich an meine
arbeitsstätte gehe um den papierkram zu erledigen.

ICH bin der, der in diesem seltsamen „leben“ zurechtkommen
muß. ICH bin der einzige, der dafür sorgen kann, das es mir
einigermaßen gut geht. einzig ICH und deshalb sollten
andere mir egal sein, sie leben nicht meine existenz,
spüren nicht, was ich spüre, haben nicht keine probleme und
deshalb darf ich alles tun, das dazu beirägt, das es mir
gut geht. ICH ICH ICH HÖLLE HÖLLE HÖLLE

ich fühle freude (!) bei dem gedanken, das das hier unter
umständen doch nicht ins guinnessbuch der rekorde eingehen
wird, als längster abschiedsbrief der vergangenen
zeitalter.
es ist ein gefühl von befreiung, weil ich der
stationsleitung gesagt habe, das ich depressiv sei und eine
psychotherapie unternehmen werde. so genau weiß bislang
niemand etwas darüber. die beidejn reaktionen die ich
bislang auf die miteilung bekam, waren geprägt von
überraschung und staunen und hilflosigkeit. die
stationsleitung mutmaßte, das ich „zu aufgedreht“ sei, als
ich ihr sagte, ich unterzöge mich eine psychotherapie.
mein leser, du darfst nicht davon ausgehen, das die
menschen IRL mich so kennen wie du mich kennst. die haben
ein völlig anderes bild von mir. einen gut gelaunten,
manchmal müden menschen der vielleicht etwas extremere
meinugen vertritt und diese vielleicht auch extremer zum
ausdruck bringt. von den ängsten, zwängen, depris,
verletzungen bekommt die welt IRL so wenig mit, das sie es
nicht glauben kann. vielleicht diejenigen, die eine antenne
dafür haben weil sie es aus eigenem erleben kennen. ich
würde zu gern schreiben, daß „die welt“ nur daran
interessiert ist, daß man funktioniert und ein genehmes
bild abgibt, das sie alles andere ignoriert. doch das wäre
eine schuldzuweisung die so nicht stimmt. ich habe „der
welt“ nichts von mir gezeigt. es gibt keinen grund, mich
anders zu verhalten. „die welt“ hatte also keine chance
gehabt, irgendwas zu ignorieren, sie bekam ja nichts
gezeigt, das sie hätte ignorieren k-ö-n-n-e-n. ich wollte
nichts zeigen, sie konnte nichts ignorieren = es gibt keine
schuld.

ich werde meiner gefährtin heute die freigabe erteilen,
über den klinikaufenthalt zu reden. schon allein, weil die
erschreckten reaktionen der hörenden mich amüsieren.